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StartseiteSternzeitÖffentliche Ohrfeige für einen Astronomen07.11.2018

Theodor Schmidt-Kaler statt Kurt Georg KiesingerÖffentliche Ohrfeige für einen Astronomen

Vor 50 Jahren hat Beate Klarsfeld Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger eine Ohrfeige verpasst, um gegen dessen NS-Vergangenheit zu protestieren. Später ist auch ein bekannter Astronom öffentlich geohrfeigt worden.

Von Dirk Lorenzen

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Kein Zweifel: Unsere Erde ist eine Kugel im Weltraum (NASA) (NASA)
Trotz ihrer himmlischen Tätigkeit sind Astronomen mitunter mit ganz irdischen Problemen konfrontiert (NASA) (NASA)
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Theodor Schmidt-Kaler war jahrzehntelang Direktor des Astronomischen Instituts der Universität Bochum und einige Jahre im Vorstand der Astronomischen Gesellschaft – bis zu seiner vorzeitigen Abwahl.

1981 gehörte er zu den Initiatoren des Heidelberger Manifests. In dem als rechtsextremistisch und rassistisch geltenden Text warnten fünfzehn Hochschullehrer vor einer "Unterwanderung des deutschen Volkes" durch Millionen von Ausländern. Am 8. Juli 1982 war Schmidt-Kaler Gast der Livesendung "Schlag auf Schlag" des Bayerischen Rundfunks. Thema war "das Ausländerproblem in der Bundesrepublik", wie es in einem Strafbefehl des Amtsgerichts München heißt.

Geistiger Ziehvater

Diesen hatte die Journalistin Barbara Friedrich für ihren sehr eigenen Schlag kassiert. Sie war aus dem Zuhörerraum auf das Podium gegangen und hatte während der Diskussion dem Astronomen eine schallende Ohrfeige gegeben.

Ihre Äußerungen, Schmidt-Kaler verbreite faschistische Theorien und sei geistiger Ziehvater des Täters, der kurz zuvor drei Türken in Nürnberg erschossen hatte, wertete das Gericht als Beleidigung. Der Journalistin wurde eine Strafzahlung von 6000 Mark auferlegt. Viele Astronomen waren über die Haltung ihres Kollegen entsetzt – und sammelten Geld, um die Journalistin finanziell zu unterstützen.

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