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StartseiteWirtschaft und Gesellschaft"Auch ein Meister der Selbstvermarktung"19.02.2019

Tod von Karl Lagerfeld"Auch ein Meister der Selbstvermarktung"

Karl Lagerfeld hat das Modehaus Chanel in die Moderne geführt, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Mode Instituts, Gerd Müller-Thomkins, im Dlf. Damit habe er die Marke voran getrieben. Auch, weil er sein eigenes Image dafür in die Waagschale geschmissen hat. Eine wichtige Eigenschaft für Kreativ-Chefs.

Gerd Müller-Thomkins im Gespräch mit Silke Hahne

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Karl Lagerfeld 2012 in Paris auf einer Fashionshow für das Modehaus Chanel. (imago stock&people)
Kaiser Karl, Sonnenkönig, Ikone, Genie - Karl Lagerfeld war eine Marke für sich. (imago stock&people)
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Karl Lagerfeld hat das Modehaus Chanel nach Einschätzung des Modeexperten Gerd Müller-Thomkins gerettet, als er vor mehr als 30 Jahren die kreative Leitung übernahm. Der damalige Unternehmenschef Alain Wertheimer habe Lagerfeld eine "carte blanche" gegeben, die kreative Freikarte also, um die Marke nach vorne zu treiben. Das sei ihm gelungen, auch weil Lagerfeld ein Meister der Selbstvermarktung war. Ausdruck dessen waren etwa die großen Events und Modeschauen im Grand Palais in Paris, so Müller-Thomkins.

Gegen den Mainstream

Dass Kreativchefs von Modehäusern so ein Image mitbringen, ist laut Müller-Thomkins sehr wichtig - gleichzeitig aber seltener geworden. Mit dem "Sonnenkönig" Lagerfeld ende also eine Ära. Aber auch die heutige Zeit lechze nach einer solchen Ikonisierung von Marken, wie Lagerfeld sie verkörpert habe: Sonnenbrille, Fächer, Pferdeschwanz und Handschuhe sowie seine magere Statur -  selbst Kinder könnten ihn wohl allein an seiner Silhouette erkennen. Lagerfeld habe sich selbst in die Waagschale der Marken geworfen, die er vertreten habe. In einer Zeit, in der "copy and paste" regiere, habe er sich dem Mainstream entgegen gestellt.

Gewollte Ikonisierung

Markenbildung richte auch heute noch den Fokus auf Identiät und Authentizität, das gelte übergreifend für die Wirtschaft. Menschen suchten Verlässlichkeit - und würden diese auch auf diejenigen beziehen, die sie mit einer Marke identifizierten. Insofern sei eine Ikonisierung nach wie vor gewollt. Eine Marke müsse das dann aber auch ausfüllen. So habe Lagerfeld Themen der Zeit wie Emanzipation, Umwelt, Konsumismus oder Mobilität in den Rahmenhandlungen seiner Modenschauen interpretiert. 

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