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StartseiteInformationen am MorgenVW legt Rekordzahlen vor13.03.2018

Trotz DieselskandalsVW legt Rekordzahlen vor

VW glänzt mit seinen Geschäftszahlen - trotz des Dieselskandals und fragwürdiger Abgasversuche. Die Umsätze sind 2017 um gut sechs Prozent auf 230 Milliarden Euro gestiegen, der Gewinn nach Steuern lag bei 11,4 Milliarden Euro. Baustellen hat der Autobauer aber dennoch reichlich.

Von Alexander Budde

Beleuchtete Büros sind am 06.12.2016 im Verwaltungshochhaus auf dem Gelände vom VW-Werk in Wolfsburg (Niedersachsen) zu sehen.  (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
Die Umsätze bei VW sind 2017 um gut sechs Prozent auf 230 Milliarden Euro gestiegen (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
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Allen bösen Schlagzeilen um betrügerische Manipulationen und fragwürdige Abgas-Versuche mit Affen zum Trotz – Volkswagen darf weiter auf die Treue seiner Kunden vertrauen. Im vergangenen Jahr hat der Autobauer unterm Strich einen Gewinn von rund 11,4 Mrd. Euro eingefahren – und übertrifft mit seinem operativen Ergebnis sogar frühere Erfolge vor Ausbruch der Diesel-Krise.

Weltweit mehr als zehn Millionen ausgelieferte Fahrzeuge - doch ohne den Blick nach Fernost könnte der Zwölf-Marken-Konzern nicht glänzen – jeder zweite VW wird in China gebaut.

Volkswagen legt Jahreszahlen für 2017 vor

"China läuft einfach rund - und im Rest der Welt scheint der Kunde dem Volkswagen-Konzern den Dieselskandal zu verzeihen."

So wertet Frank Schwope, Autoanalyst der Nord LB, die bereits bekannten Zahlen. Bei der Pressekonferenz heute in Berlin wird es viele Fragen zum detaillierten Geschäftsbericht und zum Abschneiden der einzelnen Konzerntöchter in den Märkten geben. Als weiteres Thema drängen sich die drohenden Fahrverbote für ältere Dieselautos auf.

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, auf einer Hauptversammlung in Wolfsburg. (imago / localpic)Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, auf einer Hauptversammlung in Wolfsburg. (imago / localpic)

VW-Konzernchef Müller fiel zuletzt mit Denkanstößen auf, die Kollegen aus der Branche irritieren: Mal wirbt er für den schnellen Abschied von Dieselsubventionen und fordert neue Kaufanreize für den Umstieg aufs Elektro- oder Erdgasauto - mal liebäugelt er in Interviews mit der blauen Plakette, um vermeintlich saubere Autos von schmutzigen unterscheiden zu können. Die Forderung, sogenannte technische Nachrüstungen schnell umzusetzen und auch die Kosten zu übernehmen, weist Müller mit Inbrunst zurück:

"Wir haben in Amerika etwa 25 Milliarden bezahlen müssen, also wir können nicht noch mal 17 Milliarden für Hardware-Umrüstungen bezahlen – das geht einfach nicht", sagte Müller vor einigen Tagen in einer Diskussionsrunde beim Lobbyverband VDA.

Trump droht mit Strafzöllen

Der US-Präsident droht den Herstellern deutscher Premiumautos mit Strafzöllen. Sollte Trump seine Drohung wahr machen, wären auch die renditestarken VW-Töchter Porsche und Audi mit sinkender Nachfrage bei steigenden Preisen konfrontiert.

Konkreter sind allerdings die Spekulationen um einen bald anstehenden größeren Konzernumbau. VW könnte die Lastwagensparte um MAN und Scania auslagern und an die Börse bringen. Analyst Schwope bezweifelt jedoch, dass ein überstürzter Börsengang im Interesse der Aktionäre ist.

"Es hört sich an, als ob beim Lkw-Geschäft bei Volkswagen sich wirklich was tut, eine Umstrukturierung könnte wirklich bevorstehen. Aber ich glaube, man muss erst mal die Hausaufgaben machen. Man muss die Lkw-Marken Scania und MAN auf gleiche Module umstellen, ähnlich wie im PKW-Bereich bei Volkswagen. Erst wenn solche Hausaufgaben getan sind, und wirklich Einsparungen im Milliarden-Bereich stattfinden, lohnt sich meines Erachtens aus Aktionärssicht auch ein Börsengang dieser Trucks."

Mit dramatischen Verkündungen in der Sache ist heute nicht zu rechnen. Vor einem möglichen Börsengang muss die Führungsspitze um Müller einige Hürden nehmen. Der Betriebsrat zum Beispiel will einem Börsengang nur dann zustimmen, wenn die vereinbarten Arbeitsplatzgarantien Bestand haben und wenn die Mitbestimmungsrechte auch in der neuen Rechtsform gewahrt bleiben.

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