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StartseiteVerbrauchertippOft eine gute Qualität02.09.2019

Test von HerrenhemdenOft eine gute Qualität

Ob 10 Euro oder 140 Euro: In allen Preisklassen gibt es laut Stiftung Warentest gute Businesshemden, was den Verschleiß betrifft. Aber auch soziale Kriterien - wie etwa die Arbeitsbedingungen - fließen in dem aktuellen Test ein.

Von Dieter Nürnberger

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Herrenhemden in einem Regal (dpa/Ulrich Baumgarten)
Herrenhemden: Die Stiftung Warentest hat einige Produkte in einem Test unter die Lupe genommen (dpa/Ulrich Baumgarten)
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Die Preisspanne war beachtlich: Ein hellblaues Businesshemd aus 100 Prozent Baumwolle kann 140 Euro kosten oder auch nur - fast unglaubliche - 10 Euro. Schlecht war keines der 14 Produkte, doch überraschend hatten einige der teureren Bekleidungsstücke mehr Probleme als andere. Konkret: Sie waren etwas anfälliger für Verschleiß, sagt Claudia Till von der Stiftung Warentest.

"Mehrere der Markenhemden schneiden leidglich befriedigend ab. Darunter beispielsweise Eterna, Olymp und auch Seidensticker. Das lag am Haltbarkeitstest. Wir haben uns angeschaut, wie die Hemden nach etlichen Wäschen aussehen - und bei denen war es das Problem, dass die Kragenspitzen relativ früh abgestoßen waren."

Was damit zusammenhängt, dass in den Kragenenden meist feste Stäbchen eingefügt wurden, das lässt den Kragen nicht verknittern, beschleunigt aber den Verschleiß. Wenn möglich sollten die Stäbchen vor der Wäsche herausgenommen werden.

Untersucht wurden Regular-Fit-Hemden. Immerhin blieben die meisten nach Dutzenden von Waschgängen gut in Form. Die besten Ergebnisse schafften allerdings zwei günstige Produkte.

"Einmal eine Aktionsware von Lidl für 10 Euro und dann ein 30-Euro-Hemd von Peek und Cloppenburg. Diese beiden Hemden haben nicht nur gut und lange in unseren Waschtests durchgehalten. Sie sind auch gut im Tragekomfort und ließen sich auch vernünftig pflegen - das heißt, sie waren relativ einfach zu bügeln."

Auch soziale und ökologische Kriterien wurden bewertet

Ein Qualitätshemd für 10 Euro? In der Warentest-Untersuchung wurde auch die Unternehmensverantwortung hinterfragt. Hier geht es um soziale und ökologische Kriterien. Weswegen die Hersteller um Auskunft gebeten und auch einige Fabriken vor Ort besichtigt werden konnten. Claudia Till:

"Nicht alle Firmen gewährten uns Einblick in ihre Unternehmenspolitik. Die Auskunft verweigert haben zum Beispiel Hugo Boss und Tommy Hilfiger. Das haben wir dann mit mangelhaft bewertet."

Einiges sei besser geworden, so die Stiftung Warentest. Gravierende Missstände wurden nicht registriert, doch echtes Engagement in den Textilfabriken, die meist in Asien stehen, sei selten.

"Zum Beispiel, was die Arbeitssicherheit angeht. Da erfüllen alle die Mindeststandards. Auch massive Überstunden in den Nähereien, die wir sonst manchmal festgestellt haben, waren jetzt kaum noch ein Problem. Dennoch muss man sagen, dass die Arbeitsbedingungen nur sehr selten gut sind. Das liegt einfach daran, dass Näherinnen und Näher viel zu wenig verdienen. Sie bekommen zwar in Ländern wie Bangladesch den Mindestlohn, der ist allerdings so niedrig, dass es kaum zum Leben reicht. Da wäre oft das Vierfache nötig."

Einige Unternehmen haben Leitlinien

Nur durch diese unzureichenden Löhne vor Ort sind die oft sehr günstigen Verkaufspreise für Textilien möglich, so Claudia Till. In der Untersuchung schnitten die Unternehmen C&A, Lidl und Seidensticker noch am besten ab, weil sie bereits soziale und ökologische Anforderungen in ihren Leitlinien formuliert haben und zudem belegen konnten, woher genau die verarbeitete Baumwolle stammt.

Und leider gibt es bisher auch selten Siegel oder Zertifikate, die dem Verbraucher hier Orientierung geben. Im September immerhin startet der "Grüne Knopf" - ein von der Bundesregierung initiiertes Siegel. Die Stiftung Warentest hofft, dass es dann einfacher wird, verhältnismäßig fair und nachhaltig produzierte Kleidung zu erkennen.   

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