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StartseiteUmwelt und VerbraucherTeurer Klimawandel24.05.2011

Teurer Klimawandel

Versicherer legen Schadensprognose vor

Die großen Rückversicherungsunternehmen gehörten schon in den 90er Jahren zu denen, die vor einer Klimaerwärmung warnten. Jetzt hat der Gesamtverband der Versicherer gemeinsam mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung untersucht, mit welchen Schäden bis zum Jahr 2100 gerechnet werden muss - wenn sich nichts ändert.

Von Dieter Nürnberger

Nach dem Sturm:Feuerwehrleute beseitigen erste Schäden. (AP)
Nach dem Sturm:Feuerwehrleute beseitigen erste Schäden. (AP)

Die Aussagen der Klimaforscher sind recht eindeutig. Der Klimawandel werde Deutschland deutlich verändern. Kurz zusammengefasst kann gesagt werden, dass extreme Stürme zunehmen werden, und ebenso auch Überschwemmungen. Diese Aussagen sind für Fachleute wahrscheinlich nichts Neues, doch erstmals wurden nun Daten der deutschen Versicherungswirtschaft und der Klimaforscher abgeglichen – und daraus eine Art Zukunftsszenario erstellt.
Beginnen wir mit den Befürchtungen oder Prognosen hinsichtlich von extremen Stürmen: Hier wird es in den nächsten 30 Jahren generell in der Häufigkeit um 7 Prozent nach oben gehen. Und im Zeitrum 2041 bis 2070 sogar um 28 Prozent. Besonders prägnant werden die Zahlen dann bei der Unterscheidung zwischen Sommer und Winter. Friedrich-Wilhelm Gerstengrabe vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.

"In der Winterhälfte sehen wir bei der Sturmhäufigkeit eher keine gravieren Veränderungen in den nächsten 30 Jahren. Dies wird verstärkt erst in der Zeit ab 2040 passieren. Im Sommer sieht das Ganze anders aus: Da erwarten wir in den nächsten 30 Jahren schon einen Zuwachs von Hagelereignissen um 25 Prozent. Und das erhöht sich dann ab der Mitte des Jahrhunderts um 61 Prozent."

Für die Versicherer heißt dies, dass sie bis zum Ende des 21. Jahrhunderts allein für Extremstürme alle 10 Jahre 7 bis 8 Milliarden Euro zahlen müssen - eine Verdreifachung der heute üblichen Summe. Zum Vergleich: Der Sturm Kyrill vor vier Jahren – dieser gilt als sogenannter Jahrhundertsturm – kostete die Versicherungswirtschaft rund 2,4 Milliarden Euro.

Auch bei befürchteten Hochwasserschäden sei eine Verdreifachung in Deutschland möglich. Auch hier würden die Intervalle der auftretenden Fälle kürzer, sagt Klimaforscher Gerstengrabe.

"Wir rechnen heute mit 500 Millionen Euro Schadensumme bei einem Hochwasser. In Zukunft wird sich dies ungefähr verdoppeln. Auch die Widerkehrintervalle werden sich verdoppeln. Ein Schaden, der heute alle 50 Jahre auftritt, und ungefähr 750 Millionen Euro kostet, wird dann ungefähr schon alle 25 Jahre auftreten und rund 1,5 Milliarden kosten."

Das sind also die wenig erfreulichen Prognosen der Klimaforscher für die deutsche Versicherungswirtschaft. Derzeit - so Angaben des Dachverbandes GDV – würden 98,5 Prozent der Gebäude hierzulande versichert. Als schwer oder gar nicht versicherbar gelten nur rund 1,5 Prozent des Bestandes. Rolf-Peter Hoenen ist der Präsident des Verbandes. Er gab heute zumindest ein Versprechen ab.

" Deutschland bleibt versicherbar. Nicht versicherbare Gebiete gibt es auch schon heute. Meist betrifft es einzelne besonders exponierte Gebäude, manchmal auch Regionen. Wenn Sie auf Sylt wohnen, dann können Sie dort nun mal nicht gegen eine Sturmflut versichern. Die gute Nachricht: Nicht versicherbar ist heute eine Ausnahme, und es wird auch die Ausnahme bleiben. Die Kehrseite lautet aber, dass der Versicherungsschutz künftig teurer werden wird."

Freilich wagte der GdV-Präsident keine genauere Prognose über die Kostenentwicklung. Dafür ist es vielleicht auch noch etwas früh – aber um die Kosten im Griff zu behalten, seien auch Maßnahmen der Politik erforderlich. Als Beispiel wurde genannt, dass potentielle Überschwemmungsgebiete nicht mehr als Bauland ausgewiesen werden dürften. Zudem müssten bessere Entwässerungssysteme für Starkregenereignisse ausgelegt werden.

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