Donnerstag, 27.06.2019
 
Seit 10:00 Uhr Nachrichten
StartseiteInformationen am MorgenAbschied von Arnaud Beltrame 28.03.2018

Trauerakt in ParisAbschied von Arnaud Beltrame

Es war eine Tat von unvorstellbarer Größe: Der Polizist Arnaud Beltrame opferte sich bei einer Geiselnahme im Süden Frankreichs für das Leben einer Geisel. Jetzt erweist ihm das Land die letzte Ehre - mit einem großen, staatlichen Trauerakt.

Von Marcel Wagner

Blumen mit dem Portrait des bei einer Geiselnahme in Trébes getöteten Polizeibeamten Arnaud Beltrame liegen vor dessen Arbeitsplatz, der Gendarmerie in Carcassonne im Südwesten Frankreichs. (AFP / Eric Cabanis)
Der Polizeibeamte Arnaud Beltrame wurde bei einer Geiselnahme von dem Attentäter in Trébes getötet (AFP / Eric Cabanis)
Mehr zum Thema

Südfrankreich Macron: "islamistischer Terror"

Französische Studie Wie sich Muslime vom Terror distanzieren

In Paris findet an diesem Vormittag ein großer, staatlicher Trauerakt statt. Geehrt wird ein Polizist, Arnaud Beltrame, dessen Schicksal das ganze Land bewegt hat: Bei einem islamistischen Terroranschlag am vergangenen Freitag im Süden des Landes, hatte er sich selbst dem Attentäter ausgeliefert. Als Austauschgeisel für eine Frau. Die wurde dadurch gerettet. Beltrame von dem Terroristen schließlich ermordet.

Nicht nur Frankreich verneigt sich vor dieser heldenhaften Tat: Vor der Kaserne der Gendarmerie, in der Arnaud Beltrame stationiert war, liegen Blumensträuße auf dem Gehweg. Immer wieder kommen Menschen vorbei, bleiben stehen, legen neue dazu. Vielen hier ist es ein Bedürfnis, ihre Anteilnahme auszudrücken.

"Wir alle sind sehr berührt, das tut sehr, sehr weh, es ist schrecklich, einfach schrecklich", erzählt diese Passantin. Ein junger Mann senkt seinen Kopf vor dem Eingangstor: "Für das, was er für sein Vaterland, für Frankreich getan hat. Dieser Mann hat all meinen Respekt."

Auch Papst Franziskus sandte eine Botschaft

Die aufopferungsvolle Tat, die Arnaud Beltrame auf sich genommen hat, als er sich selbst im Austausch einem Terroristen auslieferte, sie hat hohe Wellen geschlagen. Selbst Papst Franziskus sandte an den Bischof von Carcassone, wo der Anschlag begonnen hatte, eine Botschaft. Er wolle ganz besonders die großherzige und heldenhafte Geste von Lieutenant-Colonel Arnaud Beltrame würdigen, der sein Leben hingegeben habe, um andere zu schützen, schrieb der Papst. Der Glaube spielte offenbar für den Polizisten eine große Rolle.

Der Glaube an Gott, vor allem aber der Glaube an die Werte der französischen Republik, sagte seine Mutter, Nicole Beltrame, bereits kurz nach dem Tod ihres Sohnes im Radiosender RTL: "Ich kenne Arnaud nur als so loyal, mutig, uneigennützig. Seit er ganz klein war, war er für andere da. Er hat oft gesagt: mein Vaterland, das kommt noch vor der Familie."

Ein vorbildlicher Polizist

Ihr Sohn hätte nicht gewollt, dass man tatenlos bleibt. Wenn sie nun spreche, so seine Mutter, dann nur "damit seine Tat dazu führt, dass wir etwas menschlicher, etwas toleranter werden. Für eine bessere Welt, wenn Sie so wollen."

In den vergangenen Tagen ist viel über Arnaud Beltrame berichtet worden. Seine Landsleute haben ihn als vorbildlichen Polizisten mit besten Abschlüssen kennengelernt, der als Fallschirmjäger bei einer Geheimmission im Irak bereits sein Leben riskiert hat, um eine Geisel zu retten. Der für seinen Mut Orden erhalten hatte. Der mehrere Jahre den Präsidentenpalast in Paris geschützt hat. Und schließlich wegen seiner Frau, die er am 9. Juni kirchlich heiraten wollte, in den vermeintlich ruhigen Süden gegangen ist.

"Er verkörpert die Republik, er ist ihr Abbild, ihr Körper, dieses Vorbild, dieser Mut, er beeindruckt mich und uns alle!", sagte Premierminister Edouard Philippe gestern bei einer Gedenkstunde im Parlament.

Heute nun hat die ganze Republik die Möglichkeit, Abschied von seinen sterblichen Überresten zu nehmen, bei einem Trauermarsch vom Pantheon bis zum Invalidendom. Dort wird Präsident Emmanuel Macron Arnaud Beltrame die letzte Ehre erweisen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk