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StartseiteHintergrundDer Wald als großes Schlachtfeld10.07.2019

Tropenholz aus KamerunDer Wald als großes Schlachtfeld

Der Tropenwald ist der große Reichtum Kameruns, aber auch Schauplatz erbitterter, zum Teil gewalttätiger Konflikte: Traditionelle Waldbewohner, Klima- und Tierschützer, staatliche Behörden und internationale Holzhändler streiten um die Nutzung des Waldes.

Von Anne-Francoise Weber

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Holzfäller bei der Arbeit im Regenwald in Kamerun (imago / David Woodfall)
Holzfäller bei der Arbeit im Regenwald in Kamerun (imago / David Woodfall)
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Das Sägewerk des Holzunternehmens Dino et Fils am Rande von Kameruns Hauptstadt Yaounde: Riesige Baumstämme kommen auf Lastwagen an und werden hier in Bretter gesägt. Der zweite Standort der Firma liegt weiter im Osten des Landes - dort finden sich auch die Tropenwälder, in denen das Unternehmen arbeitet, erklärt Flavie Nya, Assistentin der Direktion. Sie betont, dass es in Kamerun nicht möglich sei, einfach so Holz zu schlagen:

"Die Leute mögen denken, dass es eine übermäßige Waldnutzung gibt. Vielleicht ist es ein wenig mehr, als es sein sollte, aber der Staat versucht wirklich, das alles genau zu regeln. Außerdem sind wir verpflichtet, Aufforstung zu betreiben. Auf unserem Gelände im Osten des Landes haben wir eine Baumschule, um möglichst viele Baumarten zu erhalten. Wir haben einen Fachmann, der sich darum kümmert. Wenn die Bäume ein bestimmtes Alter erreicht haben, pflanzen wir sie in den Wald zur Aufforstung."

Rund 800 Angestellte hat das Unternehmen unter der Leitung eines Kameruners. Italiener sind als Aktionäre beteiligt. Der Großteil des Holzes wird exportiert, man sei aber dabei, die Nutzung der Holzreste zu optimieren, erklärt Flavie Nya und deutet auf die Verschalungen und die Möbel in ihrem Büro - alles Produkte des Hauses. Sie erklärt, wie ihr Unternehmen erst interessante Waldstücke sucht, dann den Antrag auf Nutzung stellt und schließlich eine Zufahrt baut und die Bäume markiert, bevor es ans Abholzen geht. Das sei wiederum streng kontrolliert:

"Wenn ein Lastwagen von hier in den Wald fährt, um Holz aufzuladen, dann muss er durch mindestens sieben Kontrollposten, auf dem Hin- und Rückweg. Bei den Mautstellen gibt es eine Waage für die Lastwagen. Wenn da ein Lastwagen kommt, der drei Tonnen Holz geladen haben sollte, aber tatsächlich mit 4,5 Tonnen aus dem Wald kommt, wird er sofort angehalten, denn das ist illegal. Zwar bleibt immer ein Restrisiko, aber es wäre sehr schwierig, in den Wald zu gehen und mit vier oder fünf Tonnen Holz rauszukommen, ohne bemerkt zu werden."

Im Griff der Holzwirtschaft

Die Strafen, die bei Verstößen anfielen, seien sehr hoch, sagt Nya. Sie scheint nicht zu wissen, dass sich im Internet ein Bericht zivilgesellschaftlicher Organisationen findet, der das Unternehmen Dino et Fils neben vier anderen Holzunternehmen der unrechtmäßigen Waldnutzung beschuldigt. Ihr seien keine Verstöße bekannt:

"Meines Wissens nach, und auch unseren Dokumenten und den Kontrollen nach, die wir hier hatten, gab es noch keinen Ärger in diese Richtung. Wenn es da ein Missverständnis gibt, sollen sie kommen und kontrollieren, dann zeigen wir alle Dokumente vor. Vielleicht lag mal ein Dokument nicht rechtzeitig vor, aber alles ist vorhanden."

