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StartseiteInterviewPolitik als Elendsspiel30.09.2018

Thea Dorn über die Große KoalitionPolitik als Elendsspiel

Von einer "dämlichen Krise" in die nächste stolpern: Das Agieren der Großen Koalition verleite dazu, sich manchmal den "großen Knall" zu wünschen, sagte die Schriftstellerin Thea Dorn im Dlf. Gleichzeitig habe sie große Bedenken beim Gedanken an mögliche Neuwahlen: "Zu glauben, dass es dann besser wird, halte ich für naiv."

Thea Dorn im Gespräch mit Anja Reinhardt

(picture alliance / dpa / Erwin Elsner)
Thea Dorn, deutsche Schriftstellerin (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)
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Erst das Hin und Her um Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, dann die überraschende Abwahl von Volker Kauder als Unions-Franktionsvorsitzenden und ab kommender Woche möglicherweise neuer Ärger für die Große Koalition, wenn es um die Zuwanderungspläne der SPD gehen wird. Die Ära Merkel ist am Ende, las man an vielen Stellen in dieser Woche.

Schriftstellerin Thea Dorn hatte schon vor einigen Monaten gefordert, Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse die Menschen viel mehr an ihren inneren Konflikten teilhaben lassen, um eine Entfremdung zu überwinden.

Politik darf "Hysterisierungstendenzen" nicht verstärken

Bei der Frage, was für Gründe es für die viel beschworene Entfremdung von Politik und Gesellschaft gebe, sei ein Blick ins Innere der Demokratie notwendig. Problematisch werde es, wenn es eine Art unsichtbare Mauer zwischen "denen da oben" und "uns da unten" gebe, sagte Dorn im Dlf. Nicht umsonst würden Politiker als Volksvertreter bezeichnet.

Gleichzeitig machten Menschen es sich zu einfach, wenn man mit Blick nach "oben" konstatiere, was alles schieflaufe - wenn man sich als Opfer der Politik sehe. "Salopp kann man sagen, in der Demokratie hat jedes Volk die Regierung, die sie verdient." Wenn Menschen die Wirklichkeit nur noch partiell wahrnehmen und sich auf ihre eigenen Ängste  und Sorgen fokussierten, finde eine Art Wirklichkeitsverzerrung statt. Gefährlich werde es, wenn viele Menschen davon betroffen seien. Deshalb sei es nicht verwunderlich, wenn dann auch "die Politik aus dem Lot kippt". Die zentrale Frage sei, wie die Politik auf diese "Hysterisierungstendenzen  in der Bevölkerung" reagieren solle. Das Spagat von Politikern müsse es sein, einerseits ein Ohr für die Sorgen der Menschen zu haben, ohne diese zu verstärken.

Politiker müssen an der Realität der Menschen bleiben

"Ein Spitzenpolitiker hat keine Ahnung mehr, wie es sich anfühlt, an einer roten Ampel zu stehen, weil er seit Jahren oder Jahrzehnten durchgewunken wird. Das sind natürlich Entfremdungserfahrungen. Kluge, sensible Politiker müssten sich eine Ahnung davon bewahren, dass ihnen schon klar ist, dass sie in einer anderen Umlaufbahn sind und müssten sich dazu verhalten", erklärte Dorn. Das allerdings erlebe man immer weniger.

Mit Blick auf die SPD sagte sie: "Die SPD ist das größte Trauerspiel, was wir im Augenblick in der Politik erleben." Es erwecke den Eindruck, als ob sich die Sozialdemokraten in Angststarre befänden.

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