Donnerstag, 22.08.2019
 
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Trump-Besuch bei KimGefährliche Show

Nach jahrzehntelanger Feindschaft beider Länder hat Donald Trump als erster amtierender US-Präsident nordkoreanischen Boden betreten. Die Treffen dienten nur der medialen Inszenierung, kommentiert Philipp May. Auch mit dem Iran würde so etwas nicht funktionieren.

Von Philipp May

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Donald Trump schüttelt die Hand von Kim Jong Un. (dpa / AP Photo / Susan Walsh)
Donald Trump trifft Kim Jong Un. (dpa / AP Photo / Susan Walsh)
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Das waren wieder Bilder, ganz nach dem Geschmack von Donald Trump. Als erster amtierender US-Präsident betrat er am Morgen nordkoreanischen Boden – gemeinsam mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Donald Trump, der Deal-Maker, Donald Trump, der Peace-Maker, dem das gelingt, woran alle anderen Präsidenten vor ihm gescheitert sind: den Paria-Staat zurückzustubsen auf den Pfad der Tugend.

Obama habe über Jahre bei Kim Jong Un um einen Termin gebettelt, aber keinen bekommen, behauptete Trump – was, bei allem, was wir wissen, eine glatte Falschbehauptung ist. Obama hatte während seiner Amtszeit ein Treffen ohne Vorbedingungen mit dem Diktator niemals in Erwägung gezogen. Doch die Botschaft Trumps, die hinter seiner Falschbehauptung steckt, ist klar: Das, was seine Vorgänger über Jahre verzweifelt versucht haben, macht er, Donald Trump, mal eben im Vorbeigehen, auf der Rückreise vom G20-Gipfel. Dafür braucht er nur einen Tweet, in dem er - angeblich spontan - den Diktator zu einem Treffen einlädt.

Keine messbaren Erfolge

Und jetzt? - Soll Kim sogar im Weißen Haus empfangen werden! Es wäre die nächste Aufwertung des brutalsten Regimes dieses Planeten. Ist es das alles wert?

Die positiven Analysten wenden ein, dass das immerhin eine Chance sein könnte, den Friedensprozess und Verhandlungen über einen Abbau des nordkoreanischen Atomarsenals wiederzubeleben. Fair enough! Doch solange die Trump-Administration dort, in den Mühen der Ebene, keine substantiellen, messbaren Erfolge erzielt, gibt es nichts, wofür man dem US-Präsidenten auf die Schulter klopfen muss.

So lange ist das, was Trump mit seinem Autokraten-Buddy Kim aufführt, nur Show ohne Substanz. Seit dem ersten Gipfel der Beiden in Singapur vor einem Jahr hat Nordkorea keine einzige seiner Zusagen eingehalten. Noch immer wissen die Amerikaner nicht einmal genau, wie groß das Atomarsenal Nordkoreas überhaupt ist.

Vermeintliche Friedensshow des Präsidenten

Doch so funktioniert die Außenpolitik der Weltmacht unter dem ehemaligen Reality-TV-Star Trump: Zunächst heizt er einen Konflikt massiv an. Zur Erinnerung: Kim Jong Un hatte der Präsident zu Beginn seiner Amtszeit als Raketenmann bezeichnet und ihm mit Feuer und Zorn gedroht. Doch dann erscheint auf einmal der Deal-Maker und wird zum Friedenstifter. Darum geht es Trump: um die gute Show für das heimische Kabelfernsehen. Worum es ihm nicht geht: um mühsam ausgehandelte, tragfähige Kompromisse, die der Friedenssicherung langfristig dienen.

Wie gefährlich diese Art der Außenpolitik ist, hat die Krise am Golf von Oman in den letzten Wochen gezeigt, als die Region nur zehn Minuten von einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran entfernt war. Auch der Führung in Teheran hat Trump via Fernsehen schon direkte Gespräche angeboten. Doch ob die Mullahs Lust haben, die Bilder für die nächste vermeintliche Friedensshow des Präsidenten zu liefern, darf bezweifelt werden.

Philipp May (Deutschlandradio/ Bettina Fürst-Fastré) (Deutschlandradio/ Bettina Fürst-Fastré)Philipp May wurde 1980 in Schleswig geboren. Er studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule in Köln mit dem Schwerpunkt Medien und Kommunikation. Nach diversen journalistischen Stationen in Deutschland und Australien volontierte er bei Antenne Bayern. Seit März 2011 ist er Redakteur und Moderator beim Deutschlandfunk; erst in der Sportredaktion, jetzt im Zeitfunk.

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