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StartseiteKommentare und Themen der WocheDieselbe Platte nochmal19.06.2019

Trump tritt wieder anDieselbe Platte nochmal

Donald Trump macht es auf seine Art, und er kann es auch nur so, kommentiert Philipp May den Wahlkampfauftakt des US-Präsidenten. Dennoch könnte er es im kommenden Wahlkampf schwerer haben. Denn seine Tiraden gegen alles und jeden hätten sich ein Stück weit abgenutzt.

Von Philipp May

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US-Präsident Trump spricht am 18. Juni 2019 vor Anhängern (picture alliance / dpa / AA / Eva Marie Uzcategui T)
US-Präsident Trump will noch einmal kandidieren, doch die Platte des Hasses, mit den immer gleichen Parolen, habe einen Sprung, kommentiert Philipp May (picture alliance / dpa / AA / Eva Marie Uzcategui T)
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Donald Trump hatte versprochen, dass es wild werden würde. So wild wie bei einem Rock-Konzert. Und nimmt man seine aufgepeitschte, Trump treu ergebene Anhängerschaft zum Maßstab, dann hat er geliefert. Trump spielte alle seine größten Hits, quasi das Best-Off-Album seiner voll auf Spaltung ausgelegten Agenda.

Hier stehen wir: Die echten, hart arbeitenden, aufrichtigen Amerikaner. Und nur ich, Donald Trump, kann den Sumpf trocken legen, Euch weiterhin beschützen vor den anderen, den bösen, niederträchtigen, unamerikanischen Amerikanern, die auf euch, die auf uns herab schauen.

Und die Bösen, das sind im Kosmos von Trump und seiner Basis praktisch alle anderen. Vor allem die vermeintlich elitären, korrupten Demokraten, die Fake-News-Presse, natürlich Ausländer und erstaunlicherweise immer noch Hillary Clinton - Trumps 2016 überraschend unterlegene Rivalin um die Präsidentschaft.

Was einmal klappt, könnte nochmal klappen

Selbst der Wahlkampfslogan ist fast der Gleiche wie damals – Statt "Make America Great Again", heißt es jetzt: "Keep America Great". Das Amerika des Donald Trump.

Was einmal klappt, kann auch ein zweites Mal klappen, wird man sich im Trumps Team gedacht haben. Zumal er im Gegensatz zu damals seine Kampagne nun von vorne als amtierender Präsident und mit der mittlerweile voll auf Linie gebrachten republikanischen Partei im Rücken bestreiten kann.

Und dennoch könnte Trump es im kommenden Wahlkampf schwerer haben mit seiner Masche. Staunten große Teile Amerikas und der Welt 2016 noch über die Chuzpe, mit der der Immobilienmogul aus New York über seine Gegner herzog und die Grenzen des Sagbaren immer weiter verschob, so hat man sich mittlerweile doch an seine immer gleichen Tiraden gewöhnt.

So sehr Trump von seiner Fan-Basis für seine täglichen Ausfälle geliebt wird, so sehr hat die Platte des Hasses, mit den immer gleichen Parolen, für den Rest Amerikas einen Sprung.

Trump in Umfragen hinter Demokraten

Der Nachrichtenkanal CNN beispielsweise blendete sich nach nicht einmal zehn Minuten von Trumps Rede einfach aus.

Kaum einen Wähler hat der Präsident seit Amtsantritt dazugewonnen. Er kann nur diese eine Strategie: Die maximale Mobilisierung seiner Leute. Aber seine Leute - das ist nicht die Mehrheit in den USA.

Und diesmal sind auch die Demokraten stärker mobilisiert. Nach drei Jahren Trump, ist allen klar, was auf dem Spiel steht, sollte er für weitere vier Jahre am politischen System der USA rütteln.

Schon jetzt sehen Umfragen den Präsidenten gegenüber nahezu allen ernst zu nehmenden demokratischen Bewerbern teilweise deutlich im Hintertreffen.

Das muss jetzt – knapp anderthalb Jahre vor der Wahl - noch nichts heißen, doch man fragt sich, welche Platte Trump im Wahlkampf noch auflegen kann, wenn sich der Trend verfestigen sollte. Klar ist nur: Eine schöne Platte wird es nicht sein.

Philipp May (Deutschlandradio/ Bettina Fürst-Fastré) (Deutschlandradio/ Bettina Fürst-Fastré)Philipp May wurde 1980 in Schleswig geboren. Er studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule in Köln mit dem Schwerpunkt Medien und Kommunikation. Nach diversen journalistischen Stationen in Deutschland und Australien volontierte er bei Antenne Bayern. Seit März 2011 ist er Redakteur und Moderator beim Deutschlandfunk; erst in der Sportredaktion, jetzt im Zeitfunk.

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