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StartseiteAus Religion und GesellschaftMönche, Militär und Monarchie03.04.2019

ThailandMönche, Militär und Monarchie

Lange galten Mönche in Thailand als Vorbilder und Stützen der Monarchie. Doch ihr Ruf hat ebenso gelitten wie der des Königs. Die Strömung der engagierten Buddhisten setzt darum auf Erneuerung: Man engagiert sich sozial und kritisiert politische Missstände, etwa mangelnde Meinungsfreiheit.

Von Margarete Blümel

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Polizisten und Mönche bei der Durchsuchung des Wat Phra Dhammakaya in Bangkok im März 2017  (imago / Thitinun Sampiphat)
Der Buddhismus ist eine von drei Stützpfeilern des Thai-Seins. Beinahe 95 Prozent der Thailänder sind buddhistisch. (imago / Thitinun Sampiphat)
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"Um uns zum Nichtstun zu verführen, säuselt man uns immer wieder veraltete Sprichworte vor - wie 'Ein starker Strom lässt sich doch nicht mit einem Boot blockieren!' Aber wenn wir eine Reihe von Booten quer über den Fluss verankern, könnten wir dann nicht zumindest den Strom verlangsamen – oder sogar die Flussrichtung verändern?"

Sulak Sivaraksa: "Ich hasse die Vertreter unserer Militärdiktatur nicht. Und ich sage ihnen stets die Wahrheit. Sie sind nur mittelmäßig und haben keine Führungsqualitäten. Aber Diktatoren hören es natürlich gern, wenn man ihnen kundtut, wie wunderbar sie sind. Wenn sie hierzulande einmal etwas Gutes bewirkt haben, will ich das gern erwähnen. Aber meistens ist das Gegenteil der Fall. Und ich fürchte mich nicht davor, sie damit zu konfrontieren."

"Buddha lehrt uns, uns auf uns selbst zu verlassen. Und sobald wir dann vom Denken ins Handeln kommen, erkennen wir: Unser Weg führt zurück in die Demokratie. In eine sinnvolle Demokratie, die nicht mit westlichen Normen konform sein muss, sondern in unseren eigenen Ursprüngen, speziell im Buddhismus, verwurzelt sein soll."

Schreibt der thailändische Intellektuelle und Aktivist Sulak Sivaraksa in seinem Buch "Liebesbriefe an die Diktatoren". Der 86-Jährige hat wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem Militärregime, der Monarchie und den Mönchen schon ein paar Mal im Gefängnis gesessen.

Buddha Figuren als Souvenir an einem Verkaufsstand in Chiang Mai, Thailand, aufgenommen am 28.02.2005. (Andreas Lander / dpa-Zentralbild)Buddha-Figuren als Souvenir an einem Verkaufsstand in Chiang Mai, Thailand (Andreas Lander / dpa-Zentralbild)

Dennoch lässt Sulak Sivaraksa sich nicht davon abhalten, an diesen drei Stützpfeilern des Thai-Seins zu rütteln – an der Nation, die vom Militär geführt wird, an der von der Königsfamilie verkörperten Monarchie und an der Religion, der beinahe 95 Prozent der Thailänder anhängen -  am von den Mönchen repräsentierten Buddhismus.

Die Leiden der Mitgeschöpfe

Ein Teil der Gläubigen praktiziert den sogenannten "engagierten Buddhismus", eine Glaubenshaltung, in der sich buddhistische Erkenntnisse mit Tatkraft verbinden. Diese kann sich in sozialem, ökologischem oder humanistischem Engagement ausdrücken. Sie kann sich aber auch  politisch äußern und in konstruktive Kritik münden  - an den Mönchen etwa, die für die Gläubigen als Repräsentanten des Buddhismus seit jeher eine Vorbildfunktion inne haben.

