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StartseiteEuropa heuteMilitärflughäfen in Zivil29.06.2017

Tourismus in PortugalMilitärflughäfen in Zivil

Portugal will den Tourismus im Land ankurbeln. Das Problem ist, dass manche Gegenden für Gäste nur schwer zu erreichen sind. Um bessere Reisemöglichkeiten für sie zu schaffen, sollen Militärflughäfen zur zivilen Nutzung umgebaut werden.

Von Oliver Neuroth

Die Basis Nr. 5 am Militärflughafen Monte Real mit einem Airborne Fire Fighter im Hintergrund. (imago/Global Images/Ricardo Graca)
Auf dem Militärflughafen bei Monte Real sollen künftig auch zivile Flugzeuge landen. (imago/Global Images/Ricardo Graca)
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Vor ein paar Wochen erst hatte der Militärflugplatz Monte Real hohen Besuch: Die Papst-Maschine landete Mitte Mai auf dem Airport - Franziskus besuchte die 100-Jahr-Feier der Marienerscheinung von Fátima. Das Heiligtum ist nur etwa 40 Autominuten vom Flugplatz entfernt - von Lissabon oder Porto aus ist der Weg mehr als doppelt so weit. Monte Real wäre deshalb der perfekte Pilger-Flughafen, meint Manuel Machado. Der Vorsitzende des portugiesischen Städterates fordert deshalb, dass dort nicht mehr nur die portugiesische Luftwaffe stationiert ist, sondern auch zivile Maschinen regelmäßig starten und landen:

"Im Moment gibt es in Portugal quasi zwei Flughafen-Pole: Südlich in Lissabon und nördlich in Porto. Die Landesmitte Portugals dagegen hat keine angemessene Flughafen-Infrastruktur."

 Mehr Mobilität für die Mitte des Landes

Für Machado ist klar: Allein durch den Religionstourismus von und nach Fátima würde sich ein ziviler Flughafen schon rechnen. Doch der Politiker will auch, dass Coimbra besser erreichbar ist - er ist nämlich der Bürgermeister der Universitätsstadt. Nach seinen Worten brauchen Studenten und Wissenschaftler gute Verbindungen:

"Wenn jemand eine Konferenz an der Uni Coimbra besucht und am selben Tag wieder weg muss, wäre das möglich. Und wenn er länger bleibt, gleich, umso besser!"

Denn auch touristisch hat die Region einiges zu bieten: Berühmte Klöster, Weltkulturerbe-Stätten und traumhafte Strände, die vor allem bei Surfern beliebt sind. Mit der Eisenbahn kommen sie nur schlecht dorthin, das Streckennetz Portugals ist veraltet, die Züge langsam.

 Investoren für den Umbau gesucht

Regionalpolitiker haben also starke Argumente für eine zivile Nutzung des Militär-Flughafens - doch sie stehen vor einem Finanzierungsproblem. Der portugiesische Staat kann sich den nötigen Umbau des Airports nicht leisten. Und die Europäische Union fördert keine neuen Regionalflughäfen mehr - nachdem im Nachbarland Spanien viele von ihnen rote Zahlen schreiben. Raul Castro, der Bürgermeister von Leiria, der zweitgrößten Stadt der Region, sucht deshalb einen privaten Träger:

"Wir müssen Investoren finden. Es geht um 20 Millionen Euro, oder auch etwas mehr. Genaue Zahlen liegen uns bisher nicht vor. Unser Ziel: Ein regionaler internationaler Flughafen, der der Region einen großen Nutzen bringen wird. Die richtige Lösung, um mehr Touristen hierher zu bringen."

"Das würde der Wirtschaft helfen"

Genau das würde auch Nelson begrüßen. Er betreibt ein Restaurant in Praia da Vieira, einem verschlafenen Fischerdorf an der Atlantikküste, ganz in der Nähe des Militärflughafens Monte Real. Der Ort könnte mehr Tourismus gebrauchen, doch ob der Flughafenplan wirklich umgesetzt wird, sieht Nelson skeptisch:

"Darüber wird schon so lange gesprochen. Die Leute hier hoffen, dass der Flughafen Wirklichkeit wird. Das wäre gut für die Entwicklung unserer Region. Viele Touristen kämen, das würde der Wirtschaft helfen."

In der Nähe von Lissabon wird ein Militärflugplatz bald zu einem zivilen Flughafen umgebaut - und soll den Hauptstadt-Airport entlasten. Die Bewohner der Landesmitte Portugals blicken deshalb etwas neidisch auf dieses Projekt. Doch sie haben auch Hoffnung: Wenn es erfolgreich läuft, stehen vielleicht auch die Chancen gut für den Umbau ihres Militärflugplatzes.

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