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StartseiteVerbrauchertippWegweiser für nachhaltige Mode 01.07.2019

TextilsiegelWegweiser für nachhaltige Mode

Immer mehr Verbraucher in Deutschland würden gerne mehr nachhaltige Kleidung kaufen. Auf dem Markt gibt es dafür längst auch Gütesiegel. Doch wie verlässlich und aussagekräftig sind sie? Künftig wird es auch noch ein neues und sogar staatliches Label geben.

Von Dieter Nürnberger

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Wohlsortierter Kleiderschrank: Jedes Stück handverlesen und aus ökologischer Produktion (picture alliance / dpa Themendienst)
Rund die Hälfte der Verbraucher in Deutschland interessiert sich für nachhaltige Kleidung (picture alliance / dpa Themendienst)
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Vor der Untersuchung der Textil-Siegel oder -Zertifikate stand eine Marktanalyse. Und diese offenbarte eine große Überraschung: Denn weltweit gelten knapp ein Fünftel der produzierten Textilien als nachhaltig produziert. Und das, obwohl der Anteil der mit einem Siegel verkauften Bio-Baumwolle-Kleidung lediglich bei rund einem Prozent liegt. Ein verwirrendes Ergebnis, konstatiert Reiner Metzger von der Stiftung Warentest:

"Viele große Firmen verwenden viel mehr nachhaltige Baumwolle, als sie wirklich ausweisen. Wenn sie sagen, wir verwenden so und so viel Prozent nachhaltige Baumwolle dann werden sie darauf vielleicht festgenagelt. Das scheint so ein wenig das Problem zu sein. In ihren Geschäftsberichten veröffentlichen sie recht hohe Prozentzahlen, doch beim Verkauf, wo der Kunde es in der Hand hat, da sehen Sie das oft gar nicht. Da müssen Sie im Etikett irgendwie das Kleingedruckte lesen und sehen dann, dass es nachhaltige Baumwolle ist."

Die Stiftung Warentest untersuchte die fünf am meisten im Handel anzutreffenden Textilsiegel für ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Und sehr schnell wurde deutlich, dass die jeweiligen Anforderungen für die Vergabe das Hauptproblem sind. In einigen Fällen reicht beispielsweise ein sparsames Wassermanagement aus, um "nachhaltig" zu sein. Doch ein streng biologisch kontrollierter Anbau setzt unter anderem den Verzicht auf Pestizide oder Kunstdünger voraus:

"Die Siegel sind so unterschiedlich - jeder hat einen eigenen Standard. Und auf dem kleinen Etikett des Kleidungsstücks steht dann nur das Logo."

Bei manchen Siegeln reichen 70 Prozent Baumwollanteil

Ein weiteres Problem ist die Bilanzierung. Einige Siegel setzen auf die genaue Rückverfolgbarkeit des einzelnen Baumwoll-Produkts. Andere nutzen die Massenbilanzierung.

"Wenn Sie eine Zertifizierung pro T-Shirt haben, dann können Sie als Käufer sicher sein, ein gut erzeugtes Produkt zu haben. Wenn Sie aber eine Massenbilanzierung haben, dann weiß man nur, dass der Hersteller eine bestimmte Masse sozusagen guter Baumwolle benutzt. Insgesamt hat er aber noch mehr Baumwolle. Und in diesem konkreten T-Shirt weiß ich dann nicht so genau, was drin ist."

Bei einigen Siegeln reicht beispielsweise auch schon ein 70-prozentiger Anteil von Biobaumwolle aus, um entsprechend zertifiziert zu werden. Zudem überwiegen bei den meisten Textilsiegeln ökologische Aspekte. Soziale Mindeststandards wie bessere Arbeitsbedingungen sind eher zweitrangig. Reiner Metzger: "Am besten im Test war der "Global Organic Textile Standard", kurz: Gots. Die zertifizieren jeden einzelnen Schritt. Da wird jeder Stoffballen verfolgt - quasi vom Feld bis zum Verkaufsladen. Das ist natürlich schon gut"

Ein einheitliches Logo: Grüner Knopf

Als aussagekräftig werden auch die Textilsiegel "#weartheChange" und "Cotton made in Africa" bewertet, auch hier konnte die Rückverfolgbarkeit der verwendeten Baumwolle recht gut belegt werden.

Übrigens wird es wohl noch ein neues und sogar staatliches Label geben. Auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Warentester Reiner Metzger:

"Der "Grüne Knopf" hat Mindestkriterien und es ist ein einheitliches Logo. Das ist schon mal gut. Noch besser wäre es natürlich, wenn da jeder mitmachen müsste."

Denn die Verwendung des "Grünen Knopfes" ist freiwillig und nicht vorgeschrieben. Und noch ein Hinweis: Auch auf der Internetseite der Initiative "Siegelklarheit" werden Zertifikate und ihre Kriterien bewertet. Für einige Bereiche des Konsums, auch für Textilien.

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