Sulak Sivaraksa "Die Mönche galten uns über lange Zeit hinweg als Vorbilder. Das beginnt sich zu verändern. Denn einige der Mönche benehmen sich eher wie Laien. Sie streben nach Reichtum und Macht! Besonders im engagierten Buddhismus jedoch legen wir großen Wert darauf, nicht nur Zerstreuung und Vergnügen im Sinn zu haben, sondern unseren Glauben auch zu leben. Als engagierte Buddhisten versuchen wir, die Leiden unserer Mitgeschöpfe wahrzunehmen. Wir analysieren die Ursachen und suchen nach Lösungen."

Ein Teil des alltäglichen Leids basiert auf den prekären politischen Verhältnissen. Seit dem Ende der absoluten Monarchie im Jahre 1932 wurde in Thailand 13 Mal die Regierung gestürzt. Nachdem sich das Militär 2014 an die Macht geputscht hat, müssen die Bewohner des Landes mit massiven Einschränkungen ihrer Rechte leben: Die Versammlungsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung wurden stark beschnitten. Die Presse wird mehr als je zuvor zensiert und wer einen kritischen Eintrag im Internet mit "Gefällt mir" versieht, läuft Gefahr, eingesperrt zu werden. 

Die Säulen des Thai-Seins

Aktivisten, Akademiker, Oppositionelle oder Schriftsteller, die auch nur eine der drei "Säulen des Thai-Seins" anzweifeln oder kritisieren, müssen mit Schikanen rechnen: Sie werden drangsaliert, von der Polizei verhört und landen danach oft genug im Gefängnis, wo sie manchmal auch gefoltert werden, sagt der Schriftsteller Prabda Yoon.

Prabda Yoon "Nation, Religion und Monarchie sind für unsere Identität als thailändische Staatsbürger unabdingbar. Die Nation wird seit dem Staatsstreich vor fünf Jahren vom Militär repräsentiert, die Religion seit jeher von den buddhistischen Mönchen und die Monarchie von der königlichen Familie. Wer einen dieser Identitätsträger kritisiert, handelt sich große Schwierigkeiten ein. Ich zumindest finde es aber sehr befremdlich, dass man hierzulande Dinge, die falsch laufen, nicht einmal ansprechen und missbilligen kann."

"Im Internet, auf Facebook und so weiter, behelfen wir uns mit Spitznamen, wenn wir über diese Sachen reden wollen. Aber es ist doch sehr entmutigend, wenn man dauernd etwas schönfärben oder sonstwie verbrämen muss."

Nach dem Tod des überaus beliebten Königs Bhumibol im Oktober 2016 haben sich die Militärmachthaber auf eine Zweckgemeinschaft mit seinem Sohn und Nachfolger, Maha Vajiralongkorn, eingelassen.

Trauerfeier für den verstorbenen thailändischen König Bhumibol im Oktober 2017. Auch dabei: Elf weiße Elefanten. (imago / Xinhua)Trauerfeier für den verstorbenen thailändischen König Bhumibol im Oktober 2017. Auch dabei: elf weiße Elefanten. (imago / Xinhua)

Davon profitieren beide Seiten: Das Regime konnte bis dato ungestört seine Machtansprüche zementieren. Im Gegenzug stützen die Machthaber den beim Volk als Playboy verschrienen neuen König.

Sulak Sivaraksa: "Als unser langjähriger König damals an die Macht kam, hatte die Monarchie noch einen ziemlich unsicheren Stand. Sein Sohn besteigt den Thron in einer Ära, in der die Militärmachthaber ihn lobpreisen und ihn wie einen Gott behandeln. Und es kann gut sein, dass der neue König sich genau das gern gefallen lässt."

Nationalhymne zweimal pro Tag singen

Ob das aber zum Beispiel bei den jüngeren Thailändern verfängt, hält der Intellektuelle Sulak Sivaraksa für fraglich. Er ist selbst schon mehrmals im Gefängnis gewesen – wegen Kritik an führenden Politikern. Und wegen Majestätsbeleidigung.

Sivaraksa: "Artikel 112 zum Beispiel verbietet uns, den König, die Königin oder den Kronprinzen zu kritisieren. Wenn Sie es trotzdem tun, kann man Klage gegen Sie erheben. Die Polizei wird Sie dann vorladen und wenn Sie nicht erscheinen, wird ein Haftbefehl erlassen. In den meisten Fällen landet man im Gefängnis und muss zwischen 3 – 15 Jahre absitzen."

