Teure NaturkatastrophenDie Klimaziele zu verfehlen, können wir uns schlicht nicht leisten

Stürme, Hochwasser und andere Naturkatastrophen haben im vergangenen Jahr weltweit Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. Die Zahlen lenkten den Blick darauf, was unterlassener Klimaschutz koste, kommentiert Georg Ehring. Dabei erfassten die Daten der Versicherer nur einen Teil des Dramas.

Ein Kommentar von Gregor Ehring | 10.01.2022

Zerstörte Häuser im Hochwasser in einem Ort im Ahrtal in der Eifel zwischen Dernau und Walporzheim am 15. Juli 2021.
Es werde noch viel schlimmer kommen als die Flutkatastrophe im Ahrtal, sagt der Wissenschaftler Volker Quaschning. (picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)

Ein Rückversicherer als Buchhalter des Schreckens: 2021 steht in der Naturkatastrophen-Bilanz des Rückversicherers Munich Re bei den Kosten mit auf Platz zwei – nur 2017 war noch teurer. Wirbelstürme, extreme Sturzfluten und ähnliche Ereignisse haben weltweit Werte im Volumen von 280 Milliarden Dollar zerstört und fast 10.000 Menschen das Leben gekostet. Allein die Regen-Katastrophe im Westen Deutschlands und Europas schlug mit 54 Milliarden Dollar zu Buche. Die  Munich Re muss als Rückversicherer für solche Schäden aufkommen. Regelmäßig verbinden die Münchner die Bekanntgabe ihrer Katastrophen-Bilanz mit der Warnung, mehr gegen die Klima-Erwärmung zu tun. Denn die steckt hinter der Häufung vieler solcher Ereignisse in den vergangenen Jahren, da ist sich die Wissenschaft einig.

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Kosten der Klimakrise nehmen immer mehr überhand

Zwar ist nicht jede Wetter-Katastrophe auf das wärmere Klima zurückzuführen. Schon vor der Industrialisierung gab es schließlich Stürme und Überschwemmungen und zur Katastrophen-Bilanz gehören auch Erdbeben und Vulkanausbrüche ohne Bezug zum Klima. Doch die Kosten der Klimakrise nehmen immer mehr überhand und Daten der Versicherer erfassen nur einen Teil des Dramas. Es fehlen vor allem Schäden, die durch langsame, aber nicht weniger schlimme Entwicklungen entstehen. Etwa dadurch, dass die weltweite Erwärmung Wüsten wachsen, bislang fruchtbares Ackerland verdorren und Küstenregionen langsam versalzen und im Meer versinken lässt.
Es kommt uns Alle unglaublich teuer zu stehen, wenn es wärmer wird auf der Erde. Was wir in diesen Jahren erleben, ist lediglich der Anfang, denn die Erwärmung liegt erst bei gut einem Grad. Gemessen an dem, was die Staaten derzeit an Klimaschutz umsetzen, steuern wir trotz Pariser Klimaabkommen auf plus drei Grad zu – und selbst die Umsetzung aller noch so wolkigen Klima-Versprechungen würde nicht reichen, um den Temperaturanstieg auf die angestrebte Grenze von 1,5 Grad zu limitieren.

Nur ein kleiner Teil ist versichert

Die Zahlen der Munich Re lenken den Blick auf die Kosten unterlassenen Klimaschutzes und die sind einfach unbezahlbar. Nur ein kleiner Teil ist versichert. Der größere Teil muss von Menschen privat aufgebracht werden. Auch von Menschen, die selbst am Existenzminimum leben – Kleinbäuerinnen und -bauern im verdorrenden Süden Afrikas zum Beispiel. Am Wohlstand, der durch Kohle, Öl und Gas geschaffen wurde, hatten sie nie Anteil, die Folgen kosten sie die Existenz. Nach wie vor drücken sich die reichen Länder des Nordens um angemessene Zahlungen, damit sich die Armen an die schwerwiegenden Folgen der Erwärmung halbwegs anpassen können – von Schadensersatz ganz zu schweigen.

Kosten sind notwendig

Sicher - Klimaschutz gibt es nicht umsonst. Die Markteinführung von Solaranlagen und Windrädern hat viele Milliarden verschlungen, die Wärmedämmung von Wohnhäusern oder die Einführung besserer öffentlicher Verkehrsmittel tut es auch. Wer solche Kosten kritisiert, sollte sagen, wie die Klimaziele des Pariser Abkommens billiger zu erreichen sind. Sie zu verfehlen, können wir uns schlicht nicht leisten.
Georg Ehring
Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)
Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.