Holztransporter auf einer Piste im Regenwald in Kamerun (imago / Michael Runkel)Nachschub für den Export: Holztransporter auf einer Piste im Regenwald in Kamerun (imago / Michael Runkel)

Bertin Dongo hat eine Ausbildung als Forstwirtschaftstechniker gemacht und schon an vielen Stellen im öffentlichen und privaten Sektor gearbeitet. Seine Erfahrung:

"Es gibt tatsächlich viele Kontrollen. Aber ich kann Ihnen ein Beispiel nennen: Ich habe einmal so eine Kontrolle durchgeführt. Da hat mir ein Chinese gesagt: Wenn Sie nicht annehmen, was wir ihnen anbieten, dann rufe ich Ihre Vorgesetzten in Yaounde an. Wollen Sie das? Und später ließ man uns noch wissen: Wenn Sie kein Geld annehmen und in Yaounde niemand ans Telefon geht, dann wird das Präsidialamt angerufen. Diese Leute haben überhaupt keine Dokumente. Der Mann fährt seinen Lastwagen hinterher, hat eine Plastiktüte mit Geld dabei und gibt bei jedem Kontrollposten, was er will. Er steigt aus, sagt: Nimm deinen Teil, und fährt weiter."

Die Menschen, die an den Kontrollposten arbeiten, würden eben nicht an das Allgemeinwohl denken, erklärt Bertin Dongo, sondern an sich selbst. Und nicht nur die Kontrollen im Land können so umgangen werden - manche würden auch die für den Export nötigen Papiere fälschen und so illegal geschlagenes Holz als angeblich zertifiziert ins Ausland schicken. Dabei gebe es durchaus Maßnahmen, die solche Praktiken verhindern können, glaubt Bertin Dongo, allen voran der FLEGT-Aktionsplan der EU. Er bekämpft illegalen Holzeinschlag durch Partnerschaftsabkommen - mit Kamerun wurde ein solches 2010 geschlossen. Doch es hängt an der Umsetzung:

"Man hat das FLEGT-Projekt begonnen - aber irgendwann wurde es in der Verwaltung völlig blockiert. Denn schon heute könnte man einen Baum im Wald beim Inventar identifizieren und seine GPS-Koordinaten aufnehmen. Man hätte auf dem Stammholz oder auf Holz, das aus dem Sägewerk kommt, einen Strichcode, der klar macht, aus welchem Wald das Holz kommt. Das will man nicht einführen, weil den Leuten, die vom bisherigen System profitieren, klar ist, dass damit viele Dinge nicht mehr möglich wären."

Armut und Korruption

Die Korruption reiche bis ganz nach oben, da ist sich Bertin Dongo sicher. Ganz unten stehen die, die im Wald wohnen und illegal abholzen - so wie er es früher auch getan hat. Der Hinweis darauf, wie wertvoll die Tropenwälder für das globale Klima sind, sei diesen Menschen egal, sagt er:

"Der Klimawandel wird niemanden im Dorf vom Holzschlagen abhalten. Denn es gibt eine himmelschreiende Armut. Deswegen sind die Anrainer bereit, ihren Wald zu verscherbeln, um für einige Zeit Essen und Trinken zu haben. Da müsste man Aufklärung betreiben. Aber das reicht nicht. So ein Mensch hat ein dringendes Problem: sein schlechtes Leben. Er würde gern anständig leben. Man sollte eher Projekte schaffen, die dieser Bevölkerung ermöglichen, selbst die Entwicklung voranzutreiben und sich selbst zu finanzieren - ohne von Holzprodukten zu leben. Oder wenn, dann unter Berücksichtigung der Vorschriften."

Ein staatlicher Mitarbeiter in Kamerun kontrolliert eine Holzfirma beim Fällen von Bäumen im Regenwald  (AFP / Delphine Ramond)"Korruption bis nach ganz oben" - staatliche Kontrollen von Holzfällern im Regenwald von Kamerun (AFP / Delphine Ramond)

Genau das versucht man in der Kommune von Dzeng zu erreichen - mit Unterstützung der deutschen Entwicklungshilfeorganisation GIZ. Dzeng liegt im Herzen Kameruns, rund 50 km östlich von der Hauptstadt Yaounde; 2010 hat die Kommune über 20.000 Hektar Wald vom Staat als Kommunalwald erhalten. Anfangs sei der Umgang damit schwierig gewesen, erklärt der stellvertretende Bürgermeister Jean Essama Enda:

"Seit sich die GIZ um uns kümmert, haben wir verstanden, dass wir mehr als nur Holz aus diesem Wald holen können. Die Bevölkerung war erstmal nicht begeistert, weil sie dachte, sie könne mit verschränkten Armen auf den Ertrag aus dem Holzverkauf warten. Jetzt haben die Leute erfahren, dass man auch durch kleine Projekte mit Nichtholzprodukten etwas dazu verdienen kann."

