Kommentare und Themen der Woche 13.11.2019

Tesla-Ansiedlung als SignalEin Quantensprung für BrandenburgVon Vanja Budde

Beitrag hören Das neue Tesla Model Y (AFP / Frederic J. BROWN)In Brandenburg sollen bis zu 7.000 neue Arbeitsplätze bei Tesla entstehen (AFP / Frederic J. BROWN)

Tesla will nach Brandenburg kommen und dort sein Werk für den europäischen Markt bauen. Bis zu 7.000 Arbeitsplätze könnten in der Nähe zu Berlin entstehen. Für das Bundesland ist das wirtschaftlich ein Segen, kommentiert Dlf-Landeskorrespondentin Vanja Budde.

Raus aus der traditionsreichen Braunkohle, rein in die klimafreundliche E-Mobilität der Zukunft: Für Brandenburg könnte die angekündigte Ansiedlung der Tesla-Gigafabrik symbolträchtiger nicht sein. 5.000 Arbeitsplätze gehen in der Lausitz verloren, wenn die Braunkohleverstromung endet. Bis zu 7.000 neue, qualifizierte Jobs soll es bei Tesla geben, übertariflich bezahlt, und das schon bald: Baubeginn soll schon im ersten Quartal kommenden Jahres sein: Tesla will Tempo machen.

Ein großer Erfolg, um den die Landesregierung im Geheimen Monate lang hart gerungen hat. Nur möglich im Verbund mit der auch für ein hippes US-Unternehmen attraktiven Weltstadt Berlin, das wurde heute auch klar: Brandenburg hatte vier Standorte angeboten, Elon Musk wollte vor die Tore der Hauptstadt. Dorthin, wo er gut ausgebildete Fachkräfte findet, wo die Infrastruktur stimmt, vor allem wenn der neue Hauptstadtflughafen BER doch noch einmal eröffnet werden sollte.

Berlin wird von einem Tesla-Entwicklungszentrum und hunderten neuen Arbeitsplätzen profitieren. Das zeigt: Berlin und Brandenburg sind gemeinsam am stärksten, als eine grenzübergreifende Metropolregion. Damit haben sie das Rennen gemacht, vor anderen europäischen Ländern und auch vor deutschen Konkurrenten wie Niedersachsen oder dem Saarland. Der Jubel in der Mark ist groß, die Unternehmerverbände der Metropolregion sprechen gar von einem Quantensprung.

Brandenburg erfindet sich neu

In dem beschaulichen Örtchen Grünheide, nur wenige Kilometer hinter der Landesgrenze, soll nun die große Tesla-Fabrik für den gesamten europäischen Markt entstehen. Gutes Timing für Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke: Seine SPD hatte die Landtagswahl am 1. September nur knapp gewonnen, unter schmerzhaften Verlusten und dicht gefolgt von der AfD, die vom Frust im Lande profitiert.

Der Koalitionsvertrag mit CDU und Grünen will Brandenburg neu erfinden, als Trendsetter, als Vorzeigeregion für E-Mobilität, Windkraft und Solarparks. Als Hort von Forschung und Wissenschaft. Die Tinte unter dem Vertrag ist gerade einmal trocken, die neue Landesregierung noch gar nicht im Amt, da kann Woidke mit der Ansiedlung von Tesla punkten: Chapeau.

Dass eine Gemeinde im ohnehin boomenden Speckgürtel rund um Berlin den Zuschlag erhalten hat, ist ein Wermutstropfen. Die sich oft abgehängt fühlende Uckermark oder die Prignitz in der Peripherie hätten solch eine Milliardeninvestition besser brauchen können. Und in der Lausitz wäre die Symbolkraft noch größer gewesen. Doch sei‘s drum: Das Signal für Brandenburg bleibt deutlich vernehmbar.

Vielleicht hört den Weckruf ja auch die deutsche Automobilindustrie, die den Aufbruch in die E-Mobilität viel zu lange verschlafen hat.

Vanja Budde –  (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Vanja Budde – (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Vanja Budde, geboren 1967 in Hamburg, hat Geschichte, Politikwissenschaften, Philosophie und Völkerrecht in Köln studiert. Als Journalistin arbeitet sie seit dem 17. Lebensjahr, nach einem Volontariat bei der Deutschen Presse-Agentur blieb sie dort ein paar Jahre als Redakteurin, bis sie sich 2012 in Berlin als Hörfunk-Freie selbstständig machte. Autorin, Kultur-Redakteurin und Nachrichten-Moderatorin bei Deutschlandradio Kultur, seit 2015 Landeskorrespondentin von Deutschlandradio in Brandenburg.

 

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