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StartseiteCorsoKeine Musik für ein Massenpublikum10.02.2018

The Monochrome SetKeine Musik für ein Massenpublikum

Sind sie wohl die nicht-kommerzielle Band im Indie-Pop, die am längsten Platten verkauft: Zwar hat es für die britische Band The Monochrome Set nie zum ganz großen Erfolg gereicht. Mit ihrer Musik haben sie aber nachhaltig den Pop beeinflusst. Zum 40-jährigen Bandjubiläum ging es nun mit neuer CD auf Tournee.

Von Frank Sawatzki

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(Tapete Musik / Peter Tainsh)
Die britische Band The Monochrome Set (Tapete Musik / Peter Tainsh)
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"Im britischen Frühstücksfernsehen haben sie im letzten Jahr eine Reihe von Interviews mit einem Roboter gezeigt. Ein neuer Roboter, den sie in Japan konstruiert haben, ein Lebenspartner, den du heiraten kannst. Das war die lustigste Sache, die ich jemals gesehen habe – und der Ausgangspunkt für unser neues Album 'Maisieworld'." 

Maisie ist der Coverstar des Albums, eine Art Barbie Doll im künstlichen Goldlook. Eine Anspielung auf das Roboterwesen aus dem Fernsehen. Maisie lädt jetzt das Publikum zu einem Trip durch die gar nicht so schöne neue Cyber-Welt auf dem jüngsten Album von The Monochrome Set ein. Es geht um Entfremdung, Altern und das Leben in der digitalen Blase mit all seinen Nebenwirkungen. Über den beißenden Beobachtungen von Sänger Bid stehen aber wieder die exquisiten Melodien, die die britische Band seit 40 Jahren zelebriert. 

Die Band war ein Kind der Punk-Ära

The Monochrome Set dürfen heute als eine der ersten postmodernen Popbands gelten. In ihren frühen Songs verbanden sich der Gitarren-Twang der 50er, Music-Hall-Melodien und US-Sixties-Pop über einem Satz wechselnder Rhythmen zu kleinen Kunstwerken - nahbar und irritierend im selben Moment. Wo man auch hinhörte, war Melodie. Bass und Leadgitarre trugen dazu bei, Bid kurvte im Stile eines jugendlichen Crooners durch fein geschliffene Wortreihen. Die Verbindung aus Camp-Ästhetik und pophistorischem Bewusstsein brachte der Band reichlich Bewunderung in der Enkelgeneration ein. Bands wie die Smiths, Blur und Franz Ferdinand haben immer wieder auf den Einfluss verwiesen, den The Monochrome Set auf ihre eigene Musik ausübten.

Die raffinierte Machart der Songs ließ beinahe vergessen, dass diese Band doch ein Kind der Punk-Ära war. Bandgründer Bid erklärt den Punkrock der ersten Stunde zum Rettungsanker für junge Musiker in den 70ern.

"Viele von uns hatten damals eine Band in der Schule. Die meisten beendeten die Schule und führten ein normales Leben. Ein paar blieben bei der Musik – viele Jungs hörten Progressive Rock. Aber es war unmöglich, als junger Musiker mit den Sachen anzufangen, die Yes und Genesis spielten. Das war zu komplex. Wir suchten simplere Musik, so sind Punk und New Wave entstanden."

Ständig veränderte Zusammensetzung 

"Strange Boutique", der Titel des Debütalbums von 1980, beschreibt das Unternehmen Monochrome Set sehr gut: Ein seltsamer, mit liebevollen Designerstücken ausgestatteter Laden, in dem sich eine distinguierte Kundschaft wohlfühlen konnte. Verglichen mit den Bands, die sie später beeinflussten, blieben ihre Verkaufserfolge überschaubar. Für ein Massenpublikum machten Monochrome Set nie Musik. 

"Wir waren nicht erfolgreich in dem Sinne, dass wir Millionen Alben verkauften. Aber zuletzt hat mir noch jemand gesagt, dass The Monochrome Set inzwischen die nicht-kommerzielle Band im Indie-Pop sind, die am längsten Platten verkauft. Es ist so, wie es ist: Wir machen keine Kentucky Fried Chicken und verkaufen auch nicht so viel, aber wir machen die besseren Chicken."

Überlebensstrategie Veränderung. Im Laufe der 40-jährigen Bandgeschichte spielten knapp 20 Musiker an der Seite von Songwriter Bid, Lead-Gitarrist Lester Square und Bassist Andy Warren. Die stetigen Wechsel betrachtet Bid als Belebung für den The-Monochrome-Set-Sound. Am aktuellen Line-up orientiert werden die Songs aus den frühen Achtzigern live neu arrangiert aufgeführt. Ihren aktuellen Sound versteht die Band ausdrücklich auch als Angebot an ein junges Publikum.

"Einfach weiter für die alten Fans spielen? Irgendwann segnen sie das Zeitliche. Wenn du in die Gesichter schaust und sie werden älter und älter, beginnst du, dir Sorgen zu machen. "

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