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StartseiteInformationen am AbendVerunsicherung in 140-Zeichen23.12.2016

Trump und TwitterVerunsicherung in 140-Zeichen

Mit seinen täglichen Twitter-Botschaften sorgt Donald Trump immer wieder für Verunsicherung - noch bevor er die Regierungsgeschäfte übernommen hat. Zuletzt äußerte er sich per Kurznachricht zur Nahost- und zur Atom-Politik. Versuche seines Sprechers, Aussagen klar zu stellen oder zu relativieren, unterläuft Trump regelmäßig.

Von Martin Ganslmeier

Einer Trump-Auftritte auf Twitter (imago stock&people)
Der Twitter-Auftritt von Donald Trump (imago stock&people)
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Stunden lang rätselten Experten, was Donald Trump mit seiner Twitter-Botschaft gemeint haben könnte: "Die USA müssen ihre nuklearen Fähigkeiten erheblich verstärken und ausbauen, bis die Welt in Sachen Atomwaffen zur Vernunft kommt". War dies etwa Trumps Antwort auf Putins Ankündigung, Russlands Atomarsenal zu stärken? Droht der Welt eine neue nukleare Aufrüstungsspirale?

Nein, bemühten sich Trumps Sprecher um Klarstellung, der künftige US-Präsident strebe keine Abkehr von 30 Jahren amerikanischer Abrüstungspolitik bei Atomwaffen an, sondern im Gegenteil: Trump wolle die Verbreitung nuklearer Waffen verhindern.

Trump düpiert seinen Sprecher

Doch die Interpretationsversuche seiner Sprecher konterkarierte Trump prompt durch einen Telefonanruf bei der MSNBC-Moderatorin Mika Brzezinski: "Lass es doch zu einem Wettrüsten kommen", habe Trump ihr gesagt: "Wir werden sie in allem übertreffen und uns am Ende durchsetzen."

Erneut muss sich Trumps künftiger Sprecher im Weißen Haus, Sean Spicer, den kritischen Fragen der US-Medien stellen. Trumps Äußerung sei als Warnung für andere Länder gemeint, betont Spicer: "Wenn andere Länder unsere Souveränität oder Sicherheit bedrohen wollen, dann wird Trump handeln. Es geht um Russland aber auch um andere Länder."

Auch künftig Weltpolitik über Twitter

Schon im Wahlkampf hatte Trump mit seinen meist frühmorgendlichen Tweets die Themen gesetzt. Offensichtlich will er auch künftig mit 140-Zeilen-Botschaften Weltpolitik machen. Dabei folgt er seinem Credo, der US-Präsident werde dann wieder mehr respektiert, wenn er für die Welt "unberechenbarer" werde.

Eine Außen- und Sicherheitspolitik mit Hilfe von Twitter-Drohungen hält der demokratische Senator Chris Koons für gefährlich. Im Sender CNN forderte Koons Trump auf, er solle sein "iPhone" endlich abgeben und das Twittern sein lassen: "Wir können keinen Präsidenten haben, der um 5 Uhr morgens etwas twittert, das seine Sprecher um 7 Uhr klarstellen müssen. Dann twittert er wieder um 9 Uhr. Und sein Außenminister muss um 10 Uhr zurückrudern. Das führt zu Chaos in unseren internationalen Beziehungen."

Trump mischt sich in Nahostpolitik ein

Schon zuvor hatte sich Trump mit einem Tweet in die Nahost-Politik eingemischt. Die Obama-Regierung müsse eine Resolution im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhindern, mit der die Siedlungspolitik Israels verurteilt werden sollte. Trump telefonierte sowohl mit der israelischen Regierung als auch mit Ägyptens Präsident al-Sisi, der die Resolution nach Trumps Anruf tatsächlich zurückzog.

Dagegen hätte die noch amtierende Obama-Regierung die Resolution nicht blockiert, weil sie Israels Siedlungspolitik kritisiert. Trumps Vorpreschen sei ein Affront, kritisierte der frühere US-Botschafter Nicholas Burns: "Man kann nicht zwei Präsidenten zur gleichen Zeit haben. Obama ist noch bis zum 20. Januar Präsident. Doch Trump mischt sich schon in die Regierungsgeschäfte ein. Das sorgt im Ausland für Verwirrung und ist nicht in Ordnung."

Aktienkurs von Rüstungskonzern brach nach Trump-Tweet ein

Doch Trump denkt gar nicht daran, sich mit seinen Tweets zurückzuhalten. In einer weiteren 140-Zeilen-Botschaft drohte er dem Rüstungshersteller Lookheed Martin, wegen der hohen Kosten auf den neuen F-35-Kampfjet zu verzichten und stattdessen den alten F-18 von Boeing weiter zu nutzen. Prompt brach der Aktienkurs von Lookheed Martin ein.

Man solle Trumps Aussagen nicht immer wörtlich nehmen, hatten Trumps Sprecher nach seinem Wahlsieg gesagt. Jetzt stellen sie fest, dass schon eine falsche Formulierung des künftigen US-Präsidenten viel Schaden anrichten kann.

 

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