Die Nationalhymne erklingt. Nopchai, ein junger Aktivist, erzählt: "Morgens um acht und abends um sechs müssen wir im Stehen die Nationalhymne singen. Jeden Tag. Auch wenn wir in der Öffentlichkeit sind, in der Schule etwa oder in Bangkoks Sky Trains. Das ist doch Blödsinn! Wir können unser Land auch lieben, ohne so etwas zu veranstalten. Aber es wird als schlecht angesehen, wenn wir das Singen der Nationalhymne infrage stellen."

Nopchai ist einundzwanzig Jahre alt. Er weigert sich, eine Studentenuniform zu tragen. Und den Militärdienst, der demnächst auf ihn wartet, will er auch nicht antreten. Wie die absolute Mehrheit  seiner Landsleute auch ist der junge Student Buddhist. Doch anders als viele Mönche, die inzwischen mehr durch Finanz-, Sex- und Drogenaffären auf sich aufmerksam machen als durch ihre Vorbildfunktion, möchte Nopchai etwas ändern in seinem Land. Aber das, sagt Nopchai, scheitere nicht etwa an den Eskapaden der buddhistischen Würdenträger, am Militärregime oder am skandalumwitterten neuen König, sondern am thailändischen Naturell.

Bürger seien Staub zu Füßen des Königs

Er sagt: "Wenn Deutsche erst mal ein paar Jahre in Thailand gelebt haben, kapieren sie, dass das Lächeln vieler Thailänder nicht echt ist. Viele meiner Landsleute lächeln auch, wenn sie völlig anderer Meinung sind. Und sie mögen keine Diskussionen. Die oberste Devise lautet: Gehorsam gegenüber den Obrigkeiten! Wenn sich aber doch mal jemand vorwagt, steht er meist ganz allein da. Es ist den meisten Menschen hier längst zur zweiten Natur geworden, dass wir Sklaven des Königs sind. Wenn wir ihn ansprechen wollten, müssten wir sagen: 'Eure Majestät. Wir sind der Staub zu Euren Füßen. Wir sind NICHTS.' Tatsächlich sind wir Sklaven unseres Landes. Wir haben keine eigene Identität.

Den Mangel an Identität beklagen vor allem jüngere Thailänder inzwischen immer wieder. Die meisten aus der mittleren und älteren Generation scheinen dies als gegeben hinzunehmen. Nopchais Landsleute, die unter der Präsenz des langjährigen Königs Bhumibol und im Vertrauen auf die Vertreter ihres Glaubens groß geworden sind, kannten es nicht besser.

Zweimal am Tag sang man die Nationalhymne mit, morgens erhielten die durch die Wohnviertel wandernden Mönche Nahrung und die Gläubigen auf diese Weise gutes Karma. Der Geburtstag des Königs war ein nationaler Ehrentag, auch dann noch, als der Monarch den Militärputsch durchgewinkt hatte.  Denn auf der "Haben-Seite" Bhumibols stand, dass der König als Integrationsfigur des Landes galt, als gütiger und skandalfreier Herrscher, der sich um seine Untertanen kümmerte, bei Naturkatastrophen als erster zur Stelle war und unbürokratische Lösungen fand.

Zu Ehren Königs Bhumibols fand nach dessen Tod eine Massenordination statt. Hier wird einem Jungen im Beisein der Mutter von einem buddhistischen Mönch der Kopf rasiert. (picture alliance / EPA / RUNGROJ YONGRIT)Zu Ehren Königs Bhumibols fand nach dessen Tod eine Massenordination statt. Hier wird einem Jungen im Beisein der Mutter von einem buddhistischen Mönch der Kopf rasiert. (picture alliance / EPA / RUNGROJ YONGRIT)

Auch der Buddhismus und seine irdischen Vertreter gaben und geben knapp 95 Prozent der Thailänder doch zumindest immer noch so viel Halt, dass die meisten Gläubigen über den einen oder anderen Skandal geflissentlich hinwegsehen, sagt die Religionswissenschaftlerin Professor Pataraporn Sirikanchana von der Thammasat University in Bangkok.

