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StartseiteInformationen am MorgenAutobosse sehen Chance auf Zollverzicht05.12.2018

Treffen mit Trump in WashingtonAutobosse sehen Chance auf Zollverzicht

Die deutschen Autohersteller wollen mit großen Investitionen in den USA die Autozölle für US-Importe aus Europa verhindern. Die Manager von VW, BMW und Daimler gaben sich nach dem Treffen mit Trump optimistisch. Eine verbindliche Zusage bekamen sie aber offenbar nicht mit auf den Weg.

Von Thilo Kößler

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Das Bild zeigt Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Er spricht draußen vor wartenden Journalisten in Mikrofone. (dpa-bildfunk / AP / Evan Vucci)
Volkswagen-Chef Herbert Diess berichtete von "konstruktiven" Gespräche mit Donald Trump in Washington (dpa-bildfunk / AP / Evan Vucci)
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In einem Mix aus Einzelgesprächen mit dem amerikanischen Handelsminister und den Handelsbeauftragten des Weißen Hauses und einer gemeinsamen Begegnung mit Präsidenten Donald Trump berieten die deutschen Automanager in ausgesprochen konstruktiver Atmosphäre, berichtete VW-Chef Herbert Diess unmittelbar nach der Begegnung im Weißen Haus.

"Der Präsident hat natürlich eine dedizierte Haltung zu Europa und auch eine Erwartungshaltung. Und natürlich auch das Heft in der Hand mit diesen 25 Prozent Importzöllen. Aber in diesem Rahmen hatten wir sehr konstruktive Gespräche."

Dass es eine persönliche Begegnung mit dem Präsidenten gab, war ursprünglich gar nicht vorgesehen. Im Vordergrund stand auch in diesem etwa halbstündigen Gespräch das Bemühen der deutschen Autobauer, die Drohung Donald Trumps vom Tisch zu bekommen, auf Importe europäischer Autos Strafzölle in Höhe von 25 Prozent zu erheben. Mercedes-Chef Dieter Zetsche gab sich optimistisch und sprach von einer gewissen Beweglichkeit aufseiten des Präsidenten.

Investitionen in Millionenhöhe in den USA

Eine verbindliche Zusage bekamen die deutschen Automanager aber offenbar nicht mit auf den Weg – und dies, obwohl sie nachdrücklich deutlich gemacht hätten, dass sich die Rahmenbedingungen nicht verschlechtern dürften, wenn an weitere deutsche Investitionen in den Vereinigten Staaten gedacht ist. Dieter Zetsche:

"Wir haben in den Gesprächen klar gemacht, dass am Ende natürlich in Summe es Sinn machen muss, das heißt, der Weg den wir nach vorne bereit sind zu gehen, natürlich letztlich auch sicherstellen muss, dass die Rahmenbedinungen wie wir sie heute haben, nicht verändert und nicht verschlechtert werden. Das war klar gemeinsames Verständnis."  

Daimler, BMW und VW kündigten weitere Investitionen in Millionenhöhe in den USA an. BMW möchte ein zweites Werk errichten. Mercedes plant dem Vernehmen nach Investitionen in Höhe von 500 Millionen Dollar am Standort Tuscaloosa in Alabama. Am konkretesten wurde VW-Chef Herbert Diess.

"Wir sind ja in weit fortgeschrittenen Gesprächen mit Ford, die auch Ford deutlich stärken würde in Europa. Die auch zum Inhalt hat, dass wir hier auch mit Ford zusammen in den USA Autos bauen, auch Pick-ups. Wir sind in Gesprächen ein zweites Werk hier in den USA zu gründen." 

Handelsdefizit von rund 30 Milliarden Dollar

Schon vor dieser Begegnung hatte Handelsminister Wilbur Ross die Erwartungshaltung auf der US-amerikanischen Seite deutlich gemacht. Das Handelsdefizit bei Autos und Autoteilen mit Deutschland betrage rund 30 Milliarden Dollar, sagte er dem Sender CNBC. Das sei fast die Hälfte des gesamten Handelsdefizits mit Europa.

Besonders wichtig sei es dem Präsidenten, einen großen Teil der Produktion neuer Elektroautos in die Staaten zu bekommen.

Das Treffen der deutschen Autobauer mit dem Präsidenten im Weißen Haus ist als Versuch Donald Trumps gewertet worden, den Druck auf die europäische Seite durch eine Politik des Teilens und Herrschens zu erhöhen. So hatte es sowohl in Berlin als auch in Brüssel Kritik und die Ermahnung mit auf den Weg gegeben, dass Handelspolitik Sache der Europäischen Kommission und nicht Aufgabe einzelner Manager sei. VW-Chef Herbert Diess betonte in Washington, dass das Treffen selbstverständlich die Unternehmenspolitik zum Inhalt gehabt habe.

"Es ist auch abgestimmtes Vorgehen mit der Bundesregierung und auch mit der Frau Malmström. Von daher war es angemessen und wir haben es in maximaler Abstimmung mit den europäischen Behörden durchgeführt."

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