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StartseiteCorsoBeschwingte Gitarrenpop-Songs mit viel 60er-Jahre-Charme14.03.2015

The Monochrome SetBeschwingte Gitarrenpop-Songs mit viel 60er-Jahre-Charme

Mit "Spaces Everywhere" erscheint jetzt das zwölfte Studioalbum von "The Monochrome Set". Beschwingte Gitarrenpop-Songs mit viel 60er-Jahre-Charme. Der Titelsong heißt übersetzt "Überall Leerstellen" und ist eine Hommage an 2014 verstorbene Musiker wie Bobby Womack oder Pete Seeger. Songschreiber und Sänger Ganesh Seshadri, genannt Bid, hält sie für unersetzlich.

Von Ronald Strehl

Gleich mit ihren ersten beiden Singles sorgten "The Monochrome Set" 1979 für Aufsehen: Die erste trug den Titel „He's Frank". Der lakonische Gesang und die streng rhythmisierenden Gitarren darauf lieferten später die Blaupause für das Postpunk-Revival um Bands wie Franz Ferdinand. Die zweite, ebenso großartige Single, hieß "Eine Symphonie des Grauens". Im schlüpfrig-morbiden Text geht es um die Liebe eines verwesenden Untoten zu einem Mädchen. Benannt war das Lied nach dem deutschen Stummfilmklassiker Nosferatu. "The Monochrome Set"-Sänger und Songschreiber Ganesh Seshadri, genannt Bid:

"Meine Eltern wollten natürlich überhaupt nicht, dass ich so was mache! (lacht) Sie sind Akademiker. Ich sollte Physik oder Mathematik studieren. Ich habe die Schule mit 17 verlassen und mit 19 Monochrome Set gegründet. Als ich 'Eine Symphonie des Grauens' schrieb, war ich für ein normales Leben längst verloren."

Die Kritik liebte "The Monochrome Set" von Beginn an für ihre sarkastischen Texte und ihre verschrobene Art. Vier Alben veröffentlichte die Band in ihrer Glanzphase bis zur ersten Auflösung Mitte der 80er. Immer weiter verfeinerte sie in dieser Zeit ihren typisch swingenden Gitarrenpop aus 60's Beat, Psychedelic, Folk und Calypso. Der große Erfolg blieb allerdings aus. Stattdessen musste Sänger Bid mit ansehen, wie Weggefährte Adam Ant mit Songs wie "Stand And Deliver" europaweit die Charts eroberte. Als Pirat verkleidet gehörte Adam Ant damals zur Speerspitze der New Romantics-Bewegung. Mit Adam Ant hatte Bid in der Monochrome-Set-Vorläuferband The B-Sides zusammengespielt.

"Mir gefiel das überhaupt nicht. Quasi über Nacht wurde der intellektuelle New Wave durch Idioten ersetzt, die in lächerlicher Aufmachung herumstolzierten. Für Adam Ant war das in Ordnung, denn er ist ein geborener Entertainer. Aber ich kann so was nicht. Und ich wollte mich nicht neu erfinden, um mehr Platten verkaufen zu können."

Während "The Monochrome Set" in Europa zunehmend in Vergessenheit gerieten, sicherte eine treue Fangemeinde in Japan der Band in den 90er Jahren das Überleben. 1998 startete Bid unter dem Namen Scarlett's Well dann ein Soloprojekt mit komplex arrangiertem Folkpop. Das hat er aber inzwischen wieder aufgelöst, um sich ganz seiner alten Band widmen zu können.

Mit "Spaces Everywhere" erscheint jetzt das zwölfte Studioalbum von "The Monochrome Set". Darauf zu hören sind beschwingte Gitarrenpop-Songs mit viel 60er-Jahre-Charme. Der Titelsong heißt übersetzt „Überall Leerstellen" und ist eine Hommage an 2014 verstorbene Musiker aus den 60er-Jahren wie Bobby Womack oder Pete Seeger, die Bid für unersetzlich hält. Überhaupt zieht sich ein sanfter Blick auf das Thema Tod und Vergänglichkeit wie ein roter Faden durch das Album. Grund hierfür ist, dass Bid 2010 selbst nur knapp dem Tod entgangen ist, als in seinem Gehirn eine Ader platzte.

"Das, was ich hatte, führt zu 50% zum Tod. In gewisser Weise mache ich mich auf dem Album über mein eigenes Schicksal lustig. Ich denke, das ist überhaupt eine Stärke der britischen Kultur: Das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Das macht es einfacher, damit umzugehen."

Dass "The Monochrome Set" nie den großen Durchbruch geschafft haben, findet Bid übrigens nicht so tragisch. Immerhin kann er bis heute von der Musik leben. Und auch über seine Rolle als Vorbild für so große Bands wie The Smiths oder Franz Ferdinand macht er sich nur wenig Gedanken.

"Mir ist es egal, ob ich jemanden beeinflusse. Ich möchte es gar nicht wissen, weil Bewunderung eher ablenkt. Ich möchte überhaupt nicht an andere Leute denken, sondern einfach nur Lieder schreiben."

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