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StartseiteInterview"Jeder versucht, den anderen über den Tisch zu ziehen"10.06.2018

Trump und Kim in Singapur"Jeder versucht, den anderen über den Tisch zu ziehen"

Es sei zu bezweifeln, dass die Sicherheitsarchitektur in der Region nach dem Treffen von US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim am Dienstag in Singapur stabiler sein werde, sagte der Asien-Experte Hanns Maull im Dlf. Weder Trump noch Kim machten verlässliche Zusagen.

Michael Köhler im Gespräch mit Hanns Maull

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In einer Bahnstation in Seoul verfolgen Menschen einen TV-Beitrag mit Kim und Trump (imago / Kyodo)
Ein historisches Treffen: Donald Trump und Kim Jong Un werden in Singapur miteinander verhandeln (imago / Kyodo)
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Durch das Treffen von Trump und Kim könne sich einiges ändern, sagte Asien-Experte Hanns Maull im Dlf. Aber das könne in zwei unterschiedliche Richtungen gehen. "Zum einen sinkt das unmittelbare Kriegsrisiko", sagte Maull. Es sei immer gut, miteinander zu sprechen. "Gleichzeitig vollzieht sich durch die Art, wer dort verhandelt und wie verhandelt wird, eine Veränderung in der regionalen Sicherheitsarchitektur Ostasiens." Diese Veränderung sei eher negativ zu bewerten. Er glaube nicht, dass nach dem Gipfel die Situation in der Region entspannter sein werde. Ein Problem, dass die Vergangenheit gezeigt habe, sei, dass Nordkorea eine Verhandlungspartei sei, auf die man sich nicht verlassen konnte. "Jetzt sind gleich zwei Partner an einem Tisch, auf deren Zusagen man sich nicht verlassen kann. Der Verhandlungsstil von Donald Trump ist so, dass wir wissen, wir können uns auf seine Zusagen ebenfalls nicht verlassen."

Kein formeller Friedensvertrag in Sicht

Seit 1953 herrsche zwischen Süd-und Nordkorea ein Waffenstillstand. Er bilde die Basis der Beziehungen zwischen den militärischen Einheiten im Norden und im Süden. Südkorea habe diesen Waffenstillstand damals nicht unterzeichnet, sagte Maull. China, die USA und eine Reihe anderer Staaten allerdings schon, denn dieser Krieg sei im Auftrag der Vereinten Nationen geführt worden. "Ein formeller Friedensvertrag würde bedeuten, dass noch eine Reihe von anderen Staaten - und vermutlich auch ein Beschluss des Sicherheitsrates - gebraucht wird. Die USA und Nordkorea können natürlich eine Friedensvereinbarung aussprechen", so Maull. Aber das sei etwas anderes als ein formeller Friedensvertrag, der den Waffenstillstand ablösen würde.

Beim Thema Denuklearisierung glaubt Maull nicht daran, dass sich Trump und Kim einigen können. Denn der Begriff bedeute für beide jeweils etwas Anderes. Maull hält diesen Konflikt daher für unlösbar. Man könne zwar auf Zeit spielen, aber er gehe davon aus, dass beide Seiten ein bestimmtes Ziel verfolgen: "Jeder versucht, den anderen über den Tisch zu ziehen."

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