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StartseiteForschung aktuell"Vegane Ernährung ist auch bei Hunden ein Thema"31.05.2019

Tierfutter-Verschwörung"Vegane Ernährung ist auch bei Hunden ein Thema"

Fertigfuttermittel für Haustiere seien zu Unrecht in Verruf geraten, sagte Tierärztin Stefanie Handl im Dlf. Die meisten Gerüchte in diesem Zusammenhang könne man mit Fachkenntnis ausräumen. Bei den neuesten Trends in der Tiernahrung gelte es, auf eine ausgewogene Zusammenstellung der Zutaten zu achten.

Stefanie Handl im Gespräch mit Arndt Reuning

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Ein Hund steckt das Maul in seinen Futternapf. (picture-alliance / dpa - Erwin Elsner)
Bei der Rohfütterung mit Fleisch und Knochen, dem sogenannten Barfen, könne es zu Mangelerscheinungen kommen, so Tierärztin Handl im Dlf (picture-alliance / dpa - Erwin Elsner)
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Arndt Reuning: In Augsburg hat gestern die SkepKon begonnen, die Konferenz für Wissenschaft und kritisches Denken, veranstaltet von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Dort geht es zum Beispiel um den unerfüllbaren Traum vom Perpetuum Mobile, um die Geschichte der Kurpfuscherei in Deutschland und um Hilfestellungen, wie man Verschwörungstheorien selbst testen kann. Über solch eine Verschwörungstheorie berichtet auch Dr. Stefanie Handl. Sie ist Tierärztin in Wien und Ernährungsberaterin für Haustiere. Am Telefon hat sie mir erklärt, worum es in ihrem Vortrag zur angeblichen Futterverschwörung – in Anführungszeichen – geht.

Stefanie Handl: Bei dieser Futterverschwörung geht es darum, dass Fertigfuttermittel – also das, was man allgemein aus dem Zoofachhandel kennt – in den letzten Jahren ein bisschen in Verruf geraten ist beziehungsweise Verschwörungstheorien eben verbreitet werden, dass das schädlich sei, dass das nur sehr minderwertige Zutaten enthalte oder dass eben sogar absichtlich krank machende Futter verkauft werden, damit die Tierärzte sogar mehr Patienten daraus generieren können.

Reuning: Nun steht aber die Verschwörung in Anführungszeichen, das heißt Sie sind skeptisch, ob es die überhaupt gibt.

Handl: Also ich bin im Grunde sicher, dass es diese Verschwörung nicht gibt. Wie es eben häufig bei so Verschwörungstheorien ist, ist vielen dieser Gerüchte anzumerken, dass hier ein Fehlen an Kenntnis dahinter ist. Also mit etwas Wissen über eben die Futtermittelgesetzgebung oder aber auch die Herstellungstechnik von Futter kann man also diese meisten Gerüchte ganz klar ausräumen. Und auch hier ist es ähnlich wie mit anderen Gesundheitsthemen, dass also hier vermutet wird, dass die Tierärzte alle unter einer Decke stecken und alle sich bereichern an diesem krank machenden Futter. Das kann man ja auch ganz klar aus der Welt schaffen, dass das nicht so ist.

Alles muss "glutenfrei oder laktosefrei sein"

Reuning: Es gibt wie bei uns Menschen auch Ernährungstrends bei der Fütterung von Haustieren, mit denen Sie sich beschäftigen. Was sind denn da im Moment aktuelle Strömungen?

Handl: Also Ernährungstrends lassen sich klar ausmachen. Auf der einen Seite halt die Gesundheitstrends, die wir auch vom Menschen kennen, also muss jetzt alles glutenfrei oder laktosefrei sein. Ganz klar erkennbar ist ein Trend zum Selbermachen des Futters, vor allem dem sogenannten Barfen, also der Rohfütterung, wo man versucht durch rohe Zutaten wie Fleisch, Knochen, Innereien die natürliche Beute der Tiere nachzumachen und sich komplett von diesem kommerziellen Fertigfutter abwendet.

Reuning: Diese Rohfütterung, das scheint ja zunächst auch einmal logisch zu sein, Wölfe zum Beispiel bekommen auch kein Dosenfutter. Gibt es denn wissenschaftliche Untersuchungen, ob dieses sogenannte Barfen für die Hunde eine Wirkung hat?

Handl: Wissenschaftliche langfristige Studien zum Barfen gibt es noch nicht. Logisch erklärbar ist ein Gesundheitseffekt aber nicht. Was das Hauptproblem ist: Sehr wohl dokumentiert sind die negativen Effekte. Das ist vor allem eine mögliche Krankheitsübertragung durch Krankheitserreger im rohen Fleisch auf den Menschen nämlich. Das andere große Problem ist, dass die Besitzer ja selber verantwortlich sind, dass das Futter ausgewogen gestaltet wird und dass alle Nährstoffe drin sind – und das ist nicht so einfach, wie es meistens dargestellt wird. Das heißt, Nährstoffmängel und daraus folgende Krankheiten sind beim Barfen leider nicht selten.

"Beim Hund kann man auf tierische Nahrung verzichten"

Reuning: Unter welchem Nährstoffmangel leiden dann solche Tiere?

Handl: Häufige Probleme sind ein Überschuss oder ein Mangel an Calcium, wenn zum Beispiel die Knochenmenge nicht richtig dosiert wird. Das kann sich vor allem bei wachsenden Welpen wirklich sehr schnell auswirken in Form von Wachstumsstörungen und Gelenkveränderungen, die sehr schmerzhaft sein können und den Hund ein Leben lang beeinträchtigen können. Bei wachsenden Hunden sind das entweder sehr grobe Fehler wie Calciummangel, aber auch Mängel an Vitaminen und Spurenelementen sind häufig, die sich erst langfristig auswirken können, sodass man sie nicht gleich merkt – wie schlechtes Haarkleid, Infektanfälligkeit, Unfruchtbarkeit et cetera.

Reuning: Bei uns Menschen sehr populär ist die vegane Ernährung. Wie sieht es da aus bei den Haustieren, gibt es da auch Anstrengungen, gibt es da auch Bemühungen, diese Tiere vegan zu ernähren?

Handl: Ja, vegane Ernährung ist auch bei Hunden und Katzen ein Thema. Bei der Katze ist es klar ausgeschlossen, die Katze ist ein spezialisierter Fleischfresser, die tierische Nahrung braucht. Beim Hund kann man zum Großteil auf tierische Nahrung verzichten. Hier muss man aber wirklich sehr gut wissen, was man tut und sich wirklich gut beraten lassen, damit die Nährstoffe, die fehlen, dann auch wieder entsprechend ergänzt werden, und es da nicht zu gesundheitlichen Schäden kommt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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