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Theater und FilmSchauspieler Bruno Ganz gestorben

Der Schauspieler Bruno Ganz (picture alliance / Jörg Carstensen / dpa)
Der Schauspieler Bruno Ganz (picture alliance / Jörg Carstensen / dpa)

Die Film- und Theaterwelt hat einen der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler verloren: Im Alter von 77 Jahren ist Bruno Ganz in seiner Heimatstadt Zürich gestorben. Er erlag im Kreise seiner engsten Familie einer Krebserkrankung.

Bruno Ganz war mehr als zwei Jahrzehnte der führende klassische Held des deutschsprachigen Theaters. Seine Theaterlaufbahn begann er in Bremen. In den 1970er und 80er Jahren gehörte zum Ensemble der Berliner Schaubühne. Er arbeitete mit den innovativsten Regisseuren seiner Zeit zusammen wie Peter Stein und Klaus Michael Grüber. Er spielte Prometheus und Empedokles, Hamlet und Tasso, den Prinzen von Homburg und Peer Gynt. Spät, im Jahr 2000, war er auch noch Faust in der ungekürzten, zweiteiligen Inszenierung von Peter Stein. Viel beachtet war auch sein Auftritt als Hamlet.

In den letzten Jahren  zog sich Ganz immer mehr vom Theater zurück und nahm nur noch Rollen in Filmen an. Die junge Theaterregie-Generation sei ihm fremd - wie er in Interviews sagte -, weil sie dem Schauspieler die Identifikation mit der Rolle verbiete, die für ihn, Ganz, aber unabdingbar sei. Im Kino dagegen fand er die Emotionalität, die er im Theater vermisste.

Hamlet, Hitler und "Himmel über Berlin"

Ganz hat etwa 75 Kino- und TV-Filme gedreht. Große Bekanntheit erlangte er unter anderem durch seine Rolle als Adolf Hitler in "Der Untergang".

Der Schauspieler Bruno Ganz, links, als Adolf Hitler und Heino Ferch, rechts, als Albert Speer in dem Film "Der Untergang" von Bernd Eichinger (AP)Der Schauspieler Bruno Ganz, links, als Adolf Hitler und Heino Ferch, rechts, als Albert Speer in dem Film "Der Untergang" von Bernd Eichinger (AP)

Zudem spielte er in "Der Himmel über Berlin" von Wim Wenders sowie in dem Film "Der Baader-Meinhof-Komplex". Seine vielleicht bewegendste Darstellung überhaupt war der todkranke Bilderrahmenmacher Jonathan in der Highsmith-Verfilmung "Der amerikanische Freund", 1977 inszeniert von Wenders. Kritiker und Publikum begeisterte der Mann mit den freundlichen Augen bei oft grüblerischer Mimik 1987 auch im Wenders-Film "Der Himmel über Berlin". Unvergesslich sein Engel Damiel, der aus Zuneigung zu den Menschen auf seine Unsterblichkeit verzichtet.

Bruno Ganz im Film "Der Himmel über Berlin" (picture alliance / dpa / Foto: Filmverlag der Autoren)Bruno Ganz als Schutzengel Damiel in einer Szene des Films "Der Himmel über Berlin" (picture alliance / dpa / Foto: Filmverlag der Autoren)

Im Jahr 1996 erhielt Bruno Ganz den Iffland-Ring, die bedeutendste Auszeichnung für deutschsprachige Schauspieler. Die Auszeichnung wird von ihrem Träger jeweils im Testament an den seiner Ansicht nach würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters auf Lebenszeit weitergereicht. Ganz hatte den nach dem Schauspieler und Theaterdirektor August Wilhelm Iffland benannten Ring von Josef Meinrad erhalten.

2017 blickte Bruno Ganz zufrieden auf seine Karriere zurück: "Wenn man so eine Arbeit gefunden hat, dann ist das schon ein Geschenk", sagte er der NZZ. Im Sommer 2018 sollte Ganz bei den Salzburger Festspielen in der Inszenierung der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" die Rolle eines Erzählers übernehmen - doch dazu kam es nicht mehr: Aus gesundheitlichen Gründen musste er absagen.

"Einer der bedeutendsten Schauspieler"

Bundespräsident Steinmeier erklärte, Bruno Ganz haben den "magischen Schlüssel" bessessen, der große Kunst erschließe. In vielen Rollen habe er "den höchsten Höhen und den tiefsten Tiefen der deutschen Geschichte" Ausdruck gegeben und damit die deutsche Kultur "entscheidend mitgeprägt". Bundesaußenminister Maas würdigte Ganz als einen "der bedeutendsten Schauspieler unserer Zeit." Sein fulminantes Werk bleibe, schrieb Maas auf Twitter. 

Der Schweizer Bundespräsident Berset erklärte, Bühne und Film verlören einen großen Schweizer Darsteller. Selbst in den boshaften Rollen schimmere bei Bruno Ganz und seinen Charakteren immer Menschlichkeit durch. Das mache sein Wirken und Werk so bedeutsam, weil es differenziert und dadurch verstörend wirkte. Ganz habe die Rollen nicht gespielt, sondern gelebt. Kulturstaatsministerin Grütters würdigte Ganz als eine Ikone des deutschsprachigen Theaters und als herausragenden Könner auch der internationalen Schauspielkunst.

Für den Intendanten der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, hinterläßt der Tod von Bruno Ganz "eine große Leere. Seine "einzigartige Kunst, seine Stimme und sein unvergleichliches Lächeln" würden unendlich fehlen. Der neugewählte Präsident der Deutschen Filmakedmie, Ulrich Matthes, äußerte sich bestürzt und "sehr traurig über den Tod meines großen, wenn nicht größten Kollegen. Der Schauspieler ergänzte: "Eine Bitte: Hören Sie Bruno Ganz liest Hölderlins 'Diotima' auf YouTube."

Berlins Regierender Bürgermeister Müller bezeichnete den Tod des Schauspielers als großer erlust für die deutschsprachige Theater-und Filmwelt. Bruno Ganz habe zu den Großen seines Metiers gehört. Der Leiter der Berliner Filmfestspiele, Kosslick, erinnerte sich an eine "wunderbare Zusammenarbeit" mit Bruno Ganz. Mit Blick auf blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein über Berlin sagte Kosslick während der Berlinale: "Ich habe das Gefühl, dass nichts im Weg sein soll, wenn er auf seinem Weg ist in den 'Himmel über Berlin'."

(rm)

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