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StartseiteKommentare und Themen der WocheRussland ist Sieger nach Punkten16.07.2018

Trump trifft PutinRussland ist Sieger nach Punkten

Der Gipfel in Helsinki sei von den USA und Russland schlecht vorbereitet worden, kommentiert Thielko Grieß. Positiv daran sei, dass offenbar keine Deals zu Lasten Dritter getroffen worden seien. Gegenüber Putin habe Trump aber nicht mithalten können.

Von Thielko Grieß

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Die beiden halten sich lächelnd an den Armen, Melania Trump im weißen Kleid steht daneben. (Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/dpa)
Treffen in Helsinki: Donald Trump und Wladimir Putin (r.) (Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/dpa)
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Der Schauplatz besticht mit seiner Meeresbrise, den Möwen und der perfekten Organisation: Helsinki hat eine hervorragende Bühne für das Treffen der beiden Präsidenten geboten. Umso befremdlicher, dass dieser Gipfel von den beteiligten Parteien, den USA und Russland, schlecht vorbereitet worden ist. Es gibt, gemessen an dem, was Donald Trump und Wladimir Putin in der Pressekonferenz erklärt haben, keine besonders konkreten Ergebnisse, lediglich Ansätze. Das aber ist wohl schon eine gute Nachricht.

Trumps Sicherheitsberater John Bolton war einmal nach Moskau gereist. Die Themen waren bis Beginn des Treffens diffus. Als einst Boris Jelzin und Bill Clinton aufeinander trafen, selbst George W. Bush und Wladimir Putin, investierten beide Seiten viel mehr Energie im Vorhinein, weil sie wussten, was auf dem Spiel steht.

Am Gastgeberland Finnland lässt sich zeigen, worum es geht: Das Land ist nicht mehr der blockfreie, neutrale Staat, der er zu Zeiten der Sowjetunion war. Finnland ist Mitglied der Europäischen Union, Mitglied der Eurozone, sein Präsident sitzt auch bei NATO-Gipfeltreffen mit am Tisch, wenngleich es nicht zur Allianz zählt. Von der Einbindung in Bündnisse profitiert Finnland enorm.

Europa kann aufatmen

Genau diese Welt der Bündnisse, auch mit kleineren Ländern, symbolisiert durch Gastgeber Finnland, ist Trump und Putin gleichermaßen fremd. Nach dem Treffen in Helsinki lässt sich festhalten: In der Öffentlichkeit haben sie keine Deals, keine Abmachungen zu Lasten Dritter getroffen. Die Europäer können erst einmal aufatmen. Trump hat das westliche Bündnis im Beisein des russischen Präsidenten, nicht noch weiter geschwächt.

Amerika bleibt auch bei manchen Positionen gegen Russland: Washington rückt nicht davon ab, die Krim nicht als russisch anzuerkennen. Die Vereinbarung von Minsk soll Grundlage für eine Lösung bleiben – das ist für Kanzlerin Merkel, die Minsk zentral ausgehandelt hat, eine gute Nachricht.

Annäherung in der Iran-Frage

Beide Seiten haben sich aber bemüht, das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen. Putin und Trump wollen Felder identifiziert haben, in denen sie zusammenarbeiten können. Das betrifft zum Beispiel Syrien und die Rolle des Iran dort. Die Amerikaner haben deutlich gemacht, dass sie dessen Präsenz in Israels Nachbarschaft nicht dulden wollen. Russland hat offenbar versöhnliche Signale ausgesandt, will darauf eingehen. Das kann zu mehr Stabilität in Syrien führen, schützt aber auch die bestehenden Verhältnisse mit Russland als Schutzherrschaft und Assad an der Spitze der Regierung – aber dazu müssen noch weitere Details bekannt werden.

Sicher ist heute: Russland hat bei diesem Treffen nichts verloren, eher gewonnen. Wladimir Putin ist in seinen Argumentationen nicht erschüttert worden und hat sein daheim aufgebautes Image als verlässlicher Staatsmann von Welt mit präzisen Antworten gepflegt. Da konnte sein Gegenüber nicht mithalten. Donald Trump hat ihn freundlich behandelt und blieb oft im Nebulösen. Und so ist der Russe deutlicher Gewinner nach Punkten - was absehbar war.

Thielko Grieß (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Thielko Grieß (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Thielko Grieß, geboren in der Nähe von Osnabrück, hat Kultur-, Politik- sowie Medienwissenschaften in Leipzig, Ljubljana und Jena studiert. Während des Studiums hat er in verschiedenen Hörfunkredaktionen des Mitteldeutschen Rundfunks in Halle und Magdeburg sowie als freier Mitarbeiter für das Deutschlandradio gearbeitet. Er war im Gründungsteam der Nachrichtenredaktion von DRadio Wissen und hat beim Deutschlandradio volontiert. Danach hat er im Deutschlandfunk u. a. die Frühsendung "Informationen am Morgen" moderiert. Nach einem Studienaufenthalt an der Staatlichen Universität im russischen Nowosibirsk berichtet er seit Februar 2017 aus dem Studio Moskau über Russland, Weißrussland, den Kaukasus und Zentralasien.

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