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StartseiteForschung aktuell"Die mieseste Luftqualität auf dem Planeten"02.08.2016

Torfbrände in Indonesien 2015"Die mieseste Luftqualität auf dem Planeten"

2015 wüteten in Indonesien die schlimmsten Vegetationsbrände seit der Jahrhundertwende. Zu diesem Schluss kommt die Weltraumbehörde Nasa in einer aktuellen Satellitenbild-Auswertung. Außerdem kommen die Forscher zu dem Ergebnis: Solche Buschfeuer und deren Folgen könnten vermieden werden, denn das Problem ist hausgemacht.

Von Volker Mrasek

Brände auf Sumatra haben ganze Landstriche verwüstet. (picture alliance / dpa)
Brände auf Sumatra haben ganze Landstriche verwüstet. (picture alliance / dpa)
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Martin Wooster war da, im vergangenen Oktober, während der heißen Phase der Torfbrände in Indonesien. Draußen habe man kaum 200 Meter weit sehen können, erinnert sich der Professor für Erdbeobachtung am King's College in London. Drinnen, im Hotelzimmer auf der Insel Borneo, dann eine noch größere Überraschung. Der britische Physiker wollte bloß ein Messgerät für den Luftschadstoff Kohlenmonoxid testen.

"Der Wert, den das Instrument in meinem Zimmer anzeigte, war so hoch - er hätte überall in Europa sofort einen Rauchalarm ausgelöst. Und das, obwohl wir Kilometer von jedem Feuer entfernt waren! Die Feinstaub-Konzentration erreichte an manchen Tagen drei Milligramm pro Kubikmeter Luft - zehnmal so viel, wie die Weltgesundheitsorganisation bereits für schädlich hält."

Die mieseste Luftqualität auf dem ganzen Planeten

Daten, die zeigen, wie extrem sie ausfielen - die indonesischen Feuer und ihre Rauchentwicklung in der Saison 2015.

"Es war wahrscheinlich die mieseste Luftqualität auf dem ganzen Planeten zu dieser Zeit. Noch viel schlimmer als in Peking oder Neu Delhi."

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat die Region seit dem Jahr 2000 genau im Blick. Verschiedene Instrumente an Bord von Erdbeobachtungssatelliten erfassen seither den Rauch und einzelne Luftschadstoffe über Südostasien.

Diese Daten haben Forscher jetzt ausgewertet. Ihre Studie erscheint in der Fachzeitschrift "PNAS". Einer der beiden Hauptautoren ist Robert Field, Atmosphärenforscher am Goddard-Institut für Weltraumstudien der Nasa in New York:

"2015 war das schlimmste Jahr in Indonesien seit Beginn unseres Satelliten-Programms in der Region. Die Rauchfahne der Brände zog sich zeitweilig um den halben Äquator. Die freigesetzte Menge Kohlendioxid war nach unseren Schätzungen größer als die gesamten jährlichen Treibhausgas-Emissionen von Japan zum Beispiel."

Ein selbstverschuldetes Problem

Das Problem ist selbstverschuldet. Im indonesischen Flachland herrschen Moore vor. Sie werden überall entwässert, um Landwirtschaft betreiben zu können, häufig in Form von Palmöl-Plantagen. Die kohlenstoffreichen Torfböden trocknen so aus und werden anfälliger für Schwelbrände. Die entstehen, wenn Bauern Erntereste abfackeln. Oder wenn sie neue Ackerflächen durch Brandrodung gewinnen.

Die Feuergefahr ist am größten, wenn im Pazifik das Klimaphänomen El Nino vorherrscht. Dann fällt besonders wenig Regen während der Trockenzeit in Indonesien. So war es auch 2015. Der Zusammenhang ist im Prinzip nicht neu. Robert Field und seine Kollegen sind aber jetzt auf einen Schwellenwert gestoßen, ab dem das Risiko für Torfbrände sprunghaft steigt, wie sie sagen. Das passiere, wenn der Niederschlag unter vier Millimeter pro Tag falle.

"Es wäre sicher sinnvoll, frühzeitig zu wissen, wie gefährlich die Trockenzeit wird. Der Schwellenwert für den Niederschlag könnte hier der Startpunkt für ein Frühwarnsystem sein - gestützt auf saisonale Vorhersagen für Indonesien, die es schon gibt und die immer besser werden. Man könnte künftig eine Warnung aussprechen, wenn sich dabei abzeichnet, dass der kritische Regen-Schwellenwert unterschritten wird."

Brandrodungen verbieten

Die Idee wäre dann, Brandrodungen und das Abfackeln von Ernteresten zu verbieten. Und Bauern vorzuschreiben, dass sie stattdessen mechanische Geräte benutzen - wenigstens vorübergehend, in der besonders kritischen Zeit.

Die Regierung unternehme inzwischen auch Schritte in die richtige Richtung, sagt Martin Wooster:

"Indonesien hat kürzlich eine Behörde für die Renaturierung von Mooren eingerichtet. Sie sollen wiedervernässt werden, um nicht mehr so leicht in Brand zu geraten. Es gibt auch schon Versuche, den Einsatz von Feuer in Trockenphasen zu unterbinden. Aber sie sind bisher nicht so erfolgreich."

Weitere Schäden zu befürchten

Klar ist jedenfalls: Wenn in Indonesien weiterhin Moore entwässert, Flächen brandgerodet und Erntereste abgefackelt werden, ist auch in Zukunft mit immensen Torfbränden während der Trockenzeit zu rechnen - schädliche Auswirkungen auf das Klima und die Gesundheit der Bevölkerung eingeschlossen.

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