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StartseiteCorsoMit "moralischem Realismus" gegen hohe Ticketpreise13.07.2019

Tourneeveranstalter kritisiert KonzertmarktMit "moralischem Realismus" gegen hohe Ticketpreise

Einige wenige Großkonzerne würden heute den gesamten Konzertmarkt dominieren, sagte Tourneeveranstalter Berthold Seliger im Deutschlandfunk. Grund dafür sei die Verflechtung von Ticketing-Dienstleistern und Veranstaltern. Seliger fordert eine Trennung beider Bereiche.

Berthold Seliger im Corsogespräch mit Christoph Reimann

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Jubelnde Zuschauermenge beim 7. Electric Love Festival 2019 in Salzburg (www.imago-images.de (Yannick Bodemer))
Konzertgängern würden überhöhte Zusatzgebühren aufgezwungen, findet Berthold Seliger (www.imago-images.de (Yannick Bodemer))
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Das Veranstalten von Konzerten sei auch bei großen Stadiontourneen oft defizitär, sagte Berthold Seliger im Deutschlandfunk. Dieses Verlustgeschäft könne aber durch das Ticketing, also den Verkauf von Tickets, wieder profitabel gemacht werden. Grund dafür seien fragwürdige Zusatzgebühren. Der Anbieter CTS Eventim verlange für das Versenden von Tickets beispielsweise 4,90 Euro. "Da wird das große Geld verdient", so Seliger.

Der Markt werde mittlerweile von drei großen Konzernen bestimmt: Live Nation, CTS Eventim und Anschutz Entertainment Group, kurz AEG. Dies sei letztendlich auf den Neoliberalismus zurückzuführen, sagte Seliger. "Die Jahrzehnte des Missvergnügens, die wir durch diese Religion des Marktes hinter uns haben, ist auch dafür verantwortlich, dass es diese Konzentrationsprozesse im Musikgeschäft, im Konzertgeschäft gibt."

Berthold Seliger (Matthias Reichelt)Berthold Seliger (Matthias Reichelt)

Der "Marktreligion" müsse man einen "moralischen Realismus" entgegensetzen. Es spräche nichts dagegen, mit Konzerten Geld verdienen zu wollen. "Aber muss es immer ein Riesenprofit sein? Muss es vor allem ein Profit sein, der zu Lasten der Fans geht?"

Forderung nach einer Entflechtung am Markt

Berthold Seliger fordert eine Entflechtung von Ticketing-Anbietern und Konzertveranstaltern. Hier sei das Kartellrecht gefragt, so der Tourneeveranstalter und Autor. Vorbild hierfür könnten entsprechende Entwicklungen in den USA sein.

Großkonzerne belasteten auch die Rentabilität kleinerer Clubs, da sie ausschließlich am Geschäft mit Superstars interessiert seien. Die lokale Clubkultur müsse gefördert werden, sagte Seliger. Hier kämen die Künstlerinnen und Künstler her, die später Arenen füllten. Seliger schwebe ein "Kulturraumschutz" vor. Auch hier müsse die Politik reagieren, etwa mit der Begrenzung von zulässigen Mieten.

Berthold Seliger: Vom Imperiengeschäft: Wie Großkonzerne die kulturelle Vielfalt zerstören - edition Tiamat, 2019, 300 Seiten, 20 Euro.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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