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StartseiteUmwelt und VerbraucherThymianameisenbläuling, Kaisermantel und Schwalbenschwanz10.09.2002

Thymianameisenbläuling, Kaisermantel und Schwalbenschwanz

Warum einige Schmetterlingsarten in Deutschland kaum noch zu sehen sind

<strong>Der Schmetterling ist zwar nicht akut vom Aussterben bedroht, aber er ist hierzulande seltener geworden. Und einige Falter, wie den Kaisermantel, den Schwalbenschwanz oder den Perlmuttfalter sieht man kaum noch in Deutschland. Der Grund ist, dass diese Schmetterlinge vor allem einen trockenen Kalkmagerrasen lieben - und gerade diese Wiesen sind kaum noch zu finden. Da aber, wo es diese Falterwiesen noch gibt, wie zum Beispiel im thüringischen Obereichsfeld, da erlebt man bei der Beobachtung von Schmetterlingen so manche Überraschung.</strong>

Von Elke Drewes

Im ehemaligen Grenzgebiet, auf Bergwiesen und an Waldrändern, da tummeln sich Schmetterlinge in ihrer Vielfalt und Pracht: Orange Perlmuttfalter, rotbraune Kaisermäntel und gelbgemusterte Schwalbenschwänze. Hans Günther Joger von der biologischen Schutzgemeinschaft hat einen seltenen kleinen Falter entdeckt, der türkis und rot leuchtet.

Da sieht man ein Blutströpfchen. Das ist ein rotschwarz gefärbter kleiner Schmetterling, der zu den Nachtfaltern gehört, aber hier auf den Wiesen am Tage rum fliegt. Ein seltener Schmetterling, typisch für den Magerrasen, auf dem wir stehen.

Der Kalkmagerrasen ist eine Bergwiese mit einem violetten Blütenmeer. Es duftet nach wildem Oregano, Majoran, und Thymian. Und darauf fliegen die Falter, erzählt Reinhard Urner von der biologischen Schutzgemeinschaft:

Die Schmetterlinge lieben violette Blumen, sie sehen die am besten. Die saugen mit ihrem Rüssel Nektar aus den Blüten. Der ist sehr energiereich, und den brauchen sie, um fliegen zu können und Eier legen zu können, um sich weiter zu vermehren.

Die Falterweibchen brauchen die Blüten, um dort die Eier abzulegen. Die Raupen wiederum mögen am Magerrasen vor allem die vielen kleinen Kleearten: den Horn- und den Hufeisenklee: ein reichhaltiges Futter, das nur der Magerrasen bereit hält, denn der ist nicht gedüngt. Auf gedüngten Wiesen wächst vor allem der große Weißklee und auch Brennnesseln wuchern auf Kosten der kleinen Kräuter und Pflanzen, so dass die Falter dort kein Futter finden. Die Kräuterwiese im Obereichsfeld bietet allerdings noch mehr und deshalb gibt es dort sogar einen ganz seltenen Schmetterling, der europaweit geschützt ist: den Thymianameisenbläuling: Ein himmelblau schillernder Falter mit einer Wolfstatze auf den Flügeln. Wie sein Name verrät, braucht der Falter nicht nur den Thymian, sondern auch eine besondere Ameisenart. Die adoptiert nämlich seine Raupen.

Das ist ein richtiges Adoptionsritual: Der Bläuling wird ins Nest der Ameise gebracht und aufgezogen. Er liefert für die ein süßes Zuckersekret, die Raupe hat Drüsen auf dem Rücken. Da sind die Ameisen scharf drauf. Sie ziehen den auf, putzen die Raupe, bis sie im Frühjahr als fertiger Schmetterling aus dem Bau kommt.

Nicht ganz so anspruchsvoll und selten wie der Thymianameisenbläuling sind die Falterarten, die auch die Hausgärten besuchen. Doch auch sie lieben Wärme und trockene Wiesen, weiß Schmetterlingsexperte Hans Günter Joger:

Wir haben relativ warme Winter, deshalb kommt der Admiral früher und häufiger, auch in die Gärten. Das ist ein rotschwarzer Falter, wie das Admiralskostüm.

Doch die schönsten und vielfältigsten Schmetterlingsarten finden sich auf Kalkmagerrasen in Bayern, Baden Württemberg und im thüringischen Obereichsfeld. Die biologische Schutzgemeinschaft sieht allerdings auch dort die Faltervielfalt bedroht.

Die Wiesen verbuschen. Man müsste Schafherden wieder einführen oder ansonsten andere Pflegemaßnahmen ergreifen: ab und zu mähen, damit Wiesen nicht zuwachsen.

Eine weitere Gefahr ist der Stickstoffdünger in der Luft. Der Regen wäscht ihn aus und düngt den Magerrasen. Und der bleibt dann nicht mager, sondern wird fett und lässt Brennnesseln und andere große Pflanzen wachsen. Die wiederum verdrängen die kleinen Kräuter und Kleearten. Dann finden die Raupen kein Futter und die Schmetterlinge bleiben weg.

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