Kommentare und Themen der Woche 28.05.2020

Tod von George FloydUnd wieder stirbt ein SchwarzerVon Jan Bösche

Beitrag hören Mehrere Demonstranten mit Atemschutzmasken stellen sich protestierend vor eine Reihe von Polizisten. (gettyimages /  Star Tribune / Richard Tsong-Taatarii)Demonstration in Gedenken an George Floyd: Sein Tod durch Polizeigewalt in Minneapolis hat Tausende auf die Straße gebracht. (gettyimages / Star Tribune / Richard Tsong-Taatarii)

Polizeigewalt ist grausamer Alltag für Afroamerikaner in den USA. Polizisten in Minneapolis ließen nicht von George Floyd ab, obwohl sie von Passanten dazu aufgefordert und sogar gefilmt wurden. Das Problem ist ein Corps-Geist unter Polizisten, die zusammenhalten, egal was passiert, kommentiert Jan Bösche.

Schon wieder "I can’t breathe" – ich kann nicht atmen. Schon wieder ein schwarzer Amerikaner, von Polizisten auf den Boden gedrückt, so lange, bis er bewusstlos ist und schließlich stirbt. Diesmal war es George Floyd in Minneapolis, unter Verdacht, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Vor sechs Jahren wurde "I can’t breathe" zu einem Schlachtruf gegen Polizeigewalt in den USA, nachdem Eric Garner in New York starb, ebenfalls von Polizisten zu Boden gedrückt, ebenfalls "I can’t breathe" rufend. Es ist bezeichnend, dass sich seitdem nichts geändert hat.

Fast tägliche Übergriffe auf schwarze Amerikaner

Der Vorfall in Minneapolis ist empörend, und er ist kein Einzelfall. Fast täglich gibt es Berichte über Übergriffe auf schwarze Amerikaner: Ein pensionierter Polizist, der einen schwarzen Jogger auf offener Straße erschießt. Eine schwarze Rettungs-Sanitäterin, die von Polizisten in ihrer Wohnung erschossen wird – auf der Suche nach einem Verdächtigen, der gar nicht dort lebte. Ein schwarzer Passant in New York, der von Polizisten gewaltsam zu Boden gerissen wird, weil er die Corona-Abstandsregeln nicht eingehalten hat. An einem Wochenende, an dem Polizisten in überwiegend weißen Wohngegenden kostenlos Masken verteilten.

Polizeigewalt ist grausamer Alltag für Afroamerikaner in den USA. Studien belegen, dass sie häufiger Opfer von Polizeigewalt sind als weiße Amerikaner. Für junge schwarze Männer ist Polizeigewalt eine der Haupt-Todesursachen.

Demonstranten versammeln sich auf der Straße in South Minneapolis nach dem Tod von George Floyd durch Polizeigewalt.  (Carlos Gonzalez / www.imago-images.de) (Carlos Gonzalez / www.imago-images.de)Ursachen der Polizeigewalt in den USA - Rassismus, Angst und schlechte Ausbildung
Der Afroamerikaners George Floyd starb durch massive Polizeigewalt. Die Ursprünge dieser Gewalt liegen in der Sklaverei und der sozialen Realität in den USA, sagt der Anthropologe Michael Hochgeschwender.

Nationale Debatte ebbt schnell ab

Soziale Medien und allgegenwärtige Handy-Kameras helfen dabei, das Ausmaß des Problems zu erkennen, weil so immer mehr Gewalttaten von Polizisten ans Tageslicht kommen. Das Problem ist: die Einzelfälle sorgen immer wieder für einen Aufschrei, aber die nationale Debatte anschließend ebbt schnell wieder ab, ohne dass sich etwas ändert.

Es ist bezeichnend, dass die Polizisten in Minneapolis nicht von ihrem Opfer abließen, obwohl sie von Passanten dazu aufgefordert wurden und sogar gefilmt wurden.

Das Problem ist ein Corps-Geist unter Polizisten, die zusammenhalten, egal was passiert. Von den vielen Beschwerden gegen Polizisten in Minneapolis in den vergangenen Jahren führte nur ein Prozent zu Konsequenzen für die beschuldigten Beamten.

Straßen als Kriegsgebiet, Bürger als feindliche Kämpfer

Keine Frage: Polizisten setzen jeden Tag ihr Leben aufs Spiel, besonders in den amerikanischen Großstädten, wo Waffen schnell zu beschaffen sind und leichtfertig eingesetzt werden. Die Antwort kann aber nicht länger sein, die Straßen als Kriegsgebiet zu verstehen und die eigenen Mitbürger als feindliche Kämpfer. Die Antwort kann schon gar nicht sein, sich im Zweifel auf eine rassistische Grundhaltung zurückzuziehen und besonders die ins Visier zu nehmen, die eine dunklere Hautfarbe haben.

Minneapolis: Demonstranten versammeln sich auf einem Polizeirevier und fordern mit einem Plakat mit der Aufschrift "I can't breathe" (dt. Ich kann nicht atmen) Gerechtigkeit für einen Mann afroamerikanischer Abstammung, der nach der Festnahme durch die Polizei verstarb.  (Star Tribune/AP/Richard Tsong-Taatarii)Demonstranten fordern Gerechtigkeit für einen toten Afroamerikaner. (Star Tribune/AP/Richard Tsong-Taatarii)

Die amerikanischen Städte brauchen besser bezahlte und besser ausgebildete Polizisten. Polizisten, die Situationen deeskalieren können, die Freund und Helfer aller Bürger sind.

Neue Gesetze allein können das Problem nicht lösen. Viele amerikanische Polizeibehörden brauchen einen tiefgreifenden und auch schmerzhaften Mentalitätswandel. Der ist nötig, wenn sie überhaupt wieder das Vertrauen vieler Bürger gewinnen wollen.

Mehr zum Thema

Empfehlungen