So wie Philomène Ongono Ayo. Sie zählt zu den zahlreichen Frauen, die Nichtholzprodukte aus dem Wald holen und verarbeiten - zum Beispiel die Djangsang-Pflanze. Sie hat gelernt, dass Djangsang sehr nährstoffhaltig ist und in der Medizin Anwendung findet. Außerdem kann das Öl auch für Kosmetikprodukte verwendet werden:

"Früher wussten wir das alles nicht und haben das alles vernachlässigt. Wenn wir damals Djangsang-Pflanzen in unserem Feld fanden, haben wir sie ausgerissen oder abgebrannt. Das tun wir heute nicht mehr. Wir essen oder wir verkaufen es. Nur gibt es keinen Ort, an dem wir das gut verkaufen können. Das ist das Problem."

Außerdem sei das Zerkleinern der Früchte langwierig und anstrengend, erzählt Ongono Ayo - sie hofft, dass sie dafür von den deutschen Entwicklungshelfern eine Maschine erhalten kann.

Die GIZ hilft auch dabei, den Ertrag aus dem Holzverkauf besser zu verwalten. Carola Jacobi-Sambou, die Landesdirektorin der GIZ in Kamerun, erklärt:

"Natürlich ist es nicht einfach, so eine Waldfläche zu managen. Gerade die Ressource Holz ist in so einem Land wie Kamerun sehr begehrt - es gibt tropische Hölzer, die einen großen Wert haben. Wir als GIZ haben hier eine planerische und eine vermittelnde Rolle, gerade bei diesen Interessenskonflikten."

Baka - die traditionellen Waldbewohner 

Dabei läuft in der Kommune von Dzeng mit der GIZ-Unterstützung schon vieles weitaus transparenter ab als anderswo. Und hier wollen die Anwohner zwar den Wald nutzen, sie sind aber nicht derart eng mit ihm verbunden wie Menschen vom Volk der Baka im Südosten Kameruns.

"Ich bin Baka. Ich bin ein Waldmensch. Und ich liebe meinen Wald."

"Wir sind im Wald geboren. Und wir gehören für immer hierher."

So präsentieren sich zwei Baka-Männer in einem Film des Cipca, eines Zentrums zum Erhalt des kulturellen Erbes in Kamerun. Auch Messe Venant gehört dem Volk der Baka an. Er hat Okani mitgegründet, eine Organisation zum Schutz dieser rund 50.000 Menschen umfassenden Volkgruppe, die man früher zu den Pygmäenvölkern zählte - eine Bezeichnung, die mittlerweile als diskriminierend gilt. Bis heute haben die Baka schlechten Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, mit anderen Volksgruppen ohne nomadischen Hintergrund stehen sie häufig im Konflikt.

Am Rande einer Konferenz für die Rechte indigener Völker erklärt Baka-Vertreter Venant, warum der Nationalpark von Lobéké im Südosten Kameruns ein besonderes Problem für die Baka ist:

"Es ist eine Gegend, die traditionell der Nutzung durch die Baka vorbehalten war. Da leben sie seit Jahrtausenden. Und bei der Einrichtung dieses Parks wurden die Baka nicht um ihre Zustimmung für die Schaffung einer Schutzzone gefragt."

Ranger bei der Tierbeobachtung im Lobéké-Nationalpark, Kamerun (mago images / imagebroker)Ranger bei der Tierbeobachtung im Lobéké-Nationalpark, Kamerun (mago images / imagebroker)

Der 1999 geschaffene Park von Lobéké zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Er ist Teil einer Naturschutzzone, die auch Teile der Zentralafrikanischen Republik und der Republik Kongo umfasst. Der Park allein erstreckt sich über 215.000 Hektar Land und ist umgeben von einer Pufferzone mit knapp 600.000 Hektar. Hier ist die Nutzung des Waldes durch Konzessionen stark reglementiert:

