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StartseiteKommentare und Themen der WocheGleiche Bedingungen für alle hergestellt19.09.2019

Trisomie-BluttestsGleiche Bedingungen für alle hergestellt

Der Gemeinsame Bundesausschuss konnte gar nicht anders, als Trisomie-Bluttests in Einzelfällen als Kassenleistung anzuerkennen, kommentiert Christopher Jähnert. Die ethische Entscheidung, ob man ein Kind mit Down-Syndrom abtreiben will, müssen die werdenden Eltern treffen.

Von Christopher Jähnert

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Eine Medizinisch-Technische Assistentin hält eine Blutprobe zur Prüfung in die Höhe. (Picture Alliance / dpa / Patrick Seeger)
Mit einem Bluttest kann festgestellt werden, ob ein ungeborenen Kind einen Gen-Defekt in sich trägt (Picture Alliance / dpa / Patrick Seeger)
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Der Gemeinsame Bundesausschuss aus Kassen, Ärzten und Kliniken (GBA) hat entschieden – und zwar, wie es seine Aufgabe ist, wissenschaftlich-technisch. Ethik hat ausdrücklich keine Rolle gespielt. Die Frage war: Ist der Bluttest medizinisch gesehen eine Verbesserung oder nicht? Und tut er das, was er soll? Wenn ja, dann muss die Kasse den auch bezahlen. Und da gibt es eigentlich keinen Zweifel. Er ist definitiv ein Fortschritt. Zugelassen ist er sowieso schon länger.

Und das war ja das Problem: Wer ihn sich leisten konnte, der konnte ihn schon seit Jahren auf eigene Kosten durchführen lassen. Und war nicht angewiesen auf die deutlich riskantere Fruchtwasseruntersuchung – die die Kasse bisher ja schon zahlt, wenn es angebracht ist. Der Arzt entnimmt dabei mit einer Spritze eine Probe aus dem Bauch. Und kann Mutter und Kind dabei verletzen. Das Risiko einer Fehlgeburt liegt bei bis zu zwei Prozent. Beim Bluttest kann das nicht passieren.

Bundestag in der Pflicht

Also war bisher das Signal: Ihr könnt euch die paar hundert Euro nicht leisten? Tja, Pech. Dann müsst ihr wohl den gefährlichen Test machen. Den zahlt die Kasse ja. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat dem ein Ende gesetzt. Er hat aber auch Haltelinien eingezogen: Die Tests sollen nicht automatisch passieren, sondern wie bisher nur in begründeten Einzelfällen. Grundsätzlich müssen Kassen den Test aber bezahlen, wenn ein Arzt das für richtig hält und begründen kann.

Der GBA konnte also im Prinzip nicht anders entscheiden. Eine ethische Betrachtung steht ihm nicht zu. Aber: Der Chef des Gremiums, Josef Hecken, setzt da jetzt auf den Bundestag. Leider habe der noch keine Entscheidung getroffen, sagt er. Was er meint: Der Bundestag muss entscheiden, wie weit wir gehen wollen. Denn: Manche sprechen von einem Dammbruch oder einem Präzedenzfall und stellen die eigentliche Frage: Was wollen wir alles über ein ungeborenes Kind wissen? Denn testen kann man theoretisch ziemlich viel – von verschiedenen Krankheiten bis zur Haarfarbe.

Aber muss das sein? Und wenn ja: Wie gehen wir überhaupt mit Anderssein um? Vielleicht ist das ja die Grundfrage, die hinter allem steckt. Denn letztlich heißt das ja: Wenn man alles testet, was man testen kann, prüft man ja ein ungeborenes Kind auf Dinge ab, die man nicht haben möchte. Und dann? Abtreiben, wenn einem etwas nicht passt?

Niemand kann werdenden Eltern Entscheidung abnehmen

Zugegeben, das ist vielleicht ein bisschen extrem formuliert. Aber genau das passiert ja schon. Wenn Eltern die Nachricht bekommen, dass ihr Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommen wird, dann entscheiden sich die meisten gegen dieses Kind. Und das ist auch erst mal nicht zu kritisieren. Denn: Die Entscheidung - Abtreibung oder nicht - die muss jeder selbst treffen. Niemand kann werdenden Eltern diese Entscheidung abnehmen. Gründe gibt es viele. Manche trauen sich nicht zu, ein Kind mit Down-Syndrom aufzuziehen. Wieder andere haben Angst vor der finanziellen Belastung oder Diskriminierung.

Wie gesagt: Wir als Gesellschaft können diese persönliche Entscheidung nicht übernehmen, der Bundestag auch nicht und der Gemeinsame Bundesausschuss schon gar nicht. Er konnte mit der heutigen Entscheidung erst mal für ein Stück Gerechtigkeit und gleiche Bedingungen für alle sorgen. Und das hat er getan.

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