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StartseiteUmwelt und VerbraucherEin Grab als Erinnerungsort behalten oder auflösen?02.11.2018

Totengedenktag AllerseelenEin Grab als Erinnerungsort behalten oder auflösen?

Vor allem katholische Christen besuchen an Allerseelen die Gräber ihrer Angehörigen und zünden dort eine Kerze an. Doch nach einigen Jahren endet die Ruhefrist für die Gräber - was tun mit der Grabstelle?

Von Barbara Weiß

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Ein Grablicht zu Allerheiligen im Herbst mit Blättern (imago/McPHOTO)
Grablicht zu Allerheiligen und Allerseelen (imago/McPHOTO)
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Blumen ans Grab bringen: Nicht nur an Allerseelen und nicht nur, wenn der Schmerz frisch ist. Das hilft vielen Trauernden. Doch wie schaut es nach Jahren, nach Jahrzehnten aus? Wenn der Gang ans Grab immer seltener wird: Braucht es da noch diesen Ort am Friedhof?

- "Ich habe da von meinem Mann das Grab schon seit 26 Jahren, ja, weil ich dann da mal reinkomme." 
- "Das entscheiden die Angehörigen, was sie fühlen, das hat nicht die Stadt zu entscheiden. Klar, es gibt eine Ruhefrist wegen der Verwesung, aber das hat letztendlich der Angehörige zu entscheiden, wie lange er das haben möchte. Ich habe ein Familiengrab, das besteht über 150 Jahre, das wird weitergeführt."
- "Keine Ahnung, habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Zehn Jahre?"
- "Weiß ich nicht. Ich brauche kein Grab, um an jemanden zu denken. Ich denke an den, wenn ich möchte, ich muss dazu nicht hingehen."

Vorgeschriebene Ruhefristen

Die Ruhefrist für Erdbestattungen in Bayern beträgt mindestens zehn Jahre. So lange muss ein Grab bestehen, damit die Leiche vollständig verwesen kann. In Norddeutschland - wo der Boden lehmhaltiger ist und die Verwesung länger braucht - beträgt die Ruhefrist 30, mancherorts sogar 50 Jahre. Die meisten Angehörigen entscheiden sich, so Florian Rauch vom Trauerinstitut AETAS für eine Verlängerung der Grabstelle:

"Die Trauer endet eigentlich nie. Die Narbe begleitet mich ein Leben lang, man kann nicht sagen, die hört parallel zur Ruhefrist auf. Sie bleibt ein ständiger Begleiter. Das ist die Rückmeldung vieler Betroffener, dass die Verortung wichtig ist. Das muss nicht für alle sein, aber für einen Großteil der Menschen ist es schon eine wertvolle Stätte, wo man hingehen kann."

Versäumen die Angehörigen die Frist oder lassen sie Angehörigen die Frist verstreichen, schreibt in der Regel der Friedhofsträger die Familie mehrmals an und wartet bis zu einem Jahr auf Rückmeldung, bis die Bagger kommen, berichtet Kriemhild Pöllath-Schwarz, Leiterin der Städtischen Friedhöfe München.

"Leute, die im Ausland waren und keinen Gedanken an die Nutzungsdauer des Grabes verschwendet hatten, die waren dann schon geschockt. Obwohl wir wirklich lange warten. Das kommt schon immer mal wieder vor."

Damit jeder einen Erinnerungsort hat, und damit kein Grab aufgegeben werden muss.

Komplettangebote inklusive Grabpflege

Nicht nur für Angehörige im Ausland bietet die Stadt München seit Neuestem günstige und praktikable Grabmodelle an. Etwa unter Bäumen oder Urnengemeinschaftsanlagen:

"Zum Beispiel die Mosaikgärten am Westfriedhof. Das ist ein Komplettangebot, da ist der Grabplatz mit in der Gebühr. Der Grabstein, die Bepflanzung und die Pflege. Und wir haben das deshalb angeboten, weil die Gesellschaft eben mobiler wird, die Kinder gar nicht mehr am Ort wohnen, die Leute älter sind und die Grabpflege beschwerlich wird. Und das ist einfach der große Vorteil, dass man ans Grab kommt, und es sieht immer gepflegt aus."

Die Kindergeneration verlängert das Grab der Eltern nicht selten aus Pflichtgefühl. Doch wenn die Kinder dann selbst alt werden, wollen sie diese Last, wie sie glauben, nicht weiter vererben. Das sei aber nicht unbedingt im Sinne der Enkelkinder, weiß Kriemhild Pöllath-Schwarz, Leiterin der Städtischen Friedhöfe München aus Erfahrung:

"Die Kinder sind eher bereit, das Grab der Eltern aufzugeben. Tun es dann auch. Die Enkel kommen dann und wollen das Grab finden, aber es gibt keine Möglichkeit, weil es ja aufgelöst ist. Es ist schon erstaunlich, dass sich Enkel dafür interessieren, wo Oma und Opa liegt."
 

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