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StartseiteKommentare und Themen der WocheUS-Demokraten sehen mächtig alt aus09.02.2020

Triumph für TrumpUS-Demokraten sehen mächtig alt aus

Die Strategie der Demokraten, durch ein Amtsenthebungsverfahren das Ende von Donald Trump als US-Präsident einzuläuten, scheint genau das Gegenteil zu bewirken, meint Sebastian Hesse. Trumps Popularitätswerte kletterten auf Rekordhöhe - die Demokraten zerlegen sich derweil im Vorwahlkampf selbst.

Von Sebastian Hesse

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Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, zerreisst das Redemanuskript von Donald Trump. (picture alliance/dpa/CNP/Alex Wroblewski)
Rede zur Lage der Nation: Trump befeuert seine republikanischen Anhänger, Demokartin Nancy Pelosi zerreißt demonstrativ sein Redemanuskript (picture alliance/dpa/CNP/Alex Wroblewski)
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Was für eine Woche für den Präsidenten, den viele seiner zahlreichen Gegner schon am Ende sahen. Höhepunkt für Trump war natürlich der Freispruch im Amtsenthebungsverfahren. Sein Vorgehen in der Ukraine-Affäre wird ohne jede Konsequenz bleiben. In seiner aggressiven Genugtuungsrede am Tag danach betonte er wieder und wieder, dass er sich nichts habe zuschulden kommen lassen. Geschickt hatte er es schon während des Verfahrens verstanden, seinen Anhängern einzureden, dass der Impeachment-Angriff auch ihnen galt: Dass ihre Stimmen bei der Präsidentschaftswahl ungültig gemacht werden sollten. Die Demokraten sahen diese Woche mächtig alt aus - als Trump seinen Triumph mit viel Pomp auskostete.

Trump feiert sich - Pelosi reagiert kleinkariert

Am Dienstag hatte der Präsident seine Rede zur Lage der Nation als Wahlkampf-Show zur besten Sendezeit inszeniert. Üblicherweise soll diese jährliche Ansprache, zu der der Präsident ins Parlament eingeladen wird, Amerika zusammen bringen, das Wir-Gefühl im Lande erneuern. Trump dagegen teilte genussvoll gegen seine politischen Gegnern aus, adressierte gezielt nur die republikanische Seite. Seine Parteifreunde dankten es ihm mit stehenden Ovationen und lautstarken Rufen nach vier weiteren Jahren Trump. Seine Gegenspielerin Nancy Pelosi konterte Trumps Bruch mit der Konvention mit einer kleinkariert wirkende Geste: Sie zerriss etwas kindisch Trumps Redemanuskript. Die Demokraten sahen diese Woche mächtig alt aus - als Trump sich von der Parlamentsmehrheit und den zahlreichen Gästen hochleben ließ.

In der Rede zur Lage der Nation hatte Trump - wie bei seinen ständigen Wahlkampfveranstaltungen - die hervorragende Wirtschaftslage der USA als persönlichen Erfolg verkauft. Damit trifft er weit über den Kreis seiner Anhänger hinaus einen Nerv. Eine große Mehrheit der Amerikaner ist mit ihrer wirtschaftlichen Lage hochzufrieden. Die Zustimmungsrate zu Trumps Wirtschaftspolitik ist deutlich höher als Trumps persönliche Popularitätswerte. Und selbst die sind trotz all der Enthüllungen im Zuge des Amtsenthebungsverfahren auf Rekordhöhe gestiegen. Die Demokraten sahen diese Woche mächtig alt aus - schien ihre Strategie gegen Trump doch genau das Gegenteil des Beabsichtigten zu bewirken.

Republikaner geschlossen - Demokraten desolat

Ebenfalls kristallklar geworden ist in dieser Woche, wie geschlossen die Reihen der Republikaner sind. Bei Amtsantritt herrschte noch Skepsis in Teilen der Partei, ob der Quereinsteiger mit dem gewöhnungsbedürftigen Auftreten fit sei für den Top-Job. Diese Zweifel sind wie weggeblasen, seine Partei hat Trump zu einem Apparat an Erfüllungsgehilfen umfunktioniert. Die Opposition zerlegt sich derweil im Vorwahlkampf selber. Die Demokraten sahen diese Woche mächtig alt aus - voll damit beschäftigt, sich gegenseitig schlecht zu machen.

Und dann war da ja noch die Blamage von Iowa. Klar, gegen Technikversagen ist man nicht gewappnet. Und es waren ja auch nicht die Kandidaten, die eine Auszähltechnologie zum Einsatz gebracht hatten, die zuvor nicht getestet worden war. Schadenfreude, Spott, Kopfschütteln und Verzweiflungsseufzer richteten sich dennoch an die Adresse der gesamten Partei. Die Demokraten sahen diese Woche mächtig alt aus - schien die Panne von Iowa doch irgendwie ihren desolaten Gesamtzustand zu spiegeln.

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