Freitag, 27.11.2020
 
Seit 01:30 Uhr Tag für Tag
StartseiteWirtschaft und GesellschaftDeutsche Bank rutscht tief in die roten Zahlen 24.07.2019

Teurer KonzernumbauDeutsche Bank rutscht tief in die roten Zahlen

Die Deutsche Bank hat ihre radikale Sanierungsphase begonnen. Tausende Stellen werden gestrichen, der Handel mit Wertpapieren eingedampft. Das kostet Milliarden und reißt schon jetzt Löcher in die Quartalsbilanz, auch aufgrund von Abfindungen für hochbezahlte Manager.

Von Brigitte Scholtes

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Das Foto von Februar 2018 zeigt die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. (picture alliance / Michael Probst)
Die Neuausrichtung der Deutschen Bank kostet weltweit 18.000 Jobs. (picture alliance / Michael Probst)
Mehr zum Thema

Umbau der Deutschen Bank Das Ende der Zockerbude

Bankenexperte "Deutsche Bank segelt hart am Wind"

Deutsche Bank Kleiner Gewinn, großzügige Boni 

Statt 2,8 Milliarden Euro, wie vor zweieinhalb Wochen angekündigt, weist die Deutsche Bank nun 3,15 Milliarden Euro Verlust im zweiten Quartal aus. Der Grund: Sie hat 3,4 Milliarden Euro und damit einen größeren Teil der Restrukturierungskosten im zweiten Quartal bilanziert als zunächst geplant. Dazu sei sie verpflichtet, erklärt Christoph Schalast, Bankenexperte der Frankfurt School of Finance and Management: "Da sind Abfindungen fällig und auch anderes. Wenn man absehen kann, dass diese Kosten auf einen zukommen und wenn man das in einer gewissen Form kalkulieren kann, dann muss man sie eben auch bilanzieren."

Das Geldhaus ist nach der Verkündung seiner neuen Strategie schnell an die Arbeit gegangen. Dem Vorstand sei klar, dass die Bank besser werden müsse, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing heute vor Analysten. Deshalb habe man sich für den radikalen Geschäftsumbau entschieden. So wurden in den letzten zweieinhalb Wochen schon 900 Mitarbeiter entlassen, 18.000 sollen insgesamt bis 2022 gehen. Wo die nächste Entlassungswelle ansteht und wie der Heimatmarkt betroffen sein werde, sagte er nicht.

Die Bank werde weiter Kostendisziplin üben, versicherte Sewing jedoch: "Wir sind gut auf Kurs, um die bereinigten Kosten auf 21,5 Milliarden Euro zu senken ohne Berücksichtigung der Umbaukosten. Kürzungen in der Abbaueinheit und Vorteile durch die Integration der Privatbanken sollten helfen, die bereinigten Kosten 2020 um weitere zwei Milliarden Euro zu senken."

Aktie rutscht ab

Die Börse aber reagierte dennoch enttäuscht, die Aktie rutschte weiter ab. Dass die Bank unter dem Strich operativ gut 230 Millionen Euro Gewinn geschrieben hat, das interessierte die Anleger offenbar nicht. Oliver Roth, Chef des Aktienhandels bei Oddo Seydler erklärt das so: "Das wird unter dem Strich von den Aktionären dann geschätzt, wenn auch auf der Einnahmenseite etwas passiert, und zwar zum Positiven." Das ist das große Problem, das Investoren schon lange beklagen. Die Gesamterträge der Bank sanken um sechs Prozent auf gut sechs Milliarden Euro, auch wenn sie in den Kernbereichen - also Unternehmensfinanzierung, Betreuung vermögender und sonstiger Privatkunden und Kreditvergabe - leicht zulegten.

Investmentbanking schwächelt

Immerhin zeigt sich in den Zahlen, dass die Entscheidung, das Investmentbanking deutlich zu stutzen, richtig war. Diese Sparte schrieb nämlich mit 907 Millionen Euro vor Steuern wieder tiefrote Zahlen. Die Deutsche Bank werde nun wieder zu dem, was sie einmal war, nämlich zu einer echten deutschen Bank, sagt Bankenexperte Schalast. Ist sie damit auf dem richtigen Weg? "Das kann man erst beantworten, wenn wir die nächste Finanzkrise sehen. Die kann in fünf Jahren kommen, die kann in acht Jahren kommen, eins ist nur sicher, sie kommt. Und dann wird man sehen, ob die angelsächsischen und auch asiatischen Banken dann besser gewappnet sind oder die geschrumpften europäischen Banken mit einem sehr, sehr starken Aufsichtskorsett um sich herum."

Und es dürfte auch davon abhängen, ob die neue Deutsche Bank im stark umkämpften Markt der Privat- und Firmenkunden in Deutschland wieder einen größeren Marktanteil erkämpfen kann.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk