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StartseiteUmwelt und VerbraucherVerbot für einen gefährlichen Stoff04.08.2015

TriclosanVerbot für einen gefährlichen Stoff

Triclosan wirkt antibakteriell und geruchshemmend und wurde bis vor Kurzem in zahlreichen Kosmetika und Desinfektionsmitteln eingesetzt. Seit dem 31. Juli ist der Stoff teilweise verboten, da er sich giftig auf Mensch und Umwelt auswirken kann. Doch wer glaubt, dass er nun bedenkenlos zu Kosmetika, Zahnpasta und Nagelreiniger greifen kann, irrt.

Von Hilde Braun

Nagellackfläschchen mit verschiedenen Farbtönen (dpa / picture alliance / Arne Dedert)
Den Wissenschaftlern geht das Teilweise-Verbot in Kosmetika nicht weit genug (dpa / picture alliance / Arne Dedert)
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Den Namen kennt zwar keiner – aber fast jeder ist schon einmal mit Triclosan in Berührung gekommen. Seit Jahren wird es in Arztpraxen und Kliniken als Desinfektionsmittel genutzt. Zuhause kann der Stoff in Deos, Zahnpasta und Mundwassern stecken, in Schminke, Putzmittel oder Seife. Außerdem soll er verhindern, dass Sport- und Funktionstextilien oder Schuhe schlecht riechen. Das klingt alles gut, ist es aber nicht, sagt Frauke Stock, Diplom-Biologin beim Umweltbundesamt:

"Es ist so, dass Triclosan für die Umwelt sehr giftig ist, es wirkt auf sehr verschiedene Organismengruppen wie Fische, Wasserflöhe und Algen und das eben schon in sehr niedrigen Konzentrationen, wir sprechen da von Mikrogramm pro Liter Konzentrationen."

Seit 1972 ist die Substanz auf dem Markt. Erste gravierende Wirkungen wurden im Jahr 1998 entdeckt. Triclosan fördert nicht nur Antibiotika-Resistenzen. Der Stoff kann Allergien auslösen und den Hormonhaushalt durcheinanderbringen.

Unter Lichteinstrahlung kann er in eine giftige Dioxinverbindung umgewandelt werden. Damit nicht genug - belegen Studien. Kerstin Etzenbach-Effers ist Chemikerin und Expertin für Umwelt- und Gesundheitsschutz bei der Verbraucherzentrale NRW:

"Triclosan wurde zum Beispiel in Nabelschnurblut, in der Muttermilch und im Urin nachgewiesen und in Zellkulturen wurde auch die hormonelle Wirkung dieses Stoffes nachgewiesen zum Beispiel im Bereich der Schilddrüsenhormone."

Ein Gift, das bleibt

In Kläranlagen kann Triclosan nicht vollständig abgebaut werden und gelangt in Gewässer. So verbleibt der Stoff in der Umwelt, er ist schlecht wasserlöslich und kann im schlimmsten Fall in der Nahrungskette landen. So haben Forscher festgestellt, dass bei Messungen, die über das übliche Monitoring hinausgingen, die Konzentration der Chemikalie bis zum Zwölffachen des Wertes betrug, der für Algen ohne Wirkung wäre. Frauke Stock:

"Es ist schon so, dass wir denken, der Stoff ist als kritisch einzustufen und schon denken, dass es weitere Maßnahmen geben sollte, um den Stoff weiter zu regulieren und den Eintrag in die Umwelt weiter zu reduzieren und laut der REACH-Verordnung – der europäischen Chemikalienverordnung – wird eben gerade geprüft, ob der Stoff eben ein besonders besorgniserregender Stoff ist.
Und wenn sich herausstellen sollte, dass dem so ist, - da werden gerade Daten gefordert – dann sieht die EU-REACH-Verordnung auch eben direkt vor, dass solche Stoffe langfristig ersetzt werden, und das ist aus unserer Sicht auch sinnvoll diesen Weg zu gehen."

Das Verbot reicht nicht aus

Den Wissenschaftlern geht das Teilweise-Verbot in Kosmetika nicht weit genug. Verbannt wurde er nur aus Produkten, die großflächig aufgetragen werden, oder die lange auf der Haut verbleiben, wie zum Beispiel Körperlotionen oder Fußcremes. Der Bakterien-Hemmer befindet sich aber immer noch in genügend Produkten, wie Zahnpasta, Seife, Duschgel, Deorollern, Schminke oder Nagelreinigungsprodukten und eben als Biozid in Arztpraxen oder Krankenhäusern.

Wer Triclosan vermeiden möchte, greift am besten zu zertifizierter Naturkosmetik. Darin ist der Stoff komplett verboten. Sichergehen kann man aber auch mit einem Blick auf die Inhaltsstoffe, erklärt Verbraucherschützerin Kerstin Etzenbach-Effers:

"Und das Triclosan steht immer ganz hinten, weil es nur in geringen Mengen erlaubt ist. Also man muss sich nicht die ganze lange Liste – alle chemischen Namen – durchlesen, sondern schauen, ob so am Ende Triclosan steht."

Wer glaubt, mit besonders teuren Produkten Triclosan zu vermeiden, irrt, denn gerade in hochpreisigen Parfums haben Verbraucherschützer den Stoff gefunden.

"Wir waren jetzt auch noch mal in den Geschäften und wir haben es noch gefunden in Zahnpasten und merkwürdiger Weise in Deostiften namhafter Parfumhersteller, also in hochpreisigeren Deos, die man in Parfumabteilungen von Kaufhäusern oder entsprechenden Parfümerien bekommt. Die Restbestände von Produkten, aus denen Triclosan verbannt wurde, wie Körperlotionen, Fußcremes oder Deosprays durften nur bis zu 31. Juli verkauft werden."

Wer trotz des Verkaufsverbotes noch solche Produkte mit dem Stoff in der Zutatenliste entdeckt, sollte den Einzelhändler auf das neue Verbot hinweisen.

Bis alle Produkte mit Triclosan vollständig aus den Regalen verschwinden, werden Forscher weiter Alarm schlagen. Denn Triclosan steht nicht auf der Liste der Schadstoffe, die in Überwachungsprogrammen aufgenommen sind und regelmäßig europaweit kontrolliert werden.

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