"Die hiesigen Mönche gehören dem Theravada-Buddhismus an. Das bedeutet unter anderem, dass ihr Überleben von ihren Mitmenschen, von den Gläubigen, abhängt. Theravada-Mönche sollen ihre Zeit darauf verwenden, ihren Geist zu reinigen und sich in den buddhistischen Praktiken zu üben. Und sobald sie darin fortgeschritten sind, haben sie die Aufgabe, die buddhistische Lehre zu verbreiten. Indem sie sich so verhalten, geben sie den mildtätigen Gläubigen, gleich, ob diese männlich oder weiblich sind, die Chance, spirituelles Verdienst zu erwerben.

Von Hass zu Liebe

"Die Besonderheit des Buddhismus besteht darin, dass er die Transformation von Gier zu Großzügigkeit, von Hass zu Liebe, von Täuschung zu Weisheit und Verstehen betont. Das ist es, was Buddhismus ausmacht."

"Beginnt man damit, Buddha zu ehren, wird man Demut lernen. Buddha ist ein tugendhafter Freund, der uns an unsere Fehler erinnert. Er ist die Stimme des Gewissens." Der Stimme des Gewissens, die Sulak Sivaraksa hier in seinen "Liebesbriefen an die Diktatoren" anspricht, scheinen einige der etwa 300 000 buddhistischen Würdenträger aber nicht mehr oft zu lauschen.

Mönche besitzen kein Wahlrecht

Und doch: Obwohl Äbte und Mönche inzwischen immer wieder durch den Missbrauch von Drogen, die Veruntreuung von Spendengeldern, durch ihren luxuriöser Lebensstil und ihre Geliebten auf sich aufmerksam machen, können die Ordensmänner nach wie vor von ihrem alten Ruhm zehren. Der Sockel, auf dem die Mönche immer standen, hat zwar ein wenig an Stabilität eingebüßt, aber er trägt noch. Sie schweben über den Niederungen der Politik.

Auch deshalb, weil Äbte und Mönche bis heute weder aktives noch passives Wahlrecht, betont der Religionswissenschaftler Tavivat Puntarigvivat während einer Vorlesung an der Chulalongkorn University Bangkok:

"In Thailand sind Buddhismus und Politik seit langem eng miteinander verbunden. Es ist schon merkwürdig, um nicht zu sagen aufschlussreich, dass unsere Mönche kein Wahlrecht besitzen. Um die 300.000 Mönche, die sich allesamt ausweisen können, die thailändische Staatsbürger sind und doch...... Die Regierung sagt: Mönche sind jenseits des Weltlichen, sie sollen ferngehalten werden von all dem Schmutz, der unserer Politik anhaftet. Unsere Regierungsvertreter geben also unverhohlen zu, dass die Politik hierzulande ein schmutziges Geschäft ist! Interessanterweise ist das Ganze für christliche oder muslimische Geistliche überhaupt kein Problem. Auch sie dürfen wählen, ebenso wie alle anderen thailändischen Staatsbürger. Alle – außer den buddhistischen Mönchen."

Journalisten warten in Bangkok auf die Bekanntgabe von Wahlergebnissen.  (LILLIAN SUWANRUMPHA / AFP)Journalisten warten in Bangkok auf die Bekanntgabe von Wahlergebnissen (LILLIAN SUWANRUMPHA / AFP)

Tavivat Puntarigvivat: "Warum unsere Mönche hier vom aktiven und vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen sind? Weil die Regierung sicherstellen will, dass sie der Staatsmacht keinen Schaden zufügen. In Thailand setzen viele Buddhisten immer noch großes Vertrauen in ihre Mönche. Wenn die sich wiederum politisch engagieren würden, könnten sie sehr viele Menschen beeinflussen und sie auf ihre Seite ziehen."

