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StartseiteInformationen am MorgenAuftritt unter Gleichgesinnten05.05.2018

Trump bei der NRAAuftritt unter Gleichgesinnten

Beim Treffen der National Rifle Association ließ sich der US-Präsident genau 38 Minuten Zeit, bis er auf das Schulmassaker von Parkland Mitte Februar zu sprechen kam. Dabei wurde deutlich: Von der damals versprochenen Waffenreform ist nichts übrig geblieben - vielmehr machte Trump sich für das Tragen von Waffen stark.

Von Thilo Kößler

US-Präsident Donald Trump bei seiner Rede vor der NRA-Jahresversammlung in Dallas, Texas (AFP /  Nicholas Kamm)
US-Präsident Donald Trump bei seiner Rede vor der NRA-Jahresversammlung in Dallas, Texas (AFP / Nicholas Kamm)
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Ein Heimspiel für Donald Trump: Inmitten der krisenhaften Zuspitzung der Ermittlungen gegen den Präsidenten selbst und sein unmittelbares Umfeld, aber auch unter massivem Druck in der Affäre um die Pornodarstellerin Stormy Daniels gönnte sich Donald Trump vor der NRA einen Auftritt unter Gleichgesinnten. Trump zeigte dabei in Dallas unverhohlen die Attitüde eines Wahlkämpfers. Obwohl sich seit dem jüngsten Schulmassaker von Parkland am 14. Februar die öffentliche Meinung stark in Richtung verschärfter Waffengesetze gedreht hat, machte sich Donald Trump für die Forderungen der Waffenlobby und die Rechte des zweiten Verfassungszusatzes stark: Die National Rifle Association, die als die politisch mächtigste und finanziell stärkste Lobbygruppe in den USA gilt, bezeichnete Trump als Interessengruppe großartiger Patrioten, die sich für die Freiheitsrechte aller Amerikaner stark mache.

Johlendes Publikum

In der aufgeheizten Debatte um eine Verschärfung der Waffenrechte sei ihm von politischen Beratern nahegelegt worden, auf einen möglicherweise umstrittenen Auftritt vor der Jahresversammlung der NRA zu verzichten. Er habe ihnen entgegenhalten: "Tschüss, Freunde, ich muss zum Flugzeug." Johlen im Publikum.

Trump feierte sich zunächst als erfolgreichster Präsident der jüngeren amerikanischen Geschichte, machte sich über die Ermittlungen in der sogenannten Russland-Affäre lustig und mokierte sich über die Hexenjagd, die man gegen ihn veranstalte. Erst nach 38 Minuten kam er auf das Schulmassaker von Parkland zu sprechen: Damals, nach dem 14. Februar, hatte Donald Trump eine Verschärfung der Waffengesetze versprochen, bis er nach Gesprächen mit NRA-Offiziellen wieder auf deren Kurs einschwenkte. Dennoch griff Trump das Versprechen von damals auf und behauptete, es gehalten zu haben: Er habe gefordert, dass etwas unternommen werden müsse - und es sei etwas geschehen.

Waffenfreie Schulen eine "Einladung an Feiglinge"

Die damals versprochene Waffenreform ist gleichwohl ausgeblieben: Weder wurde das Alter für erlaubten Waffenbesitz heraufgesetzt, noch wurden halbautomatische Waffen und das entsprechende Zubehör für die vollautomatische Aufrüstung verboten. Noch nicht einmal der Erwerb von Waffen in Hinterhofmessen oder über das Internet wurde eingeschränkt. Dennoch stellte Donald Trump seine Reaktionen als politischen Durchbruch dar: Erneut schloss er sich der Forderung der NRA nach wehrhafteren Schulen an, erneut plädierte er dafür, Lehrer mit Waffen auszurüsten - dies, obwohl Lehrerverbände und Schülervertreter sich vehement gegen diese Initiative der NRA wehren, die sich Trump zu eigen gemacht hat. Wir brauchen geeignete Lehrer und Sicherheitskräfte, forderte Trump, die ihre Waffen versteckt in den Schulen tragen sollen

Und er sprach sich erneut dagegen aus, Schulen zu waffenfreien Zonen zu erklären: Das sei eine Einladung an Feiglinge, erst recht in die Schulen einzudringen.

Trump widersprach der These, dass strenge Waffengesetze die Gewalt eindämmen könnten - und nannte dafür Paris als Beispiel. Hätte bei den Terroranschlägen der jüngsten Vergangenheit dort jemand eine Waffe gezückt und auf die Terroristen geschossen, hätte man sie in die Flucht schlagen können, behauptete Trump

Die Jahresversammlung der NRA in Dallas wird am Samstag  fortgesetzt. Angekündigt sind etliche Gegendemonstrationen, unter anderem von Eltern, Lehrern und Klassenkameraden der in Parkland erschossenen Schulkinder.

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