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StartseiteForschung aktuellTrüffelsuche im Dienste der Wissenschaft12.09.2012

Trüffelsuche im Dienste der Wissenschaft

Botaniker erforscht die Zweckgemeinschaft zwischen Baum und Trüffelpilz

Gourmets fahren weit und zahlen viel für Trüffel. Aus ganz anderen Motiven interessiert sich auch ein Forstbotaniker der Universität Freiburg für die unterirdisch wachsenden Pilze, die in Deutschland unter Naturschutz stehen. Seit einigen Jahren erforscht er Vorkommen und Verbreitung der Trüffel in Deutschland.

Von Ulrike Mix

Trüffel in einem Korb (AP)
Trüffel in einem Korb (AP)

Diana ist aufgeregt. Die weiße Hündin mit den braunen Flecken ist ein italienischer Trüffelhund - und soll die schwarzen Knollen erschnüffeln.

"Diana komm, such, such, auf geht's, komm. Wo ist Tartufo?"

Ihr Besitzer, Ludger Sproll, geht mit der Hündin einen schmalen Pfad entlang an einem Waldrand in der Nähe von Freiburg.

"Hier ist ein bekannter Platz, den wir schon seit geraumer Zeit beobachten. Eigentlich ist es eine gute Trüffelstelle, aber es ist noch sehr früh im Jahr für die Trüffelsaison. Schauen wir mal weiter."

Ludger Sproll ist Hobbypilzsucher und hat das Trüffelsuchen in Italien gelernt. Seit sechs Jahren erkundet er zusammen mit dem Forstbotanik-Doktoranden Ulrich Stobbe Trüffelvorkommen in Süddeutschland. Und an der Stelle, die Diana gerade abschnüffelt, stimmt laut Ulrich Stobbe alles:

"Wir haben hier die Wirtsbäume, die es braucht: also Eichen, Buchen, Haselnüsse. Und wir haben sehr kalkhaltigen Boden hier. Und deswegen sind wir hier auf der Suche."

Seit den 50er-Jahren stehen Trüffel in Deutschland unter Naturschutz und dürfen nur mit Ausnahmegenehmigung gesucht werden. Jetzt haben Ulrich Stobbe und Ludger Sproll zum ersten Mal ihre Verbreitung erforscht.

Diana fängt an zu graben.

"Ich sehe ihn schon. Der ist natürlich erst mal genauso braun wie die Erde, aber mit geübtem Blick erkennt man schon diese Warzenstruktur."

Die Knolle ist die Frucht des Trüffelpilzes. Der Pilz selbst ist ein unterirdisches Geflecht aus Myzelfäden. Die Fäden umspinnen die Wurzelenden der Wirtsbäume, erklärt Ulrich Stobbe. So entsteht eine Zweckgemeinschaft zwischen Baum und Pilz.

"Der umwächst die Wurzel, wächst quasi in die Erde noch raus und vergrößert so die Oberfläche der Baumwurzel, sodass er in der Lage ist, mehr Wasser und Nährstoffe aufzunehmen, als es die Baumwurzel ohne den Pilz könnte. Das heißt, das ist der Vorteil für den Baum, durch den Pilz mehr Wasser aufnehmen zu können. Und im Gegenzug bekommt der Pilz vom Baum wichtige Kohlenhydrate, die er für sein Wachstum braucht."

Ludger Sproll zieht Diana zur Seite, damit sie die Trüffel beim Graben nicht verletzt. Er fördert aus dem lehmigen Boden einen Burgundertrüffel zutage. Sie galt als nahezu ausgestorben, Ulrich Stobbe und Ludger Sproll entdeckten sie jedoch an zahlreichen Stellen. Sie ist offenbar am besten an das süddeutsche Klima angepasst, wächst sowohl an warmen Südhängen als auch an kühlen Nordhängen.

Insgesamt haben die beiden Forscher an 121 Orten in Baden-Württemberg sieben Trüffelarten nachgewiesen: im milden Klima der Rheinebene, aber auch auf der Schwäbischen Alb auf bis zu 850 Meter Höhe. Darunter sogar zwei, die laut Ulrich Stobbe als ausgestorben galten: die Teertrüffel und die Großsporige Trüffel.

"Wir haben vor allem nachgeschaut, welche Trüffelarten hier in Süddeutschland vorkommen und wie weit verbreitet sie sind. Und dann haben wir versucht, die Standorteigenschaften zu charakterisieren, die sie brauchen."

Es zeigte sich: Der Boden ist entscheidend. Ohne Kalkboden mit einem pH-Wert von mindestens 7 keine Trüffel. Trüffelarten, die im Mittelmeerraum beheimatet sind, wie die Schwarze Sommertrüffel, brauchen viel Wärme. Deshalb glauben die Freiburger Forstbotaniker, dass der Klimawandel die Verbreitung der Trüffel in Deutschland begünstigen könnte. Der anpassungsfähigen Burgundertrüffel würde etwas mehr Wärme wohl nicht schaden - den Arten aus dem Mittelmeerraum dagegen würde sie nutzen. Doch selbst wenn es künftig mehr Trüffel in Deutschland geben sollte - sollte man sie weiterhin schützen, meinen die Forscher, denn sie bleiben trotzdem eine Seltenheit.

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