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StartseiteVerbrauchertippEnterben ist nur im Extremfall möglich11.02.2020

TestamentEnterben ist nur im Extremfall möglich

Wenn Streit zwischen Eltern und Kindern zum Zerwürfnis gerät oder die familiären Bande auf andere Weise reißen, denken manche Eltern schon mal darüber nach, ihren Nachwuchs zu enterben. Doch das ist gar nicht so einfach. Rechtlich ist das Enterben nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich.

Von Klaus Deuse

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Trauernde mit Blumengestecken stehen auf Euro Muenzen. Im Hintergrund der Schriftzug Testament.  (imago images/Wuest/Eibner-Pressefotox EP_fwt)
Den ungeliebten Nachwuchs nach dem eigenen Tod leer ausgehen zu lassen, ist gar nicht so einfach (imago images/Wuest/Eibner-Pressefotox EP_fwt)
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Der Schutz der Familie, also auch der Nachkommen, ist im Grundgesetz verankert. Dazu zählt auch die gesetzliche Erbfolge, die in Erbordnungen eingeteilt ist, sagt die Bochumer Rechtsanwältin Dr. Katja Mihm:

"Die erste Ordnung sind die Kinder des Erblassers. Und zu den Kindern gehören auch die nichtehelichen oder adoptierten Kinder, aber nicht die Stiefkinder. Und dann auch die weiteren Abkömmlinge, also die Enkel."

Nun herrscht nicht in allen Familien durchweg Friede und Harmonie. Eltern und ihre Nachkommen können sich heillos zerstreiten, so dass Eltern mitunter damit drohen, ihre Kinder per Testament zu enterben. Doch selbst dann, sagt Rechtsanwältin Mihm, müssen Kinder nicht fürchten, komplett ausgeschlossen zu werden.

"Es gibt den Grundsatz der Testierfreiheit. Aber der wird sehr stark eingeschränkt durch das sogenannte Pflichtteilsrecht. Das heißt, die Pflichtteilsberechtigten sind die nahesten Angehörigen, nämlich Kinder und Eltern. Und das schränkt tatsächlich die Testierfreiheit dem Grunde nach komplett ein. Und der Pflichtteil ist immer die Hälfte des gesetzlichen Erbes."

Der Pflichtteil steht selbst ungebliebten Kindern zu

Wem auch immer der Erblasser die eine Hälfte des Vermögens in seinem Testament zugesprochen hat, die andere Hälfte steht als Pflichtteil selbst den ungeliebten Kindern zu. Von gravierenden Ausnahmefällen abgesehen.

"Es gibt bestimmte Gründe, wo jemand als erbunwürdig gesehen wird, wo also wirklich in Extremfällen dann kein Erbrecht besteht. Das ist zum einen, wenn der Erbe versucht hat, den Erblasser umzubringen oder eine ähnliche, auf jeden Fall vorsätzliche Straftat begeht gegen den Erblasser oder gegen dessen Angehörige. Dann die Verletzung von Unterhaltspflichten gehört dazu. Oder auch wenn man eine andere Straftat begangen hat außerhalb der Familie und da mindestens eine Freiheitsstrafe von einem Jahr davon trägt."

Bei Schenkungen gilt eine Zehn-Jahres-Grenze

Und zwar einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Lediglich in solchen Härtefällen kann man vom Erbe des Pflichtteils ausgeschlossen werden. Wer seinen ungeliebten nächsten Angehörigen nichts oder nur wenig hinterlassen möchte, für den gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann er es sich noch zu Lebzeiten gut gehen lassen und sein Vermögen nach Gutdünken ausgeben oder an Dritte, die ihm näher stehen als die eigenen Kinder, verschenken. Dabei, so Rechtsanwältin Mihm, sollte man allerdings bedenken:

"Also bei Schenkungen gibt es eine Zehn-Jahres-Grenze. Und das, was praktisch vor zehn Jahren verschenkt wurde, das ist dann sozusagen wirklich ganz weg. Und dann gilt eine Staffelung von immer zehn Prozent bis praktisch hin zur Gegenwart. Wenn man also aktuell etwas im letzten Jahr verschenkt hat, dann gelten noch 90 Prozent."

Wie man etwas der Verwandtschaft vorenthält

Eben 90 Prozent des Wertes, den die pflichtteilsberechtigten Erben nachträglich einfordern können. Um die auf der Erbfolgeliste Stehenden in die Röhre schauen zu lassen, bietet sich noch die Möglichkeit, das Vermögen in eine eigene Stiftung einzubringen.

"Eine Stiftung könnte man zum Beispiel selber gründen. Dass man dann selber auch seine Ziele und seine Wertvorstellungen da vielleicht damit auch realisiert und sozusagen auch etwas Gutes mit dem Geld tut."

Sprich: der Verwandtschaft vorenthält. Damit der eigene letzte Wille auch zum möglichen Unwillen der Nachkommen umgesetzt wird, rät Rechtsanwältin Mihm, bereits zu Lebzeiten einen Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter einzusetzen.

"Zum Beispiel einen Notar oder auch eine andere Person. Und das ist dann eine gute Vorsorge in jedem Fall."

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