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StartseiteVerbrauchertippWie man es seinen Erben einfach macht24.09.2018

Testament und Nachlass regelnWie man es seinen Erben einfach macht

Keiner denkt gerne an den eigenen Tod. Aber bleibt die Erbfolge ungeregelt, fällt unter Umständen alles an entfernte Verwandte oder gleich Vater Staat. Gerade Alleinstehende sollten sich rechtzeitig überlegen, wen sie als Erben einsetzen wollen. Und wer den Nachlass abwickeln soll.

Von Constanze Elter

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Das Wort Testament wird mit einem Kugelschreiber auf ein Blatt Papier geschrieben. (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
Mit einem überlegten und auffindbar hinterlegten Testament fängt alles an (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
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Die Zahl der Singles in Deutschland steigt fortlaufend an. Gerade Alleinstehende sollten rechtzeitig darüber entscheiden, wer im Fall ihres Todes ihr Erbe antritt. Denn gibt es kein Testament, greift die gesetzliche Erbfolge. Und die unterscheidet nach Verwandtschaftsgraden, wie Ursula Flechtner, Fachanwältin für Erbrecht, erklärt:

"Schwierig wird's eben, wenn keine Kinder da sind, und dann geht diese ganze Erbenverfolgung aufwärts. Sprich über die Eltern, dann Seitenlinien Geschwister. Ist da auch niemand mehr vorhanden, geht man in die nächste Generationenfolge: Großeltern mit Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen, sodass sich das dann fürchterlich verzweigen kann. Und da kann es sein, dass man Erben rund um den Erdball suchen müsste." 

So erben dann entfernte Verwandte, die der Verstorbene möglicherweise noch nicht einmal persönlich gekannt hat. Können keine noch lebenden Verwandten ermittelt werden, fällt das Erbe sogar an den Staat.

Erbe kann an Auflagen geknüpft werden

Gerade alleinstehende Menschen sollten daher ein Testament verfassen – und genau bestimmen, was nach ihrem Tod mit ihrem Nachlass geschehen soll. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, auch außerhalb der Verwandtschaft, erläutert Friedrich Weitner vom Nachlassgericht Nürnberg:

"Es ist normalerweise so, dass jeder Mensch in einem bestimmten Netzwerk lebt, bestimmte Freunde hat, vielleicht auch in Vereinen engagiert ist, in Kirchengemeinden engagiert ist. Es gibt ja auch die Möglichkeit, zum Beispiel einen Verein als Erben einzusetzen, Institutionen einzusetzen, eine Stiftung zu gründen. Es gibt da sehr viele Möglichkeiten. Man sollte sich dann halt Gedanken machen, was passt zu meinem Netzwerk. Wen möchte ich da vielleicht auch als Erben einsetzen und entsprechende Regelungen treffen." 
 
Die Zuwendungen können im Testament mit Auflagen verbunden werden. So lassen sich über den Tod hinaus Dinge regeln, die einem selbst wichtig sind. Allerdings gibt es hier Grenzen:

"Wer zum Beispiel nicht erben kann, das wäre das Haustier, was auch viele Leute gern hätten. Da gibt's aber auch Möglichkeiten, dass man zum Beispiel im Testament eine Auflage mit aufnimmt, dass der Erbe sich um die Tiere kümmern muss, die hinterlassen werden. Es gibt auch die Möglichkeit, durch Auflagen bestimmte Regelungen zu treffen. Klassisches Beispiel ist die Grabpflege, dass sich da jemand auch drum kümmert."

Klären, wer den Nachlass regeln soll

Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen können zwar bedacht werden. Allerdings sehen die Heimgesetze hier Einschränkungen vor. Empfehlenswert ist es, derartige Testamente von der zuständigen Aufsichtsbehörde genehmigen zu lassen. Grundsätzlich gilt bei jedem Testament, sich klarzumachen, was man eigentlich möchte – und auch daran zu denken, wer nach dem eigenen Tod den Nachlass regelt und die Wohnung auflöst.

"Das Wesentliche ist, dass man es den potenziellen Erben einfach macht. Bedeutet in einem Testament: sehr eindeutig Festlegungen treffen. Wenn man nur einzelne Gegenstände vermachen möchte, dann im Wege des Vermächtnisses. Dies setzt wieder voraus, dass man vorher einen Erben bestimmt, der diese ganze Abwicklung vornimmt." 

Das sorgfältigste Testament nützt jedoch nichts, wenn es nach dem Tod nicht gefunden wird. Daher ist es ratsam, das Dokument beim Nachlassgericht zu hinterlegen – gegen eine Gebühr von derzeit 75 Euro.

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