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Treffen in MoskauErdogan und Putin sprechen über Wirtschaft und Syrien

Die Präsidenten Waldimir Putin (l.) und Recep Tayyip Erdogan im August 2016 (dpa / picture-alliance / EPA / Anatoly Maltsev)
Die Präsidenten Waldimir Putin (l.) und Recep Tayyip Erdogan im August 2016 (dpa / picture-alliance / EPA / Anatoly Maltsev)

Russlands Präsident Wladimir Putin empfängt heute den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan in Moskau. Vor einem Jahr befanden sich die Beziehungen am Tiefpunkt - heute teilen die Präsidenten einige wirtschaftliche Interessen, aber auch gemeinsame politische Gegner in Europa.

Dass die beiden autokratischen Staatsmänner derart eng zusammenarbeiten, war noch vor einem Jahr nur schwer vorstellbar. Nachdem die türkische Luftwaffe Ende November 2015 ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen hatte, befanden sich die Beziehungen beider Länder auf dem Tiefpunkt.

Nach Angaben der Türkei hatte das Flugzeug den türkischen Luftraum verletzt, nach russischer Darstellung befand es sich über syrischem Gebiet, wo es im Einsatz war. Putin reagierte wütend, verhängte Sanktionen wie ein Einfuhrverbot türkischer Lebensmittel und setzte die Reisen russischer Touristen in türkische Urlaubsgebiete praktisch aus. Doch diese Spannungen sind ausgestanden.

Russland will Gas ohne die Ukraine verkaufen

Erdogan beugte sich dem Druck und bat um Entschuldigung für den Vorfall. Seitdem ist die Kooperation beider Staaten wieder ist enger geworden. Daran änderte auch der Mord am russischen Botschafter in Ankara im Dezember nichts. Sowohl der Kreml als auch die türkische Führung geben an, dass Putin und Erdogan über zentrale Wirtschaftsprojekte beraten wollen.

Russland baut die Gaspipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer. Damit will das Land Gas über die Türkei weiter nach Südeuropa verkaufen - ohne den Umweg über die Ukraine gehen zu müssen, berichtet. Russland baut zudem das Atomkraftwerk Akkuyu in der Südtürkei.

Karte zu Erdgas-Pipelines aus Russland in die EU und die Türkei, geplante Pipeline Turkish Stream (picture-alliance / dpa-infografik) (picture-alliance / dpa-infografik)

Syrien - verschiedene Interessen, gemeinsame Angriffe

Russische und türkische Kampfjets nahmen nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zuletzt sogar gemeinsam Angriff mit Kampfflugzeugen in Syrien vor. Bemerkenswert ist die Zusammenarbeit in den komplexen Konflikt, weil Putin ein Unterstützer des syrischen Machthabers Baschar al-Assad ist, während Erdogan zu dessen Gegnern gehört.

Zudem geht die Türkei gegen kurdische Milizen in Syrien vor, während Russland den Kurden politisch den Rücken stärkt. Beide Länder haben aber mehrere Treffen der syrischen Regierung mit Oppositionellen in Kasachstan vermittelt. Ein weiteres ist am 14. und 15. März geplant.

Mit dem Iran gelten Russland und die Türkei als Garantiemächte für eine im Dezember vereinbarte Waffenruhe. Erst am Dienstag hatten zudem die Generalstabschefs der Türkei, Russlands und der USA in Antalya über Syrien beraten. Neben der Lage in dem Konflikt dürfte die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus ein Thema zwischen Putin und Erdogan sein.

Putin und Erdogan teilen Gegner in Europa

Beide Länder eint zudem gemeinsame politische Gegner in Europa. Das NATO-Mitglied Türkei entfernte sich in den vergangenen Monaten immer weiter von der EU, der sie zurzeit vor allem durch den Flüchtlingspakt verbunden ist. Aus Europa gibt es immer wieder Kritik an dem autokratischen Vorgehen Erdogans gegen freie Medien und die Opposition in der Türkei. Erdogan hatte in der Vergangenheit schon einmal eine Orientierung seines Landes in Richtung Russland und China ins Gespräch gebracht.

Angesichts der schlechten Beziehungen - vor allem zu Deutschland - könnte er auch diesmal bekräftigen, dass es aus seiner Sicht eine Alternative zu einer EU-Mitgliedschaft gibt. Der russische Politologe Alexej Obraszow sagt: "Der türkische Präsident ist vom Westen enttäuscht und sucht einen zuverlässigen Verbündeten. In Moskau sieht er so einen Partner." Kritik an der geplanten Verfassungsreform wie etwa aus Deutschland braucht Erdogan in Moskau kaum zu fürchten.

(nch/hba)

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