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StartseiteCampus & KarriereViel Stress, zu viel Alkohol26.04.2017

Trinkende StudentenViel Stress, zu viel Alkohol

Studenten trinken oft mehr Alkohol als gleichaltrige Auszubildende. Die Gründe sind vielfältig: ein neues, weniger strukturiertes Leben, mehr Stress, hohe Ansprüche an sich selbst. In einem bislang einzigartigen Programm werden Studierende in Baden-Württemberg für das Thema Alkohol sensibilisiert.

Von Uschi Götz

Studierende in Greifswald trinken Bier. (dpa / Stefan Sauer)
Studierende / Alkohol: Ist ein Glas Bier am Tag noch im Rahmen? (dpa / Stefan Sauer)
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Alkohol Die geschützte Droge

"Ja, wenn dann getrunken wird, dann sehr eskalativ."

Semesterbeginn in Tübingen. Die Stimmung ist ausgelassen. Erstsemester werden auf mehrtägigen Partys begrüßt. Alkohol gehört von Anfang an dazu. Eine Medizinstudentin erinnert sich:

"Im Erstsemester war so eine Kennlernphase und so, dann hatte man halt ganz oft so Veranstaltungen, wo man sich getroffen hat. Und dann hat man schon öfters getrunken."

"Bei mir ist es mehr geworden im Studium, auf jeden Fall. Es wird schon viel getrunken, sag ich mal so. Aber es wird auch viel mit Köpfchen jetzt getrunken, sag ich mal so."

"Also Studierende trinken mehr und sie trinken anders als Gleichaltrige, die bereits im Berufsleben stehen."

Drei Jahre lang hat Professorin Marion Laging, Prodekanin an der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege an der Hochschule Esslingen, mit einem Forschungsteam ein Pilotprojekt umgesetzt. Im Mittelpunkt stand dabei ein Programm, das Studierende für das Thema Alkohol sensibilisieren soll. Die Projektergebnisse wurde zu einem Präventionsangebot weiterentwickelt. Hintergrund ist die Erkenntnis: Studieren ist für viele stressiger als bisher gedacht.

"Jetzt hat man erst mal erkannt, dass es auch eine Phase ist, die Belastungen unterliegt. Wir wissen erst seit kürzerer Zeit, dass Studierende in besonderem Maße als Risikogruppe gelten müssen, was den Alkoholkonsum angeht."

Viele Studenten setzen sich selbst unter Druck

Prüfungsvorbereitungen, Abschlussarbeiten, eigene Erwartungen: Viele Studenten setzen sich selbst unter Druck. Zur Entspannung wird oft getrunken, manche werden dabei abhängig und merken es zu spät:

"Ich habe mir schon Gedanken darüber gemacht. Mir haben auch schon Leute gesagt: Hey, wie wäre es, wenn du mal ein paar Wochen piano machst? Aber ich schaffe es immer wieder, davon wegzukommen und deswegen verharmlost das das immer wieder so."

Ist mein Alkoholkonsum bedenklich? Das zweiteilige Präventionsprogramm steht künftig Studierenden an fünf baden-württembergischen Hochschulen zur Verfügung. Wer wissen will, ob sein Alkoholkonsum bedenklich ist, macht online den eCHECKUP-GO-Alkohol.

Das Programm wurde in den USA entwickelt und evaluiert. Über 500 amerikanische Universitäten arbeiten mit dem Programm, das für deutsche Studenten leicht verändert wurde, so Marion Laging. Die voll automatisierte Onlinebefragung dauert etwa 20 Minuten:

"Es besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil ist eine Befragung, wo Studierende etwas über ihren Alkoholkonsum sagen, etwas über andere Faktoren, die auch belastend sein können, zum Beispiel die Herkunftsfamilie."

Ist mein Alkoholkonsum bedenklich?

Im zweiten Teil wird ausgewertet: Wo stehe ich? Ist mein Alkoholkonsum bedenklich? Das Programm informiert über gesundheitliche Folgen und gibt Tipps, wie Studenten Stress abbauen können, ohne Alkohol zu trinken.

Wer ernsthaft gefährdet ist, bekommt konkrete Hilfe angeboten. Das kann zum Beispiel die Zentrale Studienberatung sein oder eine Suchtberatungsstelle in der Nähe.

Wie viel Alkohol ein Mensch verträgt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Manche Mediziner raten zur völligen Abstinenz. Allgemein gilt: Relativ ungefährlich ist für Frauen täglich ein Glas Bier, das sind 0,3 Liter, Männer können das Doppelte vertragen. Allerdings: Zwei Tage in der Woche sollte auf Alkohol ganz verzichtet werden.

Zu dem bundesweit bislang einmaligen Suchtpräventionsprogramm gehört auch die Ausbildung sogenannter Peergroup-Beraterinnen und -Berater aus dem Kreis der Studierenden:

"Sie lernen Outreach-Aktionen durchzuführen, das heißt, sie machen niedrigschwellige Aktionen auf dem Campus, wo sie das Programm bekannt machen. Und auf die Art und Weise mit Studierenden ins Gespräch kommen zum Thema Alkoholkonsum."

Das Konzept wird zunächst an fünf baden-württembergischen Hochschulen eingeführt. Die Hochschule Esslingen übernimmt dabei die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung.

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