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StartseiteKommentare und Themen der WocheOrganspende - pragmatische Lösung statt großer Debatte14.02.2019

TransplantationsgesetzOrganspende - pragmatische Lösung statt großer Debatte

Beim Thema Organspende habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die großen Fragen hintenanstellt und sich erst einmal auf das Machbare beschränkt, kommentiert Volkart Wildermuth. Gut so. Denn das Ergebnis seien viele kleine Veränderungen, die in der Summe die Situation erheblich verbessern könnten.

Von Volkart Wildermuth

Ein Mann in grüner OP-Kleidung trägt einen Styropor-Behälter für den Transport von Spenderorganen an einem Operationssaal vorbei. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Neue Strukturen für die Organspende: Der Bundestag verabschiedete nun das "Zweite Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes" (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
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Organspende, dieses Thema polarisiert. Kein Wunder. Es geht um den Tod und seinen genauen Zeitpunkt, es geht um Vertrauen in das Medizinsystem, es geht um das Leid der Menschen auf der Warteliste für Organe, immerhin knapp 10.000 in Deutschland. In anderen Ländern hätten sie bessere Chancen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist deshalb vorangeprescht, und hat die Widerspruchslösung vorgeschlagen. Die gilt etwa in Spanien und vielen anderen europäischen Ländern und dort stehen viel mehr Organe zur Verfügung. Bei diesem Modell gilt erst einmal jeder als Organspender, es sei denn er widerspricht. In Deutschland war der Aufschrei groß. Hier würden Menschen genötigt, Sterbende im Zweifel zur Organquelle reduziert. Eine Debatte hierzulande wohl ohne Aussicht auf Kompromiss.

Praktische Probleme gelöst

Deshalb ist es gut, dass Jens Spahn die großen Fragen hintenanstellt und sich erst einmal auf das Machbare beschränkt. Allzulage wurde hierzulande allein eine angeblich zu geringe Spendenbereitschaft für den Organmangel verantwortlich gemacht. Bequem für die Mediziner. Genauso wichtig sind aber praktische Probleme in den Kliniken, die im übrigen Länder wie Spanien bereits gelöst haben. Anders in Deutschland, wo längst nicht alle Organe transplaniert werden, die theoretisch zur Verfügung stünden. Ein Krankenhaus, das einen Spender meldet, hat damit zunächst einmal viel Arbeit und ja, auch Kosten. Den Erfolg, das gerettete Leben sehen die Ärzte aber nicht. Schließlich liegen diese Patienten meist in anderen Häusern. Hier beseitigt das neue Gesetz von Jens Spahn wichtige Hürden.

Die Transplantationsbeauftragen werden gestärkt. Sie sind das Verbindungsglied zwischen Krankenhaus und der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Bayern ist hier schon vorangegangen und konnte so tatsächlich die Zahl der Organspenden erhöhen. Die Entnahmekrankenhäuser erhalten auch mehr Geld und kleine Kliniken werden von speziell qualifizierten Ärzteteams unterstützt. Ein neues System der Qualitätssicherung soll helfen, Probleme schnell zu erkennen.

Pragmatik statt großer Debatte

Jens Spahn steht gern im Fokus der Aufmerksamkeit. Auf diesem wichtigen Gebiet hat er sich zurückgenommen, die große Debatte ruhen lassen und ganz pragmatisch nach Lösungen gesucht. Das Ergebnis ist eine Vielzahl kleiner Veränderungen, die in der Summe aber die Situation bei den Organspenden erheblich verbessern könnten. Wenn dann immer noch jedes Jahr tausend Menschen auf der Warteliste sterben, kann Jens Spahn auch gerne wieder die große Bühne betreten und die Widerspruchslösung diskutieren. Seine Hausaufgaben hat er ja bereits gemacht.

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