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StartseiteInformationen am MorgenPlötzlich ziemlich beste Freunde09.06.2018

Trump und Kim Jong UnPlötzlich ziemlich beste Freunde

Fast ein Jahr lang haben sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un so heftig beschimpft und bedroht, dass die Welt den Atem anhielt. Doch seit Trumps spontaner Zusage im März für ein Gipfeltreffen mit Kim sind beide zu einer gegenseitigen Charme-Offensive übergegangen.

Von Martin Ganslmeier

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US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sind in einer Kombo auf einem Bild des südkoreanischen Fernsehens zu sehen. (dpa-bildfunk / AP / Lee Jin-man)
US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un auf einem Bild des südkoreanischen Fernsehens (dpa-bildfunk / AP / Lee Jin-man)
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Als Nordkorea im Frühjahr 2017 mehrere Atom- und Raketentests durchführte, attackierte US-Präsident Donald Trump zunächst die Politik seiner Amtsvorgänger. Clinton, Bush und Obama - sie alle hätten das Problem verschleppt. Er dagegen werde nicht länger tatenlos zuschauen. Die bisherige "Ära der strategischen Geduld" sei vorbei.

Trump schickte Kriegsschiffe los, ließ militärische Optionen prüfen, drohte Nordkorea mit "totaler Zerstörung" und beschimpfte Kim Jong Un als "Raketen-Mann", der sich auf einer "Selbstmord-Mission für sich und sein Regime" befinde.

Wenn Nordkorea nicht einlenke und auf Atomwaffen und Raketentests verzichte, so Trump im vergangenen August, werde er Nordkorea mit "Feuer und Zorn" begegnen, "wie es die Welt noch nie gesehen habe."

Nordkoreas Machthaber schoss zurück: er ließ Raketen über Japan fliegen, drohte mit einem Angriff auf das US-Territorium Guam und versprach Trump:

"Ich werde mit Sicherheit den geistig gestörten, senilen US-Greis mit Feuer bändigen"

Worauf Trump per Twitter reagierte:

"Warum beleidigt mich Kim Jong Un als "alt", wo ich ihn doch niemals "klein und fett" nennen würde."

Und als Kim Jong Un in seiner Neujahrsansprache auf den Atomknopf auf seinem Schreibtisch hinwies, konterte Trump, sein Atomknopf sei "viel größer und mächtiger" als Kims.

Umso überraschender die Kehrtwende im März: statt "Feuer und Zorn" kam es nach den Olympischen Spielen in Südkorea und der Tauwetter-Politik des südkoreanischen Präsidenten zu einer allmählichen Annäherung. Wohl auch weil die weltweite Sanktionsfront zu wirken begann, lud Kim Jong Un den amerikanischen Präsidenten zu einem Gipfeltreffen ein. Ohne Rücksprache mit seinen Beratern sagte Trump spontan zu und lobte Kim sogar als "offen und ehrenhaft".

"Er wird sicher und glücklich sein"

Der Charme-Offensive folgten Gesten des guten Willens: Kim Jong Un ließ drei Amerikaner frei, die er jahrelang in Nordkorea festgehalten hatte. Fortan sprach Trump nicht mehr von Nordkoreas Diktator, sondern vom "obersten Führer" oder vom "Vorsitzenden". Und nachdem sein Nationaler Sicherheitsberater John Bolton die Nordkoreaner verärgert hatte, indem er eine Denuklearisierung nach dem Vorbild Libyens empfahl, gab Trump sogar eine Sicherheitsgarantie für Kim Jong Un ab:

 "Er wird sicher und glücklich sein. Sein Land wird reich sein. Nordkorea hat die Chance ein großartiges Land zu werden."

Die zwischenzeitliche Absage des Gipfels schien niemand mehr zu bedauern als Trump. Mehrere Republikaner hatten ihn bereits für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Umso größer Trumps Freude, dass es nun doch zum Gipfel in Singapur kommt. Den Begriff "Politik des maximalen Drucks" wolle er nicht mehr verwenden, erklärte Trump nach dem Besuch von Nordkoreas Ex-Geheimdienstchef im Weißen Haus, schließlich habe man sich so gut verstanden:

"Wir haben über ein Ende des Krieges gesprochen, das Unterzeichnen eines Dokuments. Können Sie das glauben, das Ende des Krieges. Wir reden über 70 Jahre."

"Kennenlern-Treffen"

Auch seine ursprüngliche Forderung nach "kompletter, überprüfbarer und unumkehrbarer Denuklearisierung" relativierte Trump zuletzt. Singapur werde vor allem ein "Kennenlern-Treffen" und vielleicht etwas mehr.

Egal wie Trumps Begegnung mit Kim Jong Un verläuft, beide wissen, dass sie damit Geschichte schreiben. Vielleicht erklärt dies, warum zwei Staatsmänner, die sich über ein Jahr lang heftig beschimpft haben, nun "ziemlich beste Freunde" sind.

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