"Es gibt eigentlich drei Typen von Konzessionen. Das eine sind Konzessionen zum Bergbau, wo aber keine zumindest offiziell auch zum Abbau freigegeben ist, sondern es gibt eine Stelle in der Nähe des Parks, wo Prospektion für Gold betrieben wird. Dann gibt es Jagdkonzessionen, das sind größtenteils internationale Kunden, die dort Trophäenjagd betreiben. Und dann gibt es noch, als mit Abstand wichtigste Art, Forstkonzessionen, wo große Unternehmen Holz schlagen. Das ist kein Kahlschlag wie in anderen Regenwaldgebieten, weil sich das finanziell dort bisher lohnt, dort werden nur Edelhölzer rausgeholt, aber auch das in großem Maßstab. Also man sieht eigentlich die ganze Zeit Lkw mit großen Baumstämmen da rauskommen. Und wenn man sich ausrechnet, was da an Wert an einem vorbeifährt und was an Wert eigentlich vor Ort bleibt, wird man eher traurig."

Sagt Konstantin Engelbrecht. Er ist Teil einer Forschergruppe vom Seminar für Ländliche Entwicklung der Humboldt-Universität Berlin, die im Mai eine Studie über den Lobéké Nationalpark vorgelegt hat. Die Studierenden haben bei ihrer Feldforschung verschiedene Konflikte identifiziert - einer der wichtigsten und vor allem medial am stärksten beachteten ist der zwischen den Wildhütern des Parks und der Lokalbevölkerung.

Konflikte zwischen Baka und Wildhütern

Die Wildhüter sollen das illegale Jagen der Tiere - von Gorilla bis Elefant - verhindern. Dabei kam es in der Vergangenheit Menschenrechtsorganisationen zufolge immer wieder zu brutaler Gewalt gegen Baka-Leute, die der Wilderei verdächtigt wurden.

Samuel Nguiffo von der Naturschutz-Organisation CED legt Wert darauf, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen der illegalen Trophäenjagd von schwer bewaffneten Wilderern, hinter denen meist ausländische Auftraggeber stecken, und der Jagdweise der Baka:

"Für die lokalen Gemeinschaften ist das eine Überlebensstrategie. Sie haben das schon immer getan. Das Ausmaß ihrer Jagd muss die Schutzzone nicht bedrohen. Darüber müsste man reden. Aber es gibt immer wieder Gewalttaten der Parkhüter gegen die lokale Bevölkerung, weil sie die Schwächsten sind. So nehmen sie es wahr. Die großen Wilderer sind organisiert und werden manchmal von den Behörden geschützt. Das schafft den Eindruck der Ungerechtigkeit und den Eindruck, es gehe nicht um den Schutz des Parks, sondern um die Unterdrückung der Lokalbevölkerung. Vor allem, wenn man neben einer Schutzzone ein Gelände für Jagdsport findet, wo Menschen gegen Zahlung jagen dürfen - vor den Augen der gleichen Wildhüter, die die Bauern festnehmen, wenn sie diese beim Jagen erwischen. Das ist völlig unverständlich."

Es gibt zwar in der Pufferzone auch Waldstücke, die der Lokalbevölkerung zur Verfügung gestellt sind. Aber manche davon sind an Safari-Betreiber oder Holzunternehmer verpachtet. Und die Grenzen all dieser Zonen zu beachten, fällt schwer - zumal angesichts des starken Bezugs der Baka zum Wald, wie Messe Venant erklärt:

"Im Kopf der Baka gilt: Das ist meine natürliche Umgebung, hier kann ich mich frei bewegen und die Ressourcen sammeln, wie ich will."

Kamerun: Angehöriger der indigenen Volksgruppe der Baka (AFP / Nabila el Hadad)Angehöriger der indigenen Volksgruppe der Baka in Kamerun: "Meine natürliche Umgebung" (AFP / Nabila el Hadad)

Immerhin wurde im Februar 2019 nach jahrelangen zähen Verhandlungen eine Vereinbarung zwischen dem Forstministerium und den Baka geschlossen. Victor Amougou von der lokalen Entwicklungshilfe-Organisation CEFAID hat an der Ausarbeitung mitgewirkt. Er hält die Vereinbarung für einen wichtigen Schritt, denn:

"Die Baka werden frei in den Wald gehen können, auf der Grundlage eines Arbeitsplans, den sie selbst erstellen und dann veröffentlichen. Darin sagen sie dem Ministerium, dass sie in diesem Jahr dieses und jenes im Wald tun werden. Die Regierung wird verstehen, dass sie die Baka dann an dieser Stelle nicht stören darf. Und die Baka werden Eindringlinge, die vielleicht illegal jagen wollen, melden."

