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StartseiteKommentare und Themen der WocheDer Radsport atmet auf - weil der Sieger nicht Froome heißt29.07.2018

Tour de FranceDer Radsport atmet auf - weil der Sieger nicht Froome heißt

"Es ist gut für die Glaubwürdigkeit des Radsports, dass es ihm nicht gelang", kommentiert Matthias Friebe das Abschneiden von Seriensieger Christopher Froome, der diesmal bei der Tour de France nur auf Platz drei landete. Froome sei dopingverdächtig, sein Nachfolger Geraint Thomas dagegen bisher nicht.

Von Matthias Friebe

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Chris Froome vom Team Sky und sein persönlicher Bodyguard. (imago sportfotodienst)
Chris Froome vom Team Sky und sein persönlicher Bodyguard (imago sportfotodienst)
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Endlich, viele Beobachter und Fans atmen auf! Endlich gewinnt einmal nicht Christopher Froome die Tour de France. Der scheinbar unbesiegbare Brite, der vierfache Toursieger, hatte in den letzten zwölf Monaten alle großen Rundfahrten in Frankreich, Spanien und Italien gewonnen. In diesem Jahr wollte er schaffen, was seit den Hochdopingzeiten keinem mehr gelang. Seit Marco Pantani gewann kein Fahrer mehr Giro d'Italia und Tour de France in einem Jahr, die beiden harten Drei-Wochen-Rundfahrten im Mai und Juli.

Und es ist gut für die Glaubwürdigkeit des Radsports, dass es ihm nicht gelang. Denn, ohne Frage, Christopher Froome hätte nicht starten dürfen bei der Tour de France. Im vergangenen September mit einem überhöhten Wert seines Asthma-Mittels getestet, wurde er kurz vor der Tour vom Dopingvorwurf freigesprochen. Mit Hilfe eines für ihn außerordentlich günstigen Gutachtens und mit seinen teuer bezahlten Anwälten wurde ihm eine Sperre erspart, die – das vermuten viele in der Szene – viele andere Fahrer außer Froome getroffen hätte.

Heraushängende Zunge beim Titelverteidiger

Fälle wie Froome, der schon immer argwöhnisch beäugt wurde, helfen dem Radsport nicht, sein angeknackstes Image endgültig in positive Schlagzeilen zu verwandeln. Froomes Leistungsexplosion vor einigen Jahren, seine ungeheure Dominanz und seine Krankheitsgeschichte mit Ausnahmegenehmigungen für Medikamente, die auf der Dopingliste stehen, lassen sowieso viele Alarmglocken läuten.

Jetzt zu sehen, dass auch der scheinbar Unbezwingbare Schwächen zeigt, in den Bergen mit heraushängender Zunge den Anschluss an die Schnellsten verliert, das ist ein gutes Zeichen für den Radsport, dem viele Experten attestieren, inzwischen viel richtig zu machen im Anti-Doping-Kampf.

Vielen geht die Wachablösung aber nicht weit genug, denn auch der neue Sieger kommt aus der hocheffizienten Siegmaschine von Team Sky, der mit Abstand mit der dicksten Geldbörse ausgestatteten Equipe. Einer Mannschaft, die das Tour-Feld seit Jahren dominiert, die immer noch nicht – und das ist auch Teil der Wahrheit – der Vereinigung von Teams beigetreten ist, die sich freiwillig noch viel härtere Regeln gibt als international gefordert. Und die man gerade in Frankreich ausgesprochen unsympathisch findet.

Auch der neue Sieger kommt vom Sky-Team

Wegen der Langeweile im Fahrerfeld und wegen der Dopingvorwürfe. Die französischen Fans sehen eine Gefahr für ihr Denkmal und Nationalheiligtum, für ihre Tour de France. Die Folge: Pfeifkonzerte auf jeder Etappe. Leider führte das sogar bis hin zu tätlichen Angriffen auf die Fahrer, des Guten eindeutig zu viel.

Der neue Tour-Sieger, Froomes bester Helfer Geraint Thomas, ist bisher frei von solchen Verdächtigungen. Der erste walisische Gewinner der Geschichte überzeugte in den vergangenen drei Wochen. Unumstritten ein verdienter Erfolg. Sein Rezept: Er machte eigentlich keinen Fehler, er konnte sich vor allem darauf beschränken, seinen kleinen Vorsprung zu verwalten. Durch das Mannschaftszeitfahren und gute Platzierungen auf den ersten Etappen lag Thomas vor den Mitkonkurrenten, der Waliser musste verwalten und reagieren, aber selbst nie die große Attacke reiten.

Zwar hat sein Team das Feld nicht nur kontrolliert, sondern gerade in den Bergen die anderen Favoriten mit einer Armada von Helfern förmlich in Grund und Boden gefahren. Das hat man zuletzt bei den Mannschaften des überführten Lance Armstrong gesehen, der gerne am Schlussanstieg dann noch scheinbar mühelos den Konkurrenten Minuten-Rückstände verpasste und mit 10 Minuten Vorsprung in Paris ankam. Geraint Thomas gewinnt mit nicht einmal zwei Minuten Vorsprung vor Tom Dumoulin, der Großteil davon resultiert aus einem Defekt des Niederländers in der ersten Woche. Wenn das ein Zeichen für mehr Glaubwürdigkeit im Radsport ist, dann und nur dann strahlt das Siegertrikot von Geraint Thomas so richtig sonnig gelb.

Matthias Friebe (Deutschlandfunk – Aktuelles, freier Mitarbeiter)  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

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