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StartseiteSport am WochenendeHickey-Mails werfen Fragen an Bach auf28.08.2016

TicketskandalHickey-Mails werfen Fragen an Bach auf

Der IOC-Vizepräsident Patrick Hickey wurde in Rio während der Spiele verhaftet. Der Tatbestand: Illegaler Tickethandel. Jetzt ist offenbar die Auswertung des Mailverkehrs Hickeys vor den Spielen ans Licht gekommen. Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung hat ihn schon gelesen.

Thomas Kistner im Gespräch mit Philipp May

Thomas Bach und Patrick Hickey bei einer Versammlung 2015 (Vit Simanek/imago)
Thomas Bach und Patrick Hickey bei einer Versammlung 2015 (Vit Simanek/imago)

Wie funktioniert der illegale Tickethandel? Funktionäre verscherbeln auf eigene Rechnung und in die eigene Tasche große Kontingente der begehrtesten Karten über Firmen, die eigentlich keine Lizenz zum Ticketverkauf haben.

So einen Tickethändler-Ring hat die brasilianische Polizei in Rio vorletzte Woche ausgehoben. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher ist jetzt wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Patrickey Hickey, ein Vertrauter von IOC-Präsident Thomas Bach sitzt allerdings weiter ein.

Zwei Mal hatte Hickey Bach vor den Spielen ganz explizit wegen Tickets kontaktiert, erklärt Thomas Kistner. Beim ersten mal erbat er ein persönliches Gespräch. Die Ticketsituation steuere in eine Sackgasse, schrieb er in seiner Mail. Dabei sei allerdings nicht ganz klar, ob er diese Sackgasse vor allem für sich sah.

In einer zweiten Mail bemängelte Hickey die Ticketzuteilung an ihn. Hickey schrieb eine Wunschliste für das irische Olympiakomitee, dem er vorstand. Vor allem ging es um Tickets für die preisträchtigsten Veranstaltungen überhaupt. "Für das Fußballfinale der Männer wollte er zum Beispiel 500 Karten statt 0, die ihm zugeteilt worden sind", sagt Kistner und lacht, denn die Liste ging weiter. Für das 100-Meter-Finale seien 242 statt 42 gewesen, und so weiter. Insgesamt 1.000 Tickets für Topveranstaltungen, die später auf dem Schwarzmarkt auftauchten.

"Es stellt sich die Frage, ob Bach nicht ein bisschen sehr sorglos umgegangen ist, mit den doch sehr alarmierenden Hinweisen, die wir aus Hickeys Mails problemlos herauslesen können", sagt Thomas Kistner. Vor allem, weil Hickey ein starker Unterstützer Bachs war.

Das gesamte Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.

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