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StartseiteKommentare und Themen der WocheTenno Akihito als Symbol für Frieden und Einheit30.04.2019

Thronwechsel in JapanTenno Akihito als Symbol für Frieden und Einheit

Der abgetretene japanische Kaiser Akihito besaß nur symbolische Macht, aber er wusste sie auf seine "ganz feine, stille Art" im Sinne der Menschen zu nutzen, kommentiert Kathrin Erdmann. Damit wurde er zum Symbol für Frieden und Einheit - und zur einzig verbliebenen Oppositionspartei.

Von Kathrin Erdmann

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Der japanische Kaiser Akihito bei seinem religiösen Ritual der Abdankung nach dem Shinto-Glauben (dpa/MAXPPP)
Der japanische Kaiser Akihito bei seinem religiösen Ritual der Abdankung nach dem Shinto-Glauben (dpa/MAXPPP)
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Mit dem Thronwechsel endet für viele Japaner und Japanerinnen eine wenig erfreuliche Zeit. Erst der Börsencrash Anfang der 90er-Jahre, von dem sich Japan nie ganz erholt hat und schließlich viele, viele Katastrophen – der Giftgasanschlag in der U-Bahn 1995, das schwere Erdbeben in Kobe im selben Jahr und dann die Katastrophe von Fukushima 2011, um nur einige zu nennen.

Und immer mittendrin der scheidende Tenno. Durch den verlorenen Krieg war er zwar seiner politischen Macht beraubt und fungierte nur noch als Symbol des Staates – obwohl bis heute keiner genau sagen kann, was das eigentlich bedeutet, hat Akihito dies immer als Chance gesehen und auf seine ganz feine, stille Art nicht nur das Kaiserhaus geöffnet, sondern sich auch geschickt gegen die nach rechts rückende Regierung von Shinzo Abe positioniert.

Hinschauen statt Wegducken

Während Japan seit Jahren kontinuierlich das Verteidigungsbudget erhöht und Abes größtes Ziel ist, die Verfassung so zu ändern, dass sich das Land auch aktiv an Kriegseinsätzen beteiligen darf, besuchte das Kaiserpaar regelmäßig frühere Kriegsschauplätze und gedachte demonstrativ stets aller Kriegsopfer.

Wo Abe Tatsachen verneinte, wie die Existenz tausender Sexsklavinnen aus Südkorea, China und den Philippinen im Zweiten Weltkrieg, entschuldigte sich der Kaiser für erlittenes Leid.

Wo sich die Politik wegduckte und wieder zur Tagesordnung übergehen wollte, wie nach dem Unglück von Fukushima, reiste Akihito immer wieder hin, setzte sich zu den Menschen, redete mit ihnen auf Augenhöhe.

Und so wurde er in den drei Jahrzehnten der Heisei-Ära tatsächlich zu einem Symbol, einem Symbol für Frieden und Einheit und damit in gewisser Weise die einzige verbliebene Oppositionspartei.

Die Zeiten werden wohl kaum besser werden

Nun beginnt mit Reiwa eine neue Ära in Japan. Sie steht für schöne Harmonie, etwas typisch Japanisches. Immer schön harmonisch und weiter so, das wäre der Regierung unter der Führung des rechtskonservativen Abe das Liebste.

Doch die Japaner sollten aufpassen, dass aus ihrer schönen Harmonie nicht Lethargie wird, denn dann werden die Zeiten wohl kaum besser werden.

Japan steht vor großen Herausforderungen – schon jetzt leben mehr 75-Jährige in dem Land als unter 14-Jährige. Frauen sind de facto überhaupt nicht in Führungspositionen vertreten, Unternehmen öffnen sich nur langsam, Zuwanderung wird eher als Gefahr denn als Chance gesehen.

Der künftige Kaiser steht mit seiner Frau, einer früheren Karrierediplomatin, schon mal für einen anderen Weg – auch weil er bereits öffentlich das kaiserliche Hofamt kritisierte. Doch sein Spielraum ist begrenzt. Auch er kann immer nur ein Mahner sein, wirklich ändern können nur die Menschen etwas. Das nächste Mal im Sommer bei den Oberhauswahlen.

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