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StartseiteDeutschland heuteOhne ausländische Fachkräfte geht es nicht12.07.2019

TourismusbrancheOhne ausländische Fachkräfte geht es nicht

An Deutschlands Küsten gibt es beliebte inländische Urlaubsorte mit hohen Buchungsquoten. Allerdings fehlt es an Personal in Restaurants und Hotels. Die Tourismusbranche ist froh über engagierte Mitarbeiter. Branchenvertreter fordern ein Einwanderungsgesetz nicht nur für Hochqualifizierte.

Von Thorsten Philipps

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July 6, 2018 Polnischer Bademeister Adam Szawlinski an der Ostsee im Juli 2018 (imago / Michal Fludra)
Die Küsten sind beliebte Ferienziele, aber es fehlt an Personal in der Tourismusbranche. (imago / Michal Fludra)
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"Haben Sie noch einen Wunsch?" Adina Petrascu serviert Pizza und Brause im Ferienland in Weissenhäuser Strand. In der Ferienanlage an der Ostsee gibt es Appartements, ein Spaßbad, ein Abenteuerland und eigene Restaurants. Vor vier Jahren hat Adina Petrascu aus Herrmannstadt in Rumänien hier zwischen Fehmarn und Lübeck als Aushilfe angefangen – mit 18 Jahren. Inzwischen lebt sie hier und arbeitet das ganze Jahr. "Am Anfang war es schwer, aber jetzt ist ok", sagt sie.

Von den 500 Mitarbeitern hier ist sie eine von 120 Arbeitskräften aus Rumänien und verdient rund 1.800 Euro pro Monat. Ihre Kollegin Corinna Rösler kennt Adina Petrascu schon seit 4 Jahren. "Man konnte von Jahr zu Jahr zusehen, dass die deutschen Mitarbeiter das für den Lohn nicht mehr gerne machen den Job, und dadurch, dass Herr Depenau ja Verbindungen nach Rumänien hat und die meisten kommen sehr gut an hier aus Rumänien. Die machen ihre Arbeit fleißig, haben Spaß daran und das sieht man denen auch an und das freut uns dann auch. Weil hilft uns, wir müssen die Arbeit nicht mitmachen."

Rekrutierung aus aller Welt

David Depenau ist der Chef der Anlage. Gerade hat er 17 Millionen Euro in ein neues Schwimmbecken und für mehr Umkleidekabinen investiert. Damit er genug Fachkräfte hat, reist er inzwischen bis nach China. Ohne seine Fachkräfte aus dem Ausland könnte er den Ansturm im Sommer nicht schaffen, sagt Depenau.

"Schwierig ist es auch bei uns, zumindest nicht mehr so einfach wie früher. Die Lösung ist ein Mosaik aus verschiedenen kleinen Lösungen. Wir sind seit Jahren erfolgreich dabei in Rumänien Mitarbeiter zu casten. Wir haben aus Spanien 40 Mitarbeiter, wir sind jetzt in Gesprächen mit einem Arbeitsvermittler aus Indonesien, um dort Kräfte zu gewinnen. Ich war vor einigen Wochen in China und habe dort mit einer Branchenvereinigung Kooperationsverträge für duale Studien in Deutschland geschlossen, da werden diesen Herbst die ersten chinesischen Studenten nach Deutschland kommen. Es gibt kein Patentrezept, aber klagen tun wir auch nicht - wir tun dagegen.

Hochbetrieb auch im Spaßbad. Ein junger Mann versucht in einer Wildwasserbahn gegen den Strom zu schwimmen. Rettungsschwimmer Jan Leschkowski aus Polen greift ein, um einen Zusammenstoß im Wasser zu verhindern. "Das macht Spaß, ich bin erst seit zwei Wochen hier". Deshalb spricht der 20-jährige Pole auch noch kaum deutsch, er verständigt sich erst mal auf englisch. Über das Internet hat er von der freien Stelle an der Ostsee erfahren. Gerade jetzt zur Hochsaison, wenn die Ferienanlage ausgebucht ist, brauchen Arbeitgeber wie David Depenau Hilfskräfte aus dem Ausland. Der Arbeitsmarkt in Deutschland sei wie leergefegt, bestätigt auch Olga Nommensen, Sprecherin der zuständigen Agentur für Arbeit: "Aktuell haben wir 463 offene Stellen gemeldet, aber sicherlich könnten wir noch mehr Leute vermitteln, wenn wir die entsprechenden Fachkräfte hätten."

Einwanderungsgesetz nicht nur für Hochqualifizierte

In den Sommermonaten kommen fünf mal so viele Besucher wie beispielsweise im Januar. Das Meer lockt, auch wenn die Temperaturen nicht immer die 20 Grad Marke knacken. "Wir wollten erst nicht ins Wasser. Aber jetzt war es ganz schön." "Ja, es war sehr lustig." "An der Fischbude hat uns eine Polin bedient, die war sehr nett, hat viel gelächelt, war sehr freundlich einfach."

Natürlich muss David Depenau auch einige der Mitarbeiter wieder zurück in die Heimat schicken, so wie er auch bei den deutschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wieder einige hat, die nicht freundlich oder qualifiziert genug für den Job sind. Er wünschte sich mehr Unterstützung von der Politik.

"Eine konkrete Ausgestaltung des Einwanderungsgesetze so, dass die Branche die dringend benötigten Hände kriegen könnte, sie kriegt es nicht. Und alles was wir wissen, es sieht danach aus, dass sich das nicht ändern wird. Wir brauchen schlichtweg Hände, die Lust haben und die neuen Einwanderungsgesetze werden sich eher an Hochqualifizierte bsi Studierte wenden und das braucht die Branche nicht und das ist schade."

Nach dem heißen Sommer im vergangenen Jahr hoffen viele Urlauber nun auf eine Wiederholung. Das merkt man auch daran, dass die Unterkünfte für die Sommermonate deutlich früher ausgebucht waren als in den vergangenen Jahren. Die Auslastungsquote liegt in Urlaubsorten wie Weissenhäuser Strand, Timmendorfer Strand oder Grömitz bei über 90 Prozent. Jetzt hoffen alle in der Tourismusbranche, dass sie den Ansturm mit dem vorhandenen Personal schaffen können und in Zukunft noch mehr freundliche Ausländerinnen hier an der Küste arbeiten so wie Adina Petrascu: "Sie bekommen schon? Ja, danke!"

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