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Terror in ChristchurchExperten kritisieren Rolle von sozialen Netzwerken

Dieses Bild aus dem Video des mutmaßlichen Hauptattentäters von Christchurch zeigt ihn während der Fahrt in einem Auto. (dpa-Bildfunk /AP)
Dieses Bild aus dem Video des mutmaßlichen Hauptattentäters von Christchurch zeigt ihn während der Fahrt in einem Auto. (dpa-Bildfunk /AP)

Der mutmaßliche Haupttäter des Anschlags auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch hat Wert darauf gelegt, dass die Tat und seine Motive möglichst viel Verbreitung im Internet finden. Terrorexperten warnen, dass Plattformen wie Facebook zu wenig tun, um das zu verhindern.

In sozialen Netzwerken kursiert ein 74-seitiges Schreiben, das der Haupttäter kurz vor der Tat veröffentlicht haben soll. Darin kündige er den Anschlag an und lege seine rechtsextreme und islamfeindliche Motivation dar. Das Schreiben nimmt auch Bezug auf den rechtsextremen norwegischen Attentäter und Massenmörder Anders Behring Breivik. Zudem hat der Mann die Tat offenbar live im Internet übertragen. Das Video ist immer noch zu finden, auch wenn die Behörden und die Netzwerke die Accounts inzwischen gelöscht haben.

Neumann: "Sammelsurium" aus verschiedenen Ideologien

Der Terrorismus-Experte Peter R. Neumann sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", der Täter sei eindeutig rassistisch und islamfeindlich motiviert gewesen. Sein "Manifest" offenbare ein "Sammelsurium aus verschiedenen Referenzen und Ideologien". Er beziehe sich zum einen auf Thesen von alten Rechten, spreche aber auch beispielsweise von einem "großen Austausch", einer populären These der neuen Rechten. Dabei veröffentlichte er auch scheinbar unsinnige und widersprüchliche Videos und Parolen. Das sei typisch für eine "aggressive neurechte Subkultur im Internet, die sich überall ihren Ideologie-Mix zusammensammelt", so Neumann.

Der Forscher am Londoner King's College ergänzte, die Live-Übertragung habe der narzisstischen Selbstinszenierung des Täters gedient, und auch der Verbreitung der Tat. Er rechne damit, dass immer mehr Terroristen ihre Handlungen live zeigen werden. Gegen eine rasante und massenhafte Verbreitung lasse sich nur mit mehr Einsatz von Personal und Technik vorgehen. Eine Live-Überwachung von Plattformen wie Facebook halte er für unrealistisch, betonte Neumann. Die Firmen müssten aber mehr als bisher beisteuern im Anti-Terror-Kampf.

Soziale Netzwerke als Sicherheitsrisiko

Die Terrorexpertin Nolwenn Bervas von der Beratungsfirma Risk Advisory Group wies darauf hin, dass im Internet viele Informationen und Propaganda zugänglich sei, die mit Rechtsextremen, Linksextremen oder Dschihadisten verbunden sei. Es gebe viele Orte im Internet, an denen sich Menschen wie der Angreifer radikalisieren könnten. So habe der Attentäter in seinem Manifest geschrieben, man könne die Wahrheit nirgendwo sonst finden.

Auch Anwita Basu, Expertin bei der Forschungsabteilung der Zeitschrift "Economist", sagt, die sozialen Netzwerke hätten Einfluss auf die weltweiten Sicherheitsrisiken. "Mehr als alles andere bieten sie eine Plattform, auf der extremistische Ansichten geteilt werden."

Facebook und Twitter reagieren betroffen

Die Plattformen selbst äußerten sich betroffen. Facebook twitterte, die Polizei habe das Unternehmen auf den Live-Stream aufmerksam gemacht. "Wir haben das Facebook- und Instagram-Konto des Angreifers sowie das Video schnell entfernt." Das Unternehmen werde auch, sobald es davon erfahre, jegliches Lob oder jegliche Unterstützung der Tat und des Täters löschen. Twitter erklärte, das Unternehmen arbeite mit den Ermittlern zusammen und verfüge über ein Team, das in derartigen Fällen aktiv werde.

Bei dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch waren mindestens 49 Menschen getötet und mehr als 40 verletzt worden. Als Hauptverdächtigen hat die Polizei einen Rechtsextremen aus Australien festgenommen. Zwei weitere Menschen werden verdächtigt, beteiligt gewesen zu sein.