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StartseiteCampus & KarrierePraxisnah und ohne Abitur zum Pfarrberuf29.01.2019

Theologische AusbildungPraxisnah und ohne Abitur zum Pfarrberuf

In den Gemeinden herrscht Nachwuchsmangel. Die Katholische Hochschule Freiburg steuert mit einem neuen Studiengang dagegen: Auch ohne Abitur darf hier studiert werden. Der hohe Praxisbezug im Studium bereitet auf den Arbeitsalltag als Seelsorger vor.

Von Thomas Wagner

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Ein Priester segnet die Kommunion in Bayern (picture alliance/imageBROKER)
Auch ohne Abitur studieren zu können, öffnet mehr Interessenten einen Zugang zu Berufen in der Kirche (picture alliance/imageBROKER)
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Ein klein wenig fühlen sie sich wie Pioniere. Denn Ronja Futterer und Luise Bucha gehören zu den ersten Studierenden, die sich in "Angewandte Theologie und Religionspädagogik" an der Katholischen Hochschule Freiburg eingeschrieben haben:

"Ich persönlich komme aus der Jugendarbeit. Und die Jugendarbeit bereichert mich sehr. Und da habe ich mir überlegt, dass ich das auch beruflich einschlagen möchte. Und da hat sich der Studiengang sehr gut dafür geeignet."

"Mich interessiert erst mal die Entwicklungsarbeit, aber vielleicht auch so spirituelle Reisen, Glaubensreisen zu veranstalten. Und aber auch ganz herkömmlich in der Gemeinde zu arbeiten, als Gemeindereferentin."

Mehr Praxisbezug als im klassischen Theologiestudium

So unterschiedlich die beruflichen Perspektiven nach dem sieben Semester umfassenden Bachelor-Studium auch sein mögen, so unterschiedlich sind auch die Studieninhalte im Vergleich zum klassischen Theologiestudium. Und diese Unterschiede waren für Juni Bayer bei der Wahl des neuen Studiengangs sehr wichtig:

"Also gerade so die Sprachen wie Griechisch, Hebräisch, Latein - das haben wir nicht. Also es ist so mehr der Praxisbezug da. Der Fokus liegt eher auf der Arbeit mit Menschen, denn auf der Wissenschaft."

Will heißen: Das Studium ist aufgegliedert in klassische theologische Module.

"Da gibt es verschiedene Ausfächerungen in systematischer Theologie, in Religionspädagogik, in angewandter Theologie, Pastoraltheologie und den biblischen Fächern, Altes Testament und Neues Testament"

Aber auch in Vorlesungen und Übungen, die eher mit der späteren praktischen Arbeit der Studierenden zu tun haben:

"Vorlesungen in Recht zum Beispiel, und eben soziale Arbeit, die Fächer dort."

Erläutert Silvia Dufner, Geistliche Mentorin am Institut für Pastorale Bildung in Freiburg.

Nachwuchsmangel im Pfarrberuf

Gleichwohl kommt die Einrichtung des neuen Studiengangs zum jetzigen Zeitpunkt nicht von ungefähr: Der Pfarrermangel in den Gemeinden verschärft sich. Und da kommt es darauf an, vor Ort gut ausgebildete Mitarbeiter zur Verfügung zu haben, die auch einen Teil der seelsorgerischen Aufgaben wahrnehmen können. Für Studentin Carolin Jensch ist das Berufsziel klar:

"Gemeindereferentin werden: Das sind klassische Vorbereitungen wie die Erstkommunion-Vorbereitungen, die Firm-Vorbereitungen. Aber ein ganz großer Schwerpunkt, das ist eigentlich grundlegend für diesen Studiengang, ist die Seelsorge: Direkt ein offenes Ohr für die Menschen haben. Es gibt ja schon seit 90 Jahren solche Leute. Früher hat man das Seelsorge-Helferin genannt. Heute nennt man das Gemeindereferent, Gemeindereferentin."

Der Weg dorthin führe über ein klassisches Studium mit praktischer Zusatzausbildung innerhalb der Kirche, weiß der Freiburger Weihbischof Michael Gerber. Der neue Studiengang "Angewandte Theologie und Religionspädagogik" verzahne nun beide Komponenten intensiver als bisher miteinander - und gehe auf das Bedürfnis vieler junger Interessenten ein, innerhalb des kirchlichen Dienstes auf der Basis einer akademischen Ausbildung Karriere zu machen:

"Und das ist jetzt die Chance, mit diesem neuen Studiengang mal breit aufgestellt, sowohl im klassischen Bereich des Pastoralen tätig zu sein, aber auch im sozialen Bereich und beides miteinander zu verbinden. Und da merke ich jetzt auch bei den Studierenden, wenn man mit ihnen spricht, dass da eine hohe Motivation ist, sich auf so etwas einzulassen."

Kirchliches Studium auch ohne Abitur

Diese 'hohe Motivation' haben die Verantwortlichen des Institutes für Pastorale Bildung und der Katholischen Hochschule Freiburg auch bei Interessenten ausgemacht, die gar kein Abitur haben, aber dennoch eine Karriere in der Kirchenarbeit anstreben. Silvia Dufner:

"Die können bei uns kirchlich studieren, mit einem kirchlichen Examen."

Kirchliches Examen statt Abitur: Wer diesen Weg geht, kann den Studienabschluss als Religionspädagoge mit dem Zusatz "Kirchliches Examen" erhalten. Die Möglichkeit, ohne Abitur zu studieren, öffne Interessenten einen Zugang zu verantwortungsvollen Jobs in der Kirche, die erst spät, beispielsweise nach einer klassischen Berufsausbildung, Interesse an angewandter Theologie zeigen. Silvia Dufner selbst ist so eine "Spätzünderin": Zunächst ließ sie sich als klassische Erzieherin ausbilden. Dazu brauchte sie kein Abitur. Erst danach fand sie Gefallen an der angewandten Theologie.

"Ich bin das beste Beispiel. Ich bin jetzt geistliche Mentorin, habe sogar Karriere gemacht. Es ist schon eine Herausforderung in diesem wissenschaftlichen Bereich unterwegs zu sein. Aber man wächst daran. Und man wird da stufenweise eingeführt - auch ins wissenschaftliche Arbeiten."

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