Das Regime biege die Rechte und Gesetze nach Gutdünken, führt Tavivat Puntarigvivat in seiner Vorlesung weiter aus. Ein Beispiel sei der Dhammakaya-Orden, der besonders spendierfreudigen Gläubigen einen Platz an der Seite Buddhas und eine rasche Beförderung ins Nirwana, ins ewige Glück, verspricht. Die Regierung wisse um das riesige Vermögen, das der ebenso populäre wie umstrittene Orden angehäuft hat, sagt der thailändische Religionswissenschaftler. Und natürlich auch um den unethischen Beigeschmack, den das Treiben der Dhammakaya-Bewegung habe. Doch man lasse die Dhammakaya gewähren. Und beobachte sie scharf.

Tavivat Puntarigvivat: "Die Dhammakaya werden von der Regierung nicht angetastet, aber sehr kritisch beäugt, weil man sie für bedrohlich hält. Nicht ihrer Lehren oder Methoden wegen. Das ist unseren Politikern doch egal. Sondern weil der Orden nun mal enorm viele Anhänger hat, innerhalb kurzer Zeit Millionen von Menschen mobilisieren und den Machthabern so in die Quere kommen könnte." 

In seinen  "Liebesbriefen an die Diktatoren" schreibt Sulak Sivaraksa:

"Wir haben nicht genug getan, um unser eigenes Gewissen und das anderer, einschließlich der Jugend, zur Wahrheit aufzuwecken. Das hängt damit zusammen, dass die Regierung uns einer Gehirnwäsche unterzieht, indem sie uns fürchten lässt, die Wahrheit zu sehen und uns nicht wagen lässt, die Wahrheit auszusprechen. Aber, doch. Ein Versuch. Nochmals: Unser Weg führt zurück in eine für uns stimmige Demokratie, die nicht mit westlichen Normen konform sein muss, sondern in unseren eigenen Ursprüngen, speziell im Buddhismus, verwurzelt sein soll."

Kein Auto, wenn andere hungern

Über welche gewundenen Pfade aber wird dieser Weg führen?

In einem Land, dessen Militärchef bereits angekündigt hat, dass er, ganz gleich wie die Wahlen ausgehen, seine Heimat "nicht allein lassen wird". In einem Königreich, dessen Monarch nicht einmal der Schatten der Integrationsfigur ist, die sein Vater dargestellt hat – und der nun dennoch seiner Krönung entgegensieht.

Im vom Buddhismus durchdrungenen Thailand, dessen Bewohner nicht einmal mehr ihren religiösen Führern rückhaltlos vertrauen können. Zumindest nicht allen.

Sulak Sivaraksa sagt: "Immer wieder gibt es aber auch Ausnahmen. Im Nordosten des Landes zum Beispiel lebt ein größerer und populärer Orden, der sich strikt an die buddhistischen Vorgaben hält. Eines Tages wollte ein Gläubiger den Mönchen ein Auto schenken. Man setzte sich zusammen, um sich zu beraten. Einige Mönche meinten, das sei doch gut und bequem, dann käme man bei Bedarf viel leichter in die nächste Stadt oder sogar nach Bangkok. Darauf fragte der Abt in die Runde, ob sich denn wirklich niemand schäme? Ein Auto annehmen zu wollen, während die Menschen, die den Mönchen morgens Nahrung brächten, nicht einmal über einen Ochsenkarren verfügten! Das Ansinnen wurde dann abgelehnt." 

Er fährt fort: "Und dann unsere Nonnen... Sie werden offiziell weder vom Staat noch von den Mönchen anerkannt und haben deshalb ihre Vollordination im Ausland erworben. Weil die Nonnen sehr einfach und spirituell leben, werden sie von vielen Menschen hier bewundert. In Taiwan zum Beispiel gibt es sechs Mal so viele Nonnen wie Mönche. Sie tun Gutes und von sexuellen Eskapaden oder Finanzskandalen hört man nicht das Geringste. Hier in Thailand haben wir Dhammananda und ihre Ordensgemeinschaft, zu der bisher an die hundert Nonnen gehören. Und zuweilen hege ich durchaus die Hoffnung, dass unser Land eines Tages von den Nonnen gerettet wird."

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