"Früher hat das Wachpersonal es häufig nicht gern gesehen, wenn die Baka in den Park kamen, um bestimmte Ressourcen zu holen. Mit diesem neuen offiziellen Rahmen werden die Konflikte, die es bislang gab, sicherlich abnehmen."

So schätzt es Théophile Zognou ein. Er ist der Geschäftsführer der Stiftung FTNS, die für die Nationalparks der Sanga-Region in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und der Republik Kongo zuständig ist. Der Baka Messe Venant hält dagegen nichts von dem neuen Abkommen:

"Diese Personen, die die Vereinbarung mit dem Forstministerium unterschrieben haben - wen vertreten sie? Sie sind nicht legitimiert und sie vertreten niemanden. Die haben nun eine Vereinbarung unterschrieben, die gleich drei Nationalparks betrifft. Das schreibt die Unterdrückung der Baka durch die Stiftung TNS und die Forstverwaltung fort. Die Baka-Gemeinden wissen nicht einmal, dass es eine Vereinbarung gibt, die ihnen vorschreibt, wie sie den Wald zu nutzen haben. Vor den Fernsehkameras wurde applaudiert, dass die Baka eine Vereinbarung unterschrieben haben. Für mich ist das absurd - deswegen wollen wir das Thema immer wieder ansprechen."

Klimaschutz contra Wirtschaftsaufschwung

Auch internationale Bemühungen um Naturschutz und gegen den Klimawandel spielen eine Rolle. Viele Menschen in Kamerun hätten den Eindruck, dass der globale Norden die Länder des Südens dazu zwänge, seine Wälder zu schützen, um die CO2-Emissionen des Nordens auszugleichen, sagt Henrice Stöbesand von der Forschergruppe der Humboldt-Universität:

"Diese Vorwürfe haben wir in vielen Gemeindetreffen immer wieder gehört: Wieso müssen wir hier diesen Wald schützen, während ihr selbst eure Wälder nicht schützt? Das ist auch ein Konflikt von wirtschaftlicher Entwicklung auf der einen und Naturschutz auf der anderen Seite, der von den Menschen vor Ort - natürlich, da sie in extremer Armut leben - ganz krass wahrgenommen wird."

Nebel über einer Lichtung im Regenwald, Lobéké-Nationalpark / Kamerun (imago images / imagebroker)Nebel über einer Lichtung im Regenwald des Lobéké-Nationalparks (imago images / imagebroker)

Teile der Pufferzone um den Lobéké-Park wurden in den vergangenen Jahren zu CO2-Speicherzonen für den internationalen Emissionshandel erklärt. Dem stehe die Bevölkerung grundsätzlich positiv gegenüber, erklärt Stöbesand, da es hier immerhin Ausgleichszahlungen geben soll. Bisher allerdings sei noch kein Geld angekommen.

Ein Staat, der aus der Waldnutzung Einnahmen erzielen will, Holzunternehmen, die Profit suchen, Touristen, die Wildtiere beobachten oder erlegen wollen, Wilderer, für die nur das Geld zählt, Anwohner, die sich ein besseres Leben erhoffen, Waldbewohner, die ihre traditionellen Praktiken nicht aufgeben möchten und Tier- und Klimaschützer, die für den Erhalt des Waldes kämpfen - angesichts all dieser unterschiedlichen Interessen ist Samuel Nguiffo von der kamerunischen Naturschutz- und Entwicklungshilfeorganisation CED besorgt:

"All diese Akteure haben bisweilen sehr entgegengesetzte Perspektiven und der Wald wird zu einem großen Schlachtfeld. Das erleben wir zurzeit: die Spannung zwischen lokalen und globalen Interessen. Der Kampf gegen den Klimawandel ist zunächst ein globales Interesse, zwar auch ein lokales, aber er wird anders wahrgenommen von den Menschen in den Dörfern als von den Diplomaten, die sich auf internationaler Ebene zusammensetzen und über die Zukunft des Waldes entscheiden wollen. Wirtschaftliche und ökologische Interessen, soziale und kulturelle – wie kann man diese Interessen versöhnen? Das scheint mir die wahre Herausforderung zu sein, eine noch ungelöste Gleichung - in Kamerun und im ganzen restlichen Kongobecken."

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