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StartseiteKommentare und Themen der WocheMerkel und Putin sitzen in einem Boot19.08.2018

Treffen in MesebergMerkel und Putin sitzen in einem Boot

Die ständigen Angriffe von US-Präsident Donald Trump könnten Deutschland und Russland wieder enger zusammenbringen, kommentiert Hermann Krause. Nach Jahren ohne Besuche war Russlands Präsident Wladimir Putin dieses Wochenende auf Einladung Angela Merkels zu einem langen Gespräch auf Schloss Meseberg.

Von Hermann Krause

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Merkel und Putin sitzen auf Gartenstühlen im Park von Schloss Meseberg. (AP / Pool Sputnik Kremlin )
Gespräch bei Mineralwasser: Merkel und Putin im Park von Schloss Meseberg (AP / Pool Sputnik Kremlin )
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Es hat keine konkreten Ergebnisse gegeben, keine Vereinbarungen – aber dennoch: Das Treffen in Meseberg könnte eine Wende in den deutsch-russischen Beziehungen einleiten.

Auffallend ist, dass der einflussreiche russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow dem Treffen Weltbedeutung zusprach. Es habe sich nicht um einen Routine-Gipfel gehandelt, sagte er. Und die staatlich gelenkten russischen Medien widmeten Meseberg besondere Aufmerksamkeit. Mehrmals wurde live geschaltet.

Was zeigt: Der Kreml sucht verstärkt den Dialog mit Deutschland. Und umgekehrt ebenfalls. Schließlich war es die Kanzlerin, die einlud an einem Samstagabend – schon dies sehr ungewöhnlich.

Eine Chance, den Ukrainekonflikt zu lösen?

Was die Brückenbauer der deutsch-russischen Beziehungen in den letzten Jahren nicht schafften, er bekommt es hin: Der amerikanische Präsident wird Sanktionen verhängen gegen deutsche und russische Unternehmen, die an der Gaspipeline Nordstream 2 beteiligt sind. Donald Trump bringt Deutschland und Russland einander näher – eine wirklich kuriose Entwicklung.

Der US-Präsident will sein Fracking-Gas nach Europa verkaufen. Dabei sind ihm anscheinend alle Mittel recht. Der Sprecher Putins drückte es diplomatisch aus: Deutschland und Russland werden sich gegen rechtswidrige Angriffe Dritter – gemeint sind die USA – wehren. Wie das geschehen soll, ist noch nicht klar, aber das politische Signal ist eindeutig.

Und dies trotz aller weiterhin bestehenden Differenzen, die nicht unter den Teppich gekehrt werden dürfen. Putin hat Völkerrecht gebrochen; nach wie vor unterstützt er militärisch die Separatisten in der Ostukraine. Aber vielleicht ergibt sich nun die Möglichkeit, hier einen Weg zu finden zur Lösung dieses vier Jahre andauernden Konfliktes.

Russland zu isolieren, hat nichts gebracht

Seit Langem wird die Entsendung von bewaffneten UNO-Soldaten diskutiert als Friedenssicherer. Sollte Russland sich bewegen, würde die EU relativ schnell ihre Sanktionspolitik beenden. Auch die Aufkündigung des Iran-Abkommens durch Donald Trump wird von Putin und Merkel verurteilt. In vielen Bereichen sitzen beide nun in einem Boot.

Die Kanzlerin hat anscheinend erkannt, dass der Versuch, Russland zu isolieren, nichts gebracht hat. Putin hat sich andere Partner gesucht. Aber auch seine Hoffnung, mit Donald Trump den Wunschpartner ins Weiße Haus zu holen, ist gescheitert.

Weil russische Hacker den US-Wahlkampf beeinflussten, verabschieden Senat und Repräsentantenhaus ein Sanktionsgesetz nach dem anderen. Trump sieht sich gezwungen, diese zu unterzeichnen. Die anti-russische Stimmung in den USA ist enorm.

Russland hat seine eigene Sicht der Dinge. Putin für alles eine andere Version parat. Angela Merkel hat dies oft genug erlebt. Aber sie kennt den Kreml-Chef nun seit vielen Jahren und ist Realpolitikerin genug, um damit umgehen zu können.

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