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StartseiteKommentare und Themen der WocheKrieg im Jemen - die Welt schaut weg 09.08.2018

Tödlicher Angriff auf SchulbusKrieg im Jemen - die Welt schaut weg

Mindestens 29 Kinder sollen getötet worden sein beim einem Luftangriff auf einen Schulbus im Jemen. Der Krieg im Armenhaus der Arabischen Halbinsel verschärfe sich noch, kommentiert Udo Schmidt. Doch darum kümmere sich kaum jemand, auch in Deutschland nicht.

Von Udo Schmidt

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Ein Mann steht nach einem Luftangriff auf Trümmern. (AFP)
Luftangriff in der jemenitischen Provinz Saada (AFP)
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Schwer verletzte blutende Kinder, die in der Nähe der nordjemenitischen Stadt Saada in ein Krankenhaus gebracht werden, Dutzende Tote, nachdem ein Schulbus bei einem Luftangriff getroffen wurde - das sind die Bilder aus dem Jemen-Krieg, der seit Jahren tobt und sich 2015 mit dem Eingreifen der Saudis in den Konflikt noch verschärft hat. Bilder, die eigentlich keiner sehen will und auch kaum einer sieht.

Der Krieg im Jemen, ein Stellvertreterkrieg, den die beiden Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien auf dem Rücken der 28 Millionen Jemeniten austragen, vollzieht sich weitgehend im Verborgenen - jedenfalls aus europäischer Sicht. Die schiitischen Huthi-Rebellen, unterstützt vom Iran und die sunnitisch geprägte Regierung, die nur Teile des Landes kontrolliert, aber eine sogenannte Militärkoalition der Entschlossenen mit Saudi-Arabien an der Spitze auf seiner Seite weiß, diese Kriegsparteien haben nicht nur 10.000 Menschenleben auf dem Gewissen, auch die Zukunft des Landes haben sie mittlerweile ausgesprochen nachhaltig zerstört.

Der Jemen ist weit weg

Acht Millionen Kinder sind unterernährt, siebzig Prozent der Jemeniten können nicht aus eigener Kraft überleben. Sie alle sind wie eingesperrt in dem Gefängnis Jemen, zu dem ihre Heimat geworden ist. Ein Gefängnis, in dem sie beschossen und bombardiert werden und in dem sie hin und wieder durch die Zellentür eine Essenslieferung zugeschoben bekommen.

Das alles interessiert uns in Deutschland – fast überhaupt nicht. Der Jemen ist weit, weit weg. Das Armenhaus der Arabische Halbinsel spielt in unseren Köpfen keine Rolle. Zumal keine jemenitischen Flüchtlinge an unseren Grenzen Einlass begehren. Wir würden sie wohl aufnehmen – aufnehmen müssen. Aber sie kommen nicht – große Armut kann ein Fluchtgrund sein, aber auch ein Hindernis. Schlepper wollen Dollars.

Krieg mit Waffen aus Deutschland

Also tobt dieser Krieg weiter, trotz zwar ernsthafter, aber meist erfolgloser Vermittlungsbemühungen d er Vereinten Nationen, die ein wenig den Charakter des moralische Feigenblattes tragen. Ein Ende ist nicht in Sicht, jeder Waffenstillstand wäre schon ein großer Erfolg, und Gut und Böse ist im Jemenkrieg auch nicht eindeutig auszumachen.

Auf keinen Fall aber darf man in solch einen Krieg verwickelt sein. Mit eigenen Waffen etwa. Mit frischen Ersatzteilen für früher gelieferte Kampfflugzeuge möglicherweise. Deutschland hat die saudische Luftwaffe – und die Marine - mit ausgestattet und offenbar noch in diesem Jahr beliefert.

Die Luftangriffe auf das Krankenhaus in Hodeida wurden wohl von der Militärkoalition unter saudischer Führung geflogen. Mit deutschen Waffen? Aber wer will das schon so genau wissen, wo doch der Jemen so weit weg ist.

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