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Startseite@mediasresWer, bitte schön, ist Michelangelo?13.08.2020

Trump und die MedienWer, bitte schön, ist Michelangelo?

Donald Trumps hat es immer schwerer mit den Medien, stellt Arno Orzessek in seiner Glosse fest: Das Verhältnis zu Fox News ist zerrüttet, und von Facebook und Twitter wird er bestraft. Und dann ist da ja auch noch die Berichterstattung über ihn und Mount Rushmore.

Von Arno Orzessek

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US-Präsident Donald Trump am Mount Rushmore (AFP / Saul Loeb)
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Es könnte gut sein, dass der nächste US-Präsident nicht Donald Trump heißt. Und natürlich gibt es viele, die das, sagen wir mal, gar nicht so schlimm fänden. Aber mit ein bisschen Empathie für den älteren Herrn im Weißen Haus versteht man durchaus, warum er sich – wie die New York Times berichtete – gern am Mount Rushmore verewigt sähe.

Dort oben neben Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln. Die findet Trump nämlich toll und praktisch nur sich selbst noch toller. Es wäre insofern eine echte Win-win-Situation für die patriotische US-Denkmal-Kultur. Soweit typisch Trump – sollte man meinen.

Doch Trump hat brüsk dementiert und auf Facebook sein Knowhow als Medien-Kritiker ausgespielt. Das mit dem Mount Rushmore seien "Fake News der gescheiterten New York Times und der schlecht bewerteten CNN". Andererseits, so Trumps treuherziger Nachsatz, "klingt es nach einer guten Idee für mich".

(Erik Zimmermann)Arno Orzessek (Erik Zimmermann)Arno Orzessek. Seit 1966 Arbeiter- und Bauernsohn, geboren in Osnabrück. Studierte in Köln Philosophie und anderes. Dank "unverlangt eingesandt": SZ- und DLF-Autor; auch: zwei Romane. Lebt seit 2000 rundfunktreu in Berlin. Angesichts der Unordnung der Dinge thematisch unspezialisierter Stoffwechsel-Spezialist. Welt-Erfahrung per Motor- und Rennrad, plus Lektüre. Radio-Ideal: Geistvolles in sinnlicher Sprache; Ziel: Gedankenübertragung; Methode: Arbeit am Text; Verfassung: der Nächste bitte!

Allein sein zerrüttetes Verhältnis zu Fox News!

Nun wollen wir hier niemandem vorschreiben, Trump mehr zu glauben als der New York Times oder umgekehrt. Wohl aber nachvollziehen, warum der ältere Herr stärker denn je an den Medien verzweifelt. Allein sein zerrüttetes Verhältnis zu Fox News!

Lange war es die große Liebe – aber dann haben ihn die Journalisten Marc Siegel und Chris Wallace vor einigen Wochen infam vorgeführt. Im Siegel-Interview durfte Trump sechs ungeschnittene Minuten lang vor sich hin bramarbasieren, um sich von Joe Biden, der selbst gern ins Weiße Haus einzöge, als genialer Hirnleistungs-Athlet abzuheben.

Doch alles, was Trump von sich gab, war eine schmerzhaft präzise Widerlegung seiner Selbstdiagnose: "Ich bin kognitiv fit." Ein guter Freund wäre dazwischengefahren. Denn Trump, der Kurzstrecken-Rhetoriker, verliert halt oft nach dem zweiten Satz den roten Faden, falls er ihn dann noch hat. Siegel jedoch hielt genüsslich den Mund.

Die Trump-Verächter unter Ihnen hätten das gern gesehen, stimmt's? Nun, Fox News will demnächst auch Deutschland per Streaming-Angebot bedienen. Würden der Sender Trump erneut vorführen, säßen Sie allerdings in der Zwickmühle, liebe Verächter: Denn Sie müssten für Ihr sadistisches Vergnügen Fox News abonnieren, den rechtskonservativen Propaganda-Sender also, den Sie ebenso verachten wie Trump.

Die Zeiten sind hart für Donald Trump

Der wiederum kann nicht einmal mehr in den Sozialen Medien tun, was er will. Nach Trumps Auskunft, Kinder seien "fast immun" gegen das Corona-Virus, hat Facebook den entsprechenden Post gelöscht; Twitter sperrte den präsidialen Account vorübergehend ganz. Auf den armen Trump muss das gewirkt haben, als risse man ihm die Zunge zweimal heraus.

Aber auch der deutsche Rechtsgelehrte Rolf Schwartmann fand's blöd und mokierte sich über die "Paralleljustiz" im Netz. Kurz, die Zeiten sind hart für Donald Trump, der sich vor dreieinhalb Jahren ins Weiße Haus verirrt hat wie ein Golfball, der beim örtlichen Juwelier einschlägt.

Womit wir nicht sagen wollen, dass Trump als Ex-Präsident auf den Golfplatz gehören würde. Ein besserer Platz für ihn wäre in der Tat Mount Rushmore. Man baue Trump dort ein Gerüst, gebe ihm Hammer und Meißel in die Hand und lese seine Tweets. Wir schätzen, einer wird lauten: "Wer, bitte schön, ist Michelangelo? Ich bin hier nächste Woche fertig."

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