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StartseiteCorso"The Ides of March - Tage des Verrats"21.12.2011

"The Ides of March - Tage des Verrats"

George Clooneys neuem Film kommt ins Kino

In seiner vierten Regierarbeit widmete sich George Clooney dem Politik-Betrieb zu. "The Ides of March - Tages des Verrats" sieht aus wie ein Kommentar des Schauspielers und Filmemachers zum großen Prozess der Desillusionierung, der die Barack-Obama-Unterstützer im linken wie liberalen politischen Lager nach diesen Jahren der Präsidenschaft erleiden.

Von Hartwig Tegeler

Der US-amerikanische Schauspieler George Clooney lacht vor den 82. Academy Awards in Los Angeles. (AP)
Der US-amerikanische Schauspieler George Clooney lacht vor den 82. Academy Awards in Los Angeles. (AP)
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Hinter den Kulissen der amerikanischen Präsidentschaftswahl

Ein Wahrsager soll Gaius Julius Cäsar gewarnt haben. Hüte dich vor den Iden des Märzes! Doch an diesem Tag, dem 15. des Monats, wurde der römische Imperator ermordet, und der Satz des Wahrsagers galt von nun an als Synonym für bevorstehendes Unheil oder für einen Verrat. Wer aber könnte wen verraten wollen? In der Kampagne dieses liberalen Präsidentschaftskandidaten Morris, des guten Menschen, der für Umweltschutz und gegen zu viel Militär und so weiter eintritt? Simple Antwort: Jeder jeden.

Passen Sie auf, ich werde Ihnen den jetzt vielleicht klauen müssen.

Meint der eine Berater zu dem des anderen Kandidaten. Man muss nicht das politische System der USA kennen, um zu verstehen, dass George Clooney in "The Ides of March - Tage des Verrats" den Politikbetrieb düster charakterisiert als Haifischteich oder auch Schlangengrube.

Vorwahlkampf. Mike Morris, gespielt von Regisseur George Clooney selbst, der mit den guten liberalen Positionen, bewirbt sich für die Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten. Das bedeutet: Ochsentour von Staat zu Staat. Mit dabei: ein Tross von Beratern und Helfern. Wie Stephen - gespielt von Hollywood-Shooting-Star Ryan Gosling. Diesen Jungspund Stephen darf man sich vorstellen als intelligenten Kopf wie abgebrühten Strategen, der getrieben ist von Idealen und der Bewunderung für seinen Kandidaten. Ida, eine Journalistin, mit der er die eine oder andere Kungelei betreibt, lacht den Parzival aus:

Du glaubst den Scheiß ja im Ernst. Das Land soll wieder uns gehören und den ganzen Unsinn. - Ida, ich bin nicht naiv, ich habe schon jetzt an mehr Kampagnen mitgearbeitet als andere mit 40. Deswegen sage ich dir, der wird es sein.

Franklin J. Schaffner sezierte das Politikgeschäft 1964 in "Der Kandidat" mit Henry Fonda in der Hauptrolle aus der Perspektive des Präsidentschaftskandidaten; auch in Mike Nichols Film "Mit aller Macht" von 1998 geht es um vor allem um den von John Travolta gespielten Bewerber. Im Mittelpunkt von George Clooneys Film steht nun aber der Politmanager, der Berater, und der Prozess seiner moralischen Korruption. Die Desillusionierung beginnt mit einer Affäre:

Sie sollten mal vorbeikommen. Auf einen Drink mit den Arbeiterbienchen.

Mit einer jungen Frau aus dem Team. Dann muss Stephen feststellen - einmal das falsche Handy gegriffen -, dass der Kandidat, sein Boss, so wie Bill Clinton ebenfalls Praktikantinnen mag. Dass die junge Frau schwanger ist, wird für Stephen allerdings bald zur effektiven Waffe im Überlebenskampf, denn auch er hat inzwischen Dreck am Stecken: Stephen hat sich mit dem Beraterchef des konkurrierenden Teams getroffen. Folgen - endgültig. Denkt sein Chef und muss selber bald Lehrgeld zahlen.

Du dachtest, du kannst vielleicht einen Vorteil daraus ziehen, du kamst dir wichtig vor. Es ist nur eines, was mir wichtig ist auf der Welt, Stephen, Loyalität! In der Scheiß-Politik ist sie die einzige Währung, auf die man sich verlassen kann. Deswegen wirst du gehen.

In seiner vierten Regie-Arbeit betreibt George Clooney mit einer fast bedächtigen wie faszinierenden Gelassenheit die Vivisektion des Politikbetriebes und findet tief in den Eingeweiden: die Gier nach Macht und Einfluss. Ohne Rücksicht auf Verluste oder Mitstreiter. Keine neue Erkenntnis, aber Ryan Gosling, Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti, Evan Rachel Wood, Marisa Tomei und George Clooney selbst spielen diese Geschichte vom Abstieg eines Idealisten in die Hölle der Realität gnadenlos intensiv und - wie es nötig ist - mit einer entsetzlichen Kühle.

Mike Morris ist Politiker. Er wird dich enttäuschen. Früher oder später.

Sagt die Journalistin irgendwann zu Stephen. Aber das Problem von Stephen - und der dramatische Konflikt dieses präzisen Films -, das ist die Verwandlung, die Stephen selbst vollzieht. Er hat sich selbst verraten. Am Ende ist er auf dem Olymp der Macht angekommen, neben dem bald womöglich mächtigsten Mann der Welt.

Um es mit den Worten von George Clooney zu sagen:

"Ja, er gewinnt, aber er verliert